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Philosophische Gedanken auf Französisch:  Michael Jarnach (links) begrüßte die Gäste die Gäste mit einer Festrede in ihrer Amtssprasche.

Bayerisch-lothringische Begegnung

Für eine Freundschaft ohne Grenzen

Etting – Mit einem Festabend feierten  53 Ettinger aus Lothringen mit mehr als 100 Ettingern aus Oberbayern und anderen Pollingern. Anlass war die  40-jährige Partnerschaft.

Zum Jubiläum blickte Gabriel Mayr, ein Mann der ersten Stunde, zurück. „Jetzt haben wir wieder Geld, jetzt könnten wir wieder fortfahren.“ Mit diesem Satz, den vor 40 Jahren ein Sänger des „Ettinger Viergesangs“ gesagt hat, begann nach der Erinnerung von Mayr die Partnerschaft zwischen den beiden Ettings. Die Musiker hatten bei Hochzeiten gesungen und wollten das eingenommene Geld wie üblich für eine Reise ausgeben. Bei der Planung sei einer auf die Idee gekommen, in einen Ort gleichen Namens zu fahren. Nachdem eine Fahrt nach Etting bei Ingolstadt allen Beteiligten nicht so spannend erschien, entschieden sich die Musiker für Etting in Lothringen.

Die Partnerschaft zwischen den beiden Ettings funktioniert nach Einschätzung des lothringischen Bürgermeisters Christian Bichelberger so gut, weil die Menschen von der Mentalität her sehr ähnlich seien. Auch die Dörfer seien sich ähnlich. Seine Gemeinde habe nur 781 Einwohner und wenig Infrastruktur: „Wir haben ein Restaurant, der Metzger und der Bäcker kommen mit dem Verkaufswagen.“ Sehr viele Ettinger müssten in die nächste Stadt zum Arbeiten fahren – 40 Kilometer weit nach Saarbrücken oder Zweibrücken. Hinzu kommt laut Bichelberger, dass die Menschen aus den Partnergemeinden direkt miteinander reden können. Lothringer Platt – der deutsche Dialekt – würden die Bayern verstehen, und die Lothringer würden auch die Bayern verstehen. Auch die Entfernung der Partnerorte spiele ein Rolle. Die 450 Kilometer lange Reise werde mit dem Bus in acht Stunden „ganz gemütlich, mit Pausen“ zurückgelegt.

Dass ein Drittel der Teilnehmer heuer zum ersten Mal dabei waren zeige, dass die Partnerschaft wirklich lebe. In einigen Familien mache bereits die dritte Generation bei dem Austausch mit.

Dass die Freundschaft weiter gepflegt wird, hofft auch Michael Jarnach. Der Kulturreferent der Gemeinde Polling beendete seine Rede, die er auf Französisch hielt, mit einem Aufruf in Anlehnung an ein Zitat aus Voltaires philosophischem Werk „Candide“: „Allons y: continuons à cultiver nos jardins!“ Die Aufgabe, den Garten der Freundschaft zu pflegen, sei inzwischen größer geworden – sie sei global. Gefragt sei eine „amitié sans frontières“ – eine Freundschaft ohne Grenzen.

Pollings Bürgermeisterin Felicitas Betz, die den deutschsprachigen Teil der Begrüßung übernahm, sieht ein Problem vieler Gemeindepartnerschaften darin, dass die „treibende Kraft“ nicht an die nächste Generation weitergegeben wird. „In unserem Fall ist das gottlob anders“, so die oberbayerische Rathauschefin. Hier seien viele Freundschaften zwischen den Familien entstanden, und es gebe auch viele Besucher außerhalb der offiziellen Treffen – über Generationen hinweg.

Nach den hehren Worten der Offiziellen wechselten die Freunde schnell zu privaten Themen. Der Unterschied in der Klassifizierung von alkoholischen Getränken in Lothringen und Bayern wurde ebenso diskutiert wie die Inhaltsstoffe von Bierzusätzen oder die traditionelle Herstellung von Zwetschgenmarmelade. So dauerte die Feier mit Musik, Aufführungen der Trachtenjugend und einem bayerisch-französischen Buffet bis nach Mitternacht.

Alfred Schubert

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