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Spielten vor rund 300 Zuhörern: Die beiden Trompeter Andreas Öttl (vorn), Frank Bloedhorn (Mitte) sowie Organist Anton Ludwig Pfell (hinten).  

benefizkonzert in polling

Es geht auch ohne Vivaldi

Polling - Mal was anderes gab es beim Konzert in Polling. Die Trompeter Andreas Öttl und  Frank Bloedhorn sowie Organist Anton Ludwig Pfell spielten überwiegend Barockwerke.

 Für ein strahlendes Festkonzert braucht’s nicht unbedingt ein großes Orchester oder einen großen Chor. Dafür genügen drei profilierte Musiker. Das haben die Trompeter Andreas Öttl und Frank Bloedhorn am Samstagabend in Polling unter Beweis gestellt, wo die beiden Routiniers von der Bayerischen Staatsoper zusammen mit dem erfahrenen Organisten Anton Ludwig Pfell (Andechs; seit heuer in Herrsching) ein gut einstündiges Programm gestalteten, wofür die knapp 300 Besuchern am Schluss viel Applaus spendeten.

Der Schwerpunkt lag auf Werken aus der Epoche des Barock. Doch griffen die Trompeter auch zum Flügelhorn mit seinem warmen Klang und spielten alpenländische Weisen. So ging der festliche Konzertabend in der Kirche mit dem „Guiserer Jodler“ andächtig zu Ende. Es war die zweite Zugabe nach dem bekannten Bach-Choral „Jesu bleibet meine Freude“. Schon mitten im Konzert erklangen Weisen für zwei Flügelhörner, wozu sich Andras Öttl (er stammt aus Vorarlberg) und Frank Bloedhorn (er ist in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen) von der Empore nach unten an die Stufe zum langen Chorraum begaben.

Für manches Ohr gewöhnungsbedürftig, aber allemal eine Bereicherung war dabei zwischen zwei alpenländischen Stücken ein Beitrag aus dem 20. Jahrhundert, nämlich das Duett „Frage und Antwort“.

Prächtige Festmusik verbindet man gerne mit dem italienischen Meister Antonio Vivaldi. Doch es geht auch ohne Werke aus dessen Feder. Öttl interpretierte das bekannte Lied „Lascia, ch’io pianga“ von Georg Friedrich, Händel, Bloedhorn das „Ave Maria“ von Giulio Caccini, ehe die beiden den prächtigen Schlusspunkt im offiziellen Programm mit den hoch klingenden Barocktrompeten und den vier Sätzen der Sonata in D-Dur von Petronio Franceschini setzten. Eröffnet hatten die Solisten das Konzert in der Stiftskirche mit der „Sinfonia a due trombe“ eines anonymen Meisters. Die Stücke, die Anton Ludwig Pfell auf der dreimanualigen Orgel interpretierte, waren allemal eine Bereicherung, wie die „Fantasia a gusto italiano“ von Johann Ludwig Krebs und das Präludium und die Fuge A-Dur des Johann Sebastian Bach, bei der er ein moderates Tempo bevorzugte.

Es war ein Benefizkonzert; der Erlös ist für die Familie Kilic aus Schongau bestimmt. Sie hat zwei schwer behinderte Kinder und ist aus einer Wohnung im dritten Stock in ein Reihenhaus an der Joseph-Haydn-Straße in Schongau umgezogen; die Mutter musste zuvor Tochter und Sohn immer drei Stockwerke weit die Treppen hochtragen. Sie war selbst im Konzert anwesend, bedankte sich dafür, dass der Erlös ihrer Familie zugutekommt. Organisiert wurde das Konzert von Brigitte Schiessler aus Peißenberg, die über die Kinderklinik in Garmisch von dem Schicksal und der Wohnsituation der Schongauer Familie erfuhr. Zusammen mit ihrem Mann Dr. Hans Schiessler sowie mit Unterstützung des Rotary-Clubs Weilheim und des Inner Wheel Clubs Pfaffenwinkel wurde der Abend organisiert, der auch ohne große Besetzung dem Anspruch des Festkonzertes allemal gerecht geworden ist.

Johannes Jais

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