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Kein egozentrisches Auftrumpfen, sondern musikalischer Dialog: das „Signum-Quartett“. 

bibliotheksaal Polling

Alban Berg auf phantastischem Niveau

Polling - Das junge „Signum-Quartett“ brillierte in Polling. Es präsentierte Alban Berg auf phantastischem Niveau.

Alban Berg auf phantastischem Niveau

Polling – Nicht nur Graphologen schließen von der Signatur eines Menschen auf individuelle Persönlichkeitsmerkmale. Das junge „Signum-Quartett“ führt seinen Namen denn auch mit Bedacht, möchte mit seinen Interpretationen seine ganz persönliche Handschrift zeichnen. Mit einem kleinen Wermutstropfen eröffnet das Konzert: Anstelle von Primaria Kerstin Dill, die gerade Mutter geworden ist, betritt Florian Donderer, Konzertmeister der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, das Podium.

Behutsam nähert man sich in der neuen Besetzung Haydns f-Moll-Quartett aus dem Opus 20. Im Kopfsatz finden die jungen Musiker gleich Zugang zum Markenzeichen des zur Entstehungszeit knapp 40-jährigen Haydn, einer tastenden Kantabilität, introvertiert, mit nachdenklichen Seufzern akzentuiert. Wiegend, sachte wogend, geschmückt mit virtuoser Erzählkunst Donderers, berührt das Menuetto- Trio. Auch im Adagio scheut das Quartett das Risiko zerbrechlicher Durchlässigkeit nicht.

Wichtig ist beim „Signum-Quartett“ der musikalische Dialog. Ein egozentrisches Auftrumpfen einer Stimme findet man nicht. Nicht zu überhören ist allerdings, dass die drei Kernmusiker des Quartetts eine phantastische Balance und Abgestimmtheit aufeinander haben, in die sich Donderer nicht immer einfügen kann.

„[Trotz] meiner großen Aufregung [...] schwelgte ich in dem Wohlklang u. der feierlichen Süße u. Schwärmerei dieser Musik.“ So begeisterte sich Alban Berg im Brief an seine Frau nach der Aufführung seines 3. Streichquartetts im August 1923. Wie man später den Pausenkommentaren der Zuhörer entnehmen konnte, gehörte das Pollinger Publikum leider in weiten Teilen nicht zur Fangemeinde von Werken, die ihr Geheimnis nur jenseits von melodiöser Behaglichkeit offenbaren möchten. Etwas Hörerfahrung auf zeitgenössischem Terrain, im Idealfall auch eine inhaltliche Vorbereitung durch den Veranstalter wären sicher hilfreich zum besseren Verstehen.

Das Quartett musiziert Bergs 3. Streichquartett auf einem phantastischen, ungemein kontrastreichen Niveau. Diese für Berg so typische, hinter die Seele kriechen wollende Intensität, das Schwimmen auf einer Woge ins Ungewisse, Sphärenklänge, Tremoli, dampflokartige Accelerandi senden eine echolotartige Botschaft. Dicht, energetisch hoch aufgeladen machen es die motivisch verbundenen Themen dem Hörer schwer, der Sonatensatzform zu folgen. Berg verarbeitet seine Kaleidoskop-Splitter intensiv und in immer wieder neuen Facetten. Als morbider Tänzer auf höchster Spitze fasst das Quartett nach diesem Werk, eine bravourös gemeisterte Interpretation.

Erstaunlich auch, wie in der romantischen Sprache von Brahms größtmögliche Transparenz gefunden wird. Die vier lassen sich Zeit. In ungewöhnlicher agogischer Freiheit reduzieren sie das a-Moll-Quartett aus Opus 51 auf seine Essenz, ohne die große Linie der Hingabe zu verlieren. Keine lehmhafte Bodenständigkeit klebt am Finale. Beim Signum-Quartett wird dieser Brahms zum visionären Ausblick auf die sich ankündigende Moderne des 20. Jahrhunderts. Ein außergewöhnlicher Zugriff.

Dorothe Fleege

Das nächste Konzert

im Bibliotheksaal: Sharon Kam (Klarinette), Daniel Müller-Schott (Cello) und Enrico Pace (Klavier) am Dienstag, 2. Februar. Karten unter Telefon 0881/68611.

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