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Die Meinungen zu Bernd Zimmers Kunstprojekt gehen weit auseinander - es gibt aber auch Befürworter im Ort.

Gemeinderat in Polling

Was passiert, wenn viele Besucher kommen? Bei „Stoa 169“ geht es jetzt um die Details

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Was passiert, wenn die „Stoa 169“ von Besuchermassen überrollt wird? Das war eine der Fragen, die im Pollinger Gemeinderat erörtert wurden, als es um den Entwurf für einen „Städtebaulichen Vertrag“ zwischen der Dorfgemeinde und der „Stoa 169“-Stiftung von Künstler Bernd Zimmer ging.

Polling – „Der Vorhabensträger beabsichtigt auf der Flurnummer 999 der Gemarkung Polling die Errichtung einer Säulenhalle als globales Kunstprojekt. Das Kunstwerk ist untrennbar mit dem Landschaftsteil verbunden und wurde als Einzelvorhaben mit Bescheid vom 13. März 2017 durch das Landratsamt Weilheim-Schongau genehmigt.“ So steht es in der einleitenden Vorbemerkung des Entwurfs für einen „Städtebaulichen Vertrag“ zum Kunstprojekt „Stoa 169“ geschrieben.

Als Vertragspartner werden die Gemeinde Polling und die „Stoa 169“-Stiftung vertreten durch Bernd Zimmer genannt. Dass der Künstler sich überhaupt noch auf einen Kontrakt mit der Kommune einlässt, wird ihm selbst von Gegnern des umstrittenen Kunstprojekts positiv angerechnet. Zimmer hat bereits die Baugenehmigung in der Tasche, er müsste also im Nachgang kein Regelwerk mehr unterschreiben.

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Kritische Stimmen fragen sich wiederum, warum die Gemeinde nicht schon vorher betriebliche und erschließungstechnische Eckdaten vertraglich festgelegt hat. In dem vierseitigen Vertragsentwurf wird unter anderem die Nutzung der Säulenhalle als „Ort der Kontemplation und Bildung“ beschrieben und der „Stoa 169“-Stiftung sämtlicher Kostenaufwand für die Erschließung und den Betrieb übertragen.

Auch geht es um den naturschutzrechtlichen Ausgleich und um die eventuelle Rechtsnachfolge für die Stiftung. Im Pollinger Gemeinderat gab es mehrere Änderungswünsche hinsichtlich des Vertragstextes. Kurt Hüglin (Wählergemeinschaft Oderding) monierte zum Beispiel die Höhe der per Bürgschaft eingeräumten Sicherheitsleistung von 20 000 Euro: „Das ist viel zu wenig.“

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Bei der Reparatur von eventuellen Straßenschäden würde man mit so einem Betrag nicht weit kommen. In der Diskussion verständigte sich der Rat schließlich darauf, die Sicherheitsleistung auf 100 000 Euro zu erhöhen. Michael Pröbstl (CSU) zweifelte wiederum das Sicherungsinstrument an. Statt einer Bürgschaft wäre seiner Meinung nach eine Grundschuld „handfester“. Dem widersprach jedoch Bürgermeisterin Felicitas Betz: „Auf eine Bürgschaft hat man wesentlich besseren Zugriff. Wer kauft denn eine Wiese an der Ammer, die als Ausgleichsfläche mit einer Grunddienstbarkeit des Freistaats Bayern belastet ist und auf der eine Säulenhalle steht?“ 

Ein weiterer Knackpunkt: Im Vertragsentwurf ist von „informativen Veranstaltungen“ die Rede, die an der Säulenhalle stattfinden sollen. Die „Stoa 169“ ist aber explizit nicht als Veranstaltungsort genehmigt. Die Konsequenz: Der Begriff „Veranstaltungen“ soll durch einen anderen Terminus ersetzt werden. Gerhard Treiblmair (Gemeinsame Wählerschaft Etting) wiederum pochte auf einen zügigen Ablauf der Bauarbeiten: „Es braucht ein Enddatum. Ich sehe sonst die Gefahr, dass es ein Ewigkeitsbauwerk wird.“

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Ulrike Seeling (Gemeinsame Wählerschaft Polling-Etting-Oderding) hingegen spekulierte über die zu erwartende Besucherresonanz: „Was ist, wenn die Stoa zu einem künstlerischen Wallfahrtsort wird? Was ist, wenn uns eine Besucher-Welle überrollt? Können wir da noch reingrätschen?“

Bedenken, die auch Michael Jarnach (Wahlgemeinschaft Polling) teilte. Es sei „allemal sinnvoll“, Juristen zu befragen, inwieweit man Einschränkungen in den Vertrag einbauen könne: „Damit schadet man dem Kunstwerk überhaupt nicht. Das tut auch dem Künstler und der Stiftung nicht weh“, konstatierte der Kulturreferent. Skeptisch äußerte sich diesbezüglich allerdings die Rathauschefin. Es sei schlichtweg die Frage, ob es tatsächlich Steuerungselemente geben würde, um einen Besucher-Welle einzudämmen: „Ich sehe da keine Lösung.“ Das Fazit der Debatte: Die verschiedenen Änderungswünsche sollen juristisch abgestimmt und – wenn möglich – in den Vertrag eingearbeitet werden. Am kommenden Donnerstag soll der Gemeinderat dann den modifizierten Vertragsentwurf absegnen.

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