Es gibt viel zu tun für den Hochwasserschutz auf Pollinger Flur.  Wasserwirtschaftsamt

Hochwasserschutz „Weilheim-Süd“

Oderdinger wollen höheren Damm

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Das Wasserwirtschaftsamt hat die Planungen für den Hochwasserschutz „Weilheim-Süd“ noch einmal deutlich korrigiert. Doch restlos zufrieden ist der Pollinger Gemeinderat mit dem Konzept immer noch nicht. Er fordert zum Schutz des Ortsteils Oderding weitere Nachbesserungen.

Polling – „Naja“ – so in etwa könnte man die Reaktion der Pollinger Gemeinderäte auf das vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt in der jüngsten Gremiumssitzung präsentierte Hochwasserschutzkonzept „Weilheim-Süd“ beschreiben. Die Behörde hat laut Fachbereichsleiterin Sigrun Frank „versucht, die bisherigen Anregungen nach allen Möglichkeiten, die wir haben, in die Planung einzuarbeiten“. Das war vor allem aus der Sicht der Bewohner des Pollinger Ortsteils Oderding auch bitter nötig. Vor einem Jahr, als das Konzept im Dorfgemeinschaftshaus bereits zum zweiten Mal vorgestellt worden war, hagelte es von den Bürgern heftige Kritik. Weilheims Hochwasserschutz, so lautete der Tenor, dürfe nicht zu lasten Oderdings gehen.

Nun traf man sich im Rahmen der Gemeinderatssitzung erneut im Oderdinger Dorfgemeinschaftshaus – und erneut hatten Frank und ihr Kollege Matthias Baier (Projektleiter) keinen leichten Stand. Sie mussten mehrere Nachfragen beantworten und tief in die Materie einsteigen. Kernstück der Planung ist nach wie vor, die Durchflusskapazitäten an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Polling und Oderding entlang der Bahnlinie Weilheim-Garmisch im Bereich unterhalb der Staatsstraßenbrücke zu drosseln.

Die Ausuferung Richtung Weilheim bei Ammer-Hochwassern soll nun allerdings nicht mehr durch eine Höherlegung der Gemeindestraße, sondern allein durch eine Spundwand zwischen Bahnlinie und Fahrbahn vermindert werden.

Als „Ersatz“ für die geringere Durchflusskapazität unterhalb der Staatsstraßenbrücke plant das Wasserwirtschaftsamt einen Abriss des Oderdinger Wehrs. Dafür sollen drei Sohlgleiten errichtet und die Ammer im Zuge dessen um etwa einen halben Meter tiefer gelegt werden. Dadurch, so die Intention der Fachplaner, kann der Fluss auch mehr Wasser abtransportieren.

In Polling respektive Oderding hat man hingegen Sorge, dass die verringerte Ausufermöglichkeiten Richtung Osten im Ernstfall zu einem Rückstau nach Oderding führen könnten.

Wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde von den Räten, dass der Vorschlag, über eine Verrohrung durch die Staatsstraßenauffahrt den alten, stillgelegten Ammerarm quasi als Bypass zu aktivieren, in die Planung integriert wurde. Keine Option ist es für das Wasserwirtschaftsamt indes, die Ammer gleich bis zur Oderdinger Ammerbrücke tiefer zu legen: „Das bringt kaum etwas. Wir waren von der Wirkung enttäuscht“, verwies Frank auf die Berechnungsmodelle.

Verzichtet wird auch auf die Retentionsfläche am Hoffeld. Dort konnte mit den Grundbesitzern keine Einigung erzielt werden. Die Planer sind fest davon überzeugt, dass durch Maßnahmen wie den Wehrumbau, den zusätzlichen Durchlass über den alten Ammerarm und diversen Geländemodellierungen die verringerte Durchflusskapazität im Bereich Bahnlinie/Gemeindeverbindungsstraße kompensiert werden kann – zumal bei Oderding entlang der Staatsstraße ein Damm aufgeschüttet werden soll. Ganz ausräumen konnten Frank und Baier die Bedenken bei den Räten nicht. Vor allem nicht bei Tobias Schägger (Wählergemeinschaft Oderding). Er kritisierte, dass der geplante Erdwall bei Oderding niedriger ist als die Höhe der Spundwand an der Bahnlinie: „Die Blockade zum Dorf muss höher sein als die zur Bahnlinie. Es steht meiner Meinung nach nicht im Verhältnis, dass man ein Dorf absaufen lässt, damit der Bahndamm erhalten bleibt.“ Das jedenfalls sei der „Haupttenor“ im Dorf. Bislang, so Schägger, würde es sich nur um „Simulationsmodelle ohne Praxiserfahrung“ handeln. Fazit: Die Gemeinde sieht das Wasserwirtschaftsamt erneut in der Pflicht: „Wir erwarten schon, dass die Bedenken in der weiteren Planung berücksichtigt werden“, so Bürgermeister Martin Pape (CSU).

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