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Im Bibliotheksaal verliehen Bürgermeisterin Felicitas Betz und Kulturreferent Michael Jarnach die Ehrenzeichen und den Kulturpreis, der an den Trachtenverein „D’Ammerbergler“ ging.

„Ammerbergler“ und sieben Ehrenamtliche ausgezeichnet

Pollinger Kulturpreis geht an die Trachtler

Ehre, wem Ehre gebührt: Beim Pollinger Neujahrsempfang bekamen sieben ehrenamtlich engagierte Bürger das Ehrenzeichen der Gemeinde verliehen. Eine besonders hohe Auszeichnung wurde dem örtlichen Trachtenverein zuteil: So durften sich Vorstand Franz Tafertshofer und seine „Ammerbergler“ über die Verleihung des Kulturpreises freuen.

Polling – Nachdem sie das Manuskript für ihre „Neujahrsansprache“ am Rednerpult ausgebreitet hatte, entschuldigte sich Bürgermeisterin Felicitas Betz gleich einmal im Voraus bei den Gästen des Neujahrsempfangs: „Ich habe eine neue Brille“, verkündete die Pollinger Rathauschefin schmunzelnd: „Sollte ich jetzt also einen Schmarrn erzählen, dann liegt das nicht an meiner Unfähigkeit.“ Betz’ Optiker scheint gute Arbeit geleistet zu haben. Die Bürgermeisterin erzählte keinen „Schmarrn“, sondern fand – für den Anlass durchaus passend – nachdenkliche Worte.

Der Jahreswechsel, so Betz, sei zwar letztlich nur eine „künstliche Zäsur“, allerdings biete er eine gute Gelegenheit zu einer reflektierenden „Bestandsaufnahme“. Die Rathauschefin sprach den Wintereinbruch an, der gezeigt habe, dass die Infrastruktur in Deutschland auch in schwierigen Situationen weitestgehend funktioniert und die Leute in vermeintlichen Katastrophenlagen hilfsbereit zusammenrücken. Letzteres sei 2016 beim Hochwasser in Polling nicht anders gewesen. In schwierigen Lagen, so mutmaßte Betz, würde den Menschen offenbar vor Augen geführt, was wirklich wichtig im Leben ist. „Es geht uns hier schon richtig gut. Wir sind privilegiert“, betonte Betz – allerdings: „Manchmal entgeht uns das, und wir sind zu viel damit beschäftigt, unwichtige Probleme zu lösen.“ Freiheit, Demokratie und Wohlstand seien weltweit betrachtet eher die Ausnahme, konstatierte Betz, die für das neue Jahr persönlich einen Vorsatz gefasst hat: „Ich möchte mit etwas mehr Demut dem entgegentreten, was wir hier als Leben haben.“ Um die elementaren Grundpfeiler der freien Gesellschaft zu bewahren, brauche es Leute, die sich dafür einsetzen, erklärte Betz – und damit leitet sie zum Hauptthema des Neujahrsempfangs über. Sieben verdiente Bürger (siehe Kasten) standen heuer auf der Liste für das kommunale Ehrenzeichen. Selbiges wird in Polling nicht inflationär vergeben. Die Messlatte liegt hoch: „Aller Ehren wert ist ein Dienst erst, wenn er gewissenhaft ausgeführt wird“, verwies Michael Jarnach, Kulturreferent des Gemeinderats und Laudator des Abends, auf die strenge Ehrungssatzung der Gemeinde Polling. Als Kriterien werden dort unter anderem eine ehrenamtliche Tätigkeit von mindestens 20 Jahren genannt, und es müssen „hervorragende Verdienste“ erworben worden sein.

Jarnach unterstrich nicht nur die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements, sondern auch das gesellschaftliche Ansehen, das die Auszeichnung mit sich bringe: „So eine Ehrung ist viel mehr als eine Nadel am Revers – so etwas bleibt ewig bestehen.“

„Sind ja schließlich nicht die EU“

Als Höhepunkt des Neujahrsempfangs, der im Bibliotheksaal stattfand und von der Bläsergruppe des Musikvereins Polling feierlich umrahmt wurde, bekam der örtliche Gebirgstrachtenverein schließlich den Kulturpreis verliehen. Die Auszeichnung hat die Gemeinde in den vergangenen 14 Jahren nur sechsmal vergeben.

„D’Ammerbergler“, die 2019 ihr 100-Jähriges feiern, setzen sich laut Jarnach „unermüdlich“ für die Stärkung der heimatlichen Identität ein – und das quer durch alle Generationen: „Dadurch, dass der Mensch in die Vergangenheit schaut, schafft er ein Bewusstsein für heute“, erklärte Jarnach. Franz Tafersthofer nahm die Auszeichnung bescheiden entgegen. „Alle Pollinger Vereine hätten sie verdient“, meinte der Trachtler-Chef. Sein Appell: „Wir Vereine müssen weiter zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen. Wir sind ja schließlich nicht die EU, wo jeder nur sein eigenes Süppchen kocht.“

Die neuen Ehrenzeichenträger in Polling:

Johann Mayr: Der „Wassermo Hans“, wie er in Oderding genannt wird, war viele Jahre lang bei der Schützengesellschaft Oderding als Sportwart und Mitglied des Vereinsausschusses aktiv. Gegenwärtig führt er das Amt des Fähnrichs aus. Auch im Bürgerverein Oderding ist Mayr engagiert – unter anderem war er maßgeblich an den Umbauarbeiten zur Erweiterung des Dorfgemeinschaftshauses beteiligt.

Irmgard Mayr: „Irmi“ Mayrs Ehrung erfolgte – wie es in der Laudatio hieß – aufgrund ihres „außerordentlichen Engagements“ um den Bürgerverein Oderding, in dem sie viele Jahre in Vorstandsämtern tätig war. Darüber hinaus leistet sie bis heute mit ihrem handwerklichen Geschick wertvolle Dienste zum Beispiel bei der Gestaltung des Dorfgemeinschaftshauses.

Hans Grundner: Gartenbauverein, Trachtenverein, Heimatverein, Arbeitskreis „Dorf“, Weinbruderschaft und „Pollinger Wein GbR“: Das waren respektive sind die vielfältigen Betätigungsfelder von Hans Grundner. Vor allem im Gartenbauverein hat er sich einen exzellenten Ruf als Baumveredler erarbeitet.

Ludwig Kolbeck: Als Person, die das Vereinsleben beim örtlichen Motorsportclub aktiv mitgestaltet, wurde Ludwig Kolbeck bei der Ehrung vorgestellt. Kolbeck war unter anderem als Kassenprüfer und Beisitzer im Vorstand tätig. Außerdem kümmerte er sich um den Auf- und Abbau des vereinseigenen Veranstaltungszelts.

Walter Neuner: „Er war bei sämtlichen Veranstaltungen von der Oldtimer-Rallye bis zum Geschicklichkeitsradfahren in vorderster Front bei der Organisation dabei“, hieß es in der Laudatio über Walter Neuner, der seit 1990 beim MSC Polling in der Vorstandschaft mitarbeitet.

Dieter Wolff: Er ist Gründer und seit 20 Jahren Motor der Basketballabteilung des SV Polling, aber auch im Asylunterstützerkreis ist Wolff von Anfang an engagiert. „Sein persönliches Engagement sieht er als eine Möglichkeit, anderen Hilfe zu leisten und damit ein Stück weit zurückzugeben, was Deutsche nach dem Krieg trotz der Gräuel des Naziregimes an Hilfe bekommen haben“, hieß es in der Laudatio.

Marianne Grundner: In diesem Jahr feiert Marianne Grundner ihr 25-jähriges Übungsleiter-Jubiläum. In der Turnabteilung ist sie in verschiedenen Rollen aktiv. Besonders ist ihr Name mit dem Kinderturnen verbunden, aber auch mit der Damengymnastik. Außerdem unterstützt sie große Veranstaltungen wie die Turn-Gala.

jep

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