Hospiz Polling

Sterben in Würde ermöglichen

Für einander da sein und schwerstkranken Menschen bis zuletzt ein Leben in Würde ermöglichen – das hat sich der „Hospizverein im Pfaffenwinkel“ auf seine Fahnen geschrieben. 1992 gegründet, feiert der Verein heuer sein 25-jähriges Bestehen. 

Polling – Ziel des Programms ist es laut Vorsitzender Renate Dodell, das Tabuthema „Sterben“ noch mehr zu öffnen und den Menschen die Angst vor Alleinsein und Schmerzen zu nehmen.

Schwester Angela Kirchensteiner vom Kloster Bernried hatte Anfang der 1990er Jahre gerade ihre Ausbildung zur Hospizhelferin beendet, als es erste Überlegungen zur Gründung eines Hospizvereins gab. Hauptinitiatoren waren Kirchensteiner, der Weilheimer Kinderarzt Dr. Albrecht Schätz sowie der damalige Bernrieder Bürgermeister Walter Eberl. Die Idee nahm immer mehr Gestalt an, und als Rita Ruppert das Startkapital und die Gemeinde Bernried im alten Rathaus Büroräume zur Verfügung stellte, wurde der Verein am 21. März 1992 offiziell gegründet. „Nach drei Jahren hatten wir schon 50 Hospizhelfer“, erinnert sich Kirchensteiner. Sie leitet heute noch von Bernried aus mit einem Team von Koordinatorinnen die Hospizarbeit im Pfaffenwinkel, wobei sie mittlerweile auf über 150 ausgebildete Hospizbegleiter zählen kann, die ehrenamtlich in neun Ortsgruppen in den Landkreisen Weilheim-Schongau sowie in Teilen der Landkreise Starnberg, Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen schwerstkranke Menschen zu Hause sowie in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen betreuen – getreu dem Motto „ambulant geht vor stationär“.

Pro Jahr wenden die Begleiter dabei rund 15 000 Stunden für ihr Ehrenamt auf. 2016 zum Beispiel gab es über 980 Anfragen von Angehörigen Schwerstkranker, die in 533 Begleitungen mündeten. Erst wenn eine ambulante Betreuung nicht mehr möglich ist, wird eine Aufnahme im stationären Hospiz im Kloster Polling geprüft. Das hat der Verein 2002 gegründet, als damals erstes stationäres Hospiz im ländlichen Raum in Bayern. In der Einrichtung mit mittlerweile zehn Betten haben bislang über 1500 Gäste die letzten Tage ihres Lebens verbracht – ohne dass für sie Kosten entstanden wären. Der Aufenthalt wird zum Großteil von den Krankenkassen bezahlt, mit denen der Hospizverein einen Versorgungsvertrag hat, für den Rest kommt der Verein auf. Dafür braucht es pro Jahr rund 250 000 Euro an Spenden, und dafür wurde 2009 auch die „Stiftung Hospizverein Pfaffenwinkel“ gegründet. Kostenlos ist auch die Betreuung durch die Hospizbegleiter. Sie arbeiten – wie der gesamte Vorstand – für Gottes Lohn. Walter Eberl war lange Zeit Vorsitzender des Hospizvereins, seit 2011 steht die frühere Landtagsabgeordnete Renate Dodell an der Spitze. Die Zahl der Mitglieder ist auf knapp 1000 gewachsen. Und es werden ständig mehr. Dodell bezeichnete Schwester Angela einmal als „Motor und Mutter“ der Hospizarbeit im Pfaffenwinkel. Kirchensteiners Einsatz für sterbende Menschen würdigte der Hospizverein mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft und der Landkreis schon vor einigen Jahren mit dem Silbernen Ehrenring. Dodell wurde vor wenigen Wochen der Goldene Ehrenring verliehen (wir berichteten).

Monika Brandmaier

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