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Speziell für Waldbrände sind die Aktiven der Ettinger Feuerwehr ausgerüstet: Helme mit Schutzbrillen, Feuerpatschen, Haken, Pumpen, Löschrucksäcke und ein Faltbehälter für die Wasserversorgung stehen für den Einsatz bereit.

Vielleicht sind sie auch bald in ganz Deutschland aktiv

Die Waldbrand-Experten aus Etting: Sie unterstützen die Wehren im ganzen Landkreis

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Bricht im Landkreis ein Waldbrand aus, gibt es in Etting Alarm. Die dortige Feuerwehr ist auf den Kampf gegen brennende Bäume und Büsche spezialisiert. Das „Kompetenzteam“ hilft mit Rat und Tat – womöglich bald in ganz Deutschland.

Etting – Unlängst wieder soweit. Beim Kommandanten der Ettinger Feuerwehr lief ein Alarm der Integrierten Leitstelle auf: Die Ettinger wurden zum Waldbrand am Ammerhang bei Böbing gerufen (wir berichteten). Die Feuerwehr rückte mit drei Fahrzeugen und 20 Aktiven aus, um die Kameraden vor Ort zu unterstützen. Insgesamt 130 Kräfte von Feuerwehren und Bergwacht kämpften bis zum Montag gegen die Flammen.

Dass die Ettinger Wehr ausrückte, hat einen Grund: Die rund 50 Aktiven im 400 Einwohner zählenden Dorf bilden das „Kompetenzteam Waldbrandbekämpfung“. Sie werden beim „überörtlichen Brandschutz“ eingesetzt und im Alarmierungsplan entsprechend berücksichtigt, wie Walter Weber, im Landratsamt für Brand- und Katastrophenschutz zuständig, sagt. „Sie sind zusätzlich freiwillig engagiert“, sagt Weber. „Das Tram steht mit seinen Kompetenzen dem ganzen Landkreis zur Verfügung.“

Katastrophenschutz stationiert Löschfahrzeug im Gerätehaus

Der Landkreis honoriert das: Er finanzierte 2010 ein Quad für Einsätze im schwierigen Gelände und kaufte vor acht Monaten die leichtere Pumpe „Otter“, die auch in Böbing zum Einsatz kam. Darüber hinaus hat der Katastrophenschutz im Gerätehaus ein Löschfahrzeug stationiert, dass 2012 von der Bundesrepublik gestellt wurde und von der Wehr mitgenutzt wird.

Angeseilt von der Bergwacht ging es runter.

Beladen ist das Fahrzeug mit Material für Waldeinsätze. Dazu gehören über 300 Meter dünnere D-Wasserschläuche. „Die sind leichter zu handhaben“, erklärt zweiter Kommandant Thomas Plonner. Des Weiteren finden sich zwei Pumpen, Feuerpatschen, Schaufeln, Haken sowie ein fünf Kubikmeter Löschwasser fassender Faltbehälter. Ausgerüstet sind die Aktiven mit Spezialhelmen samt Schutzbrille.

Bei der Schutzkleidung soll es demnächst auch noch extra leichte Hosen und Jacken geben. „Es ist eine körperlich schwere Arbeit“, begründet Karl Neuner die Investition. Neuner hatte 2004 als Kommandant die Waldbrandgruppe initiiert.

Extra Großübung für Herbst geplant 

Die Wehr hatte damals bereits gewisse Erfahrung mit dem Thema. Auch, weil es im Dorf viele Waldbesitzer gibt. „Und wir waren immer schon im erweiterten Katastrophenschutz“, sagt Neuner.

Im „Kompetenzteam“ wird Ausbildung großgeschrieben. Kommandant Kraus war sogar auf einem zweiwöchigen Lehrgang im griechischen Thessaloniki. Andere besuchten Fachsymposien in Braunschweig, Heidelberg und München. Auch bei den regelmäßigen Übungen steht Training auf dem Programm. Und für Herbst ist eine extra Großübung geplant.

Gemeinsamer Einsatz: Beim Waldbrand an den Böbinger Schnalzhöhlen rückten Ettinger Aktive (links) mit anderen Wehren dem Feuer zu Leibe.

Das Ziel all dieser Bemühungen ist: Jeder Aktive soll fit für die Spezialeinsätze sein. Denn ein Waldbrand ist immer etwas Besonderes, wie Ex-Kommandant Neuner weiß. „Es gibt unterschiedliche Feuer.“ In Böbing hatten es die Helfer mit einem „ausgedehnten Bodenbrand in schwierigem Gelände zu tun“, erklärt der Waldbrandberater.

Im Schnitt zwölf bis fünfzehn Einsätze pro Jahr 

Vor Ort helfen die Ettinger mit ihrer Erfahrung. „Wir sind dazu da, die Führungen zu unterstützen“, sagt Kommandant Kraus. Mit Rat und Tat. Wie im Böbinger Ammerhang. „Das war ein gemeinsames Handeln.“ Die Wehr rückt im Jahr im Schnitt zwölf- bis 15-mal aus, ein bis zwei Waldbrände sind laut Neuner darunter. Die Kompetenz ist gefragt: 2014 waren die Experten in Fischen am Ammersee, als das Schilf brannte, 2017 in Breunetsried, 2018 in Bernried.

Im Landkreis gibt es neben den Waldbrandbekämpfern zwei weitere „Kompetenzteams“: die Einsatzgruppe „Hochwasserschutz“ mit Mitgliedern aus verschiedenen Wehren sowie die Luftbeobachter mit den ehrenamtlichen Piloten Martin Pape und Hermann Deutschenbauer vom Luftsportverein Weilheim-Peißenberg.

Auch Alamierungen in ganz Deutschland möglich 

Für die Ettinger könnte es im Übrigen bald Einsätze außerhalb der Landkreisgrenzen geben. Laut Walter Weber vom Landratsamt plant der Freistaat, die Feuerwehr-Hilfeleistungs-Kontingente um spezielle Waldbrand-Teams zu ergänzen. Der Landkreis will Etting melden. Das würde bei Bedarf auch Alarmierungen in ganz Deutschland bedeuten, sagt Weber.

Er erwartet, dass nur wenige bayerische Kreise Personal zur Verfügung stellen werden. „Wir haben eine Vorreiterrolle in Etting.“

VON ANDREAS BAAR

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