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Kritische Analyse: Abtprimas Notker Wolf im Gespräch mit Alexander Dobrindt. 

Frühjahrsgespräch der CSU

Mit entwaffnender Offenheit

Oderding - Abtprimas Notker Wolf traf beim Frühjahrsgespräch der CSU mit Minister Dobrindt zusammen. Dabei zeigte sich der Gottesmann sehr offen.

 Alexander Dobrindt hatte Glück. Einen kleinen Parkplatz für seinen eigenen Wagen fand der Bundesverkehrsminister, hiesige Bundestagsabgeortneter und CSU-Kreisvorsitzender noch am Sonntagnachmittag in Oderding. Ansonsten war rund um das Gemeindehaus alles hoffnungslos zugeparkt. Das von Dobrindt vor einigen Jahren ins Leben gerufene Frühjahrsgespräch des CSU-Kreisverbandes lockte rund 200 Besucher an, die teilweise stehend die Veranstaltung verfolgen mussten.

In diesem Jahr hatte Dobrindt Abtprimas Notker Wolf eingeladen. Der oberste Repräsentant der Benediktiner ist auch Professor für Naturphilosophie und Wirtschaftstheorie, Schriftsteller, Rockmusiker aus Leidenschaft, passionierter Pfeifenraucher und vor allem ein begnadeter Redner. Dass das geplante 45- minütige Gespräch dann doppelt so lang ausfiel, störte keinen der Anwesenden. Im Gegenteil, jede Minute des Zuhörens war eine Bereicherung, denn Notker Wolf spricht den Menschen aus dem Herzen und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Dobrindts gezielte Fragen zu gesamtpolitischen Themen beantwortete der Abtprimas mit einer stammtischfernen, entwaffnenden Offenheit, die in ihrer kritischen Analyse auch nicht vor der herrschenden Politik haltmachte. „Wo gibt es heute noch Politiker mit einer Vision?“, fragte der Mönch und verwies in diesem Zusammenhang auch auf die bekannte Aussage der Bundeskanzlerin. Ihr „Wir schaffen das“ sei schon eine Vision, so Wolf, aber das „Wie schafft man das?“ habe die Kanzlerin noch nicht vermitteln können.

Dabei ist Solidarität in den Augen des Benediktiners so unglaublich wichtig in der heutigen Zeit. Ein Zusammenwachsen der verschiedenen Nationen in Europa, habe aber auch immer etwas mit einer Identitätsfrage zu tun, so Wolf – je autonomer ein Staat ist, um so solidarischer sollte er sein.

In diesem Zusammenhang bedauerte der Abtprimas zusammen mit Dobrindt die derzeitige Europapolitik. „Beim ersten gravierenden Problem gibt es schon keine Solidarität mehr in Europa“, sagte Dobrindt zur Flüchtlingsdebatte. Und Wolf ging noch einen Schritt weiter: „Wenn der Egoismus durchbricht, geht gar nichts mehr“, stellte er fest und verurteilte auf das Schärfste die Kriminalität der internationalen Schleuserbanden.

Aber der Benediktinermönch hatte keine finsteren Aussichten parat. „Wir haben keine leichte Zukunft vor uns – aber eine tolle“, gab er den Zuhörern noch mit auf den Weg. Eine positive Bilanz war auch der Erlös der Spenden. 814 Euro kommen nunmehr dem Pollinger Hospizverein zu Gute.

Regina Wahl-Geiger

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