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Großeinsatz in der Nacht: Hubschrauber, Feuerwehr und Polizei suchen abgestürzten Piloten

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Von: Paul Hopp

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Einsatzleitung der Feuerwehr unter freiem Himmel bei Vermisstensuche bei Etting.
An der Deutenhausener Straße in Etting richtete die Feuerwehr die Einsatzleitung ein. Alle Fäden liefen bei Kreisbrandmeister Markus Deutschenbaur zusammen. © Feuerwehr Weilheim

„Möglicher Absturz eines Drachenfliegers oder Paragliders“ – dieser Alarm hat einen Großeinsatz bei Etting ausgelöst. Die Suche nach dem Piloten verlief erfolglos - zunächst.

Etting - Den Alarm bekamen am Samstagabend zahlreiche Bürger im Pollinger Gemeindegebiet und im Süden Weilheim mit. Denn kurzzeitig heulten Sirenen auf, um die Rettungskräfte zum jeweiligen Gerätehaus zu rufen. Gegen 21.25 Uhr war bei der Polizeiinspektion Weilheim eine Meldung eingegangen, dass im Waldstück zwischen Etting und Deutenhausen womöglich ein Drachenflieger/Paraglider oder ein Kleinflugzeug abgestürzt sei. Das Ganze entwickelte sich zu einem Einsatz mit beträchtlichem Aufgebot. Nach gut eineinhalb Stunden erfolgloser Suche und weiteren Recherchen stellte sich letztlich heraus, dass es gar keinen Absturz gegeben hatte.

Großeinsatz bei Etting: Drachenflieger/Kleinflugzeug soll abgestürzt sein

Der Pilot eines motorisierten Drachengleiters war sicher gelandet und zu Hause. Warum es dazu kam, dass jemand die Polizei informierte, darüber konnte Stefan Herbst, stellvertretender Kommandant der Weilheimer Feuerwehr, nur Vermutungen anstellen: „Ich weiß nicht, ob es eine optische Täuschung war, ob der Pilot relativ tief flog.“ Ein Vorwurf sei niemandem zu machen: „Lieber einmal zu viel alarmiert als einmal zu wenig.“

Großeinsatz bei Etting: Sirenen riefen die Feuerwehrler zum Einsatz

Angerückt waren die Feuerwehren aus Weilheim, Eberfing, Etting und Polling sowie die Kreisbrandinspektion mit 15 Fahrzeugen und 77 Frauen und Männer. Hinzu kamen Polizei, Rettungsdienst und der mit einer Wärmebildkamera ausgestattete „Edelweiß 1“ der bayerischen Polizei-Hubschrauberstaffel. Darüber hinaus waren Mitglieder der BRK-Rettungshundestaffel Weilheim-Schongau angefordert worden. Diverse Geländebereiche wurden definiert, „danach wurde die Suche aufgenommen“, berichtete Herbst. Zugleich wurden mit umliegenden Flughäfen Kontakt aufgenommen, um zu eruieren, ob ein Pilot oder ein Fluggerät abgängig sei. Von den Flugplätzen kamen Meldungen, dass alles in Ordnung sei, so Herbst. Am Ende konnte die Polizei Entwarnung gegeben. Ein Kollege, so hieß es gestern bei der PI Weilheim, wusste jemandem, der über ein entsprechendes Fluggerät verfügt. Wie sich herausstellte, handelte es tatsächlich um den Gesuchten. Der Mann aus dem Landkreis Weilheim-Schongau (nähere Angaben wollten die Einsatzkräfte nicht machen) war sicher auf seinem Heimat-Flughafen gelandet und wurde „wohlbehalten daheim aufgefunden“, so die Feuerwehr Weilheim auf Facebook.

Die angeforderten Rettungshunde kamen gar nicht zum Einsatz. Helfer waren schon vor Ort, aber die fünf Hundeführer waren noch auf der Anfahrt, als der Pilot gefunden worden war. Auch Fachdienstführer Thorsten Röder und seine Frau Gaby waren, aus Landsberg kommend, auf dem Weg, konnten dann aber umdrehen. „Es ist immer gut, wenn eine Person gefunden wird – egal, durch wen“, sagte Röder auf Anfrage. Die Staffel Weilheim-Schongau verfügt derzeit über 15 Mitglieder und sechs geprüfte Hunde. Im Schnitt kommt das Team auf 30 Einsätze pro Jahr. Durch die Ausgangsbeschränkungen wegen Corona gab es im April und Mai heuer aber kaum Einsätze, so Röder. Zweimal die Woche treffen sich die Mitglieder zum Training, und das an unterschiedlichen Orten in der Region. Diese Abwechslung sei nicht zuletzt für die Hunde wichtig, damit sie auch in ihnen fremden Gebieten ihre Fähigkeiten zeigen können. Die Prüfung, um Menschen suchen zu dürfen, muss laut Röder alle zwei Jahre wiederholt werden.

Großeinsatz bei Etting: Menschenrettung ist immer kostenfrei

Der gefundene Pilot muss für den Einsatz nichts bezahlen, erklärt Vize-Kommandant Herbst. Der Einsatz ist aufgrund einer falschen Wahrnehmung (im Fachjargon „Täuschung des Meldenden“) zustande gekommen. „In diesem Fall wird es keine Rechnung geben. Somit werden die Kosten von der Stadt und den Gemeinden getragen“, so Herbst. Demjenigen, der alarmiert hat, „wird keinesfalls etwas zur Last gelegt“.

Hätte es einen Absturz gegeben, dann „wäre die direkte Menschenrettung kostenfrei“, sagt der Vize-Kommandant. Anderweitige Einsatzkosten – zum Beispiel die Bergung des Fluggeräts – würden in Rechnung gestellt werden. Derlei Kosten würden über die Haftpflichtversicherung für den motorisierten Drachen (ähnlich wie bei einem Auto) abgerechnet.

Im Gemeindegebiet von Andechs ist am Samstagabend ein Motorgleitschirmflieger notgelandet. Das wusste anfangs aber niemand, weswegen Feuerwehrleute unter anderem aus Erling zur Suche alarmiert wurden, nachdem es entsprechende Hinweise gegeben hatte. Eine Streife der Weilheimer eimer Polizei fand den Piloten schließlich und konnte Entwarnung geben – es war kein Absturz, sondern eine kontrollierte Landung eines 24-Jährigen, der unverletzt geblieben war.

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