Der beste Freund des Osterhasen: Dominik Greinwald, Gründer und Inhaber des „Kaninchenstadls“ in Polling, wo Meister Lampe auch seinen Urlaub verbringen kann. Näher
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Der beste Freund des Osterhasen: Dominik Greinwald, Gründer und Inhaber des „Kaninchenstadls“ in Polling, wo Meister Lampe auch seinen Urlaub verbringen kann.

Spurensuche im Landkreis

Eine luxuriöse Zuflucht für alle Osterhasen

Warum bringt an Ostern denn eigentlich der Hase die Eier? Und wie geht es den Hopplern abseits der Feiertage? Wir haben uns auf Spurensuche nach dem Osterhasen im Landkreis begeben.

Landkreis – Der Hase gehört zum Osterfest wie die Krippe zu Weihnachten. Aber wieso eigentlich? Anders als bei der Krippe, in der das neugeborene Jesuskind seine erste Ruhestatt fand, lässt sich die Verbindung des Hasen zum Osterfest nicht ohne Weiteres herleiten.

Das Ei gilt zwar spätestens seit dem 12. Jahrhundert in der katholischen Kirche als ein Symbol für die Auferstehung und auch die christlichen Hasensymbolik reicht bis ins Mittelalter zurück – aber wieso wurde ausgerechnet der Hase zum Eierlieferanten, zumal dieser Job in der Schweiz lange Zeit dem Kuckuck, in Westfalen dem Fuchs und in Thüringen dem Storch oblag?

Dass sich im späten 19. Jahrhundert die Verbindung des Hasen mit den Ostereiern festigte, hat jedenfalls auch mit der zunehmenden industriellen Herstellung von Lebensmitteln zu tun: Ein ebenso niedlicher wie leckerer Schokohase mit bunten Eiern lässt sich eben vortrefflich vermarkten.

Osterhase oder Osterkaninchen?

Hinzu kommt, dass die sprichwörtliche Fruchtbarkeit des Hasen ihn zum Frühlingssymbol für die erwachende Natur schlechthin macht. Aber ist der Osterhase eigentlich richtig benannt oder müssten wir eher vom Osterkaninchen sprechen?

Das Kaninchen gehört in die Familie der Hasen; es wird zwischen Wild- und Zuchtkaninchen unterschieden. Wenn wir vom Hasen sprechen, ist meist der wild lebende Feldhase gemeint. Doch die Terminologie ist nicht durchgängig logisch: Es gibt Unterarten der Kaninchen, die wiederum als Hase bezeichnet werden. Was hierzulande nach wie vor gerne als Haustier gehalten wird, sind die Zuchtkaninchen. Und sie sind es folglich, die unser Bild vom Hasen prägen.

In kontrollierter Zucht verlassen die weiblichen Tiere nie ihre Boxen

Einer, der sich bestens mit diesen Tieren auskennt, ist Dominik Greinwald, Gründer und Inhaber des Kaninchenstadl Polling. Fast zehn Jahre lang hat er Kaninchen gezüchtet, doch dann kamen ihm Bedenken: „Bei den Züchtern werden die Kaninchen leider meist in Buchten gehalten, also in den kleinen Boxen, die auch viele Hobbyhalter im Garten stehen haben. In der kontrollierten Zucht verlassen die weiblichen Tiere diese Boxen nie. Sie werden gezielt mit blutsfremden Rammlern zusammengebracht, um Inzucht zu vermeiden.“

Aber Kaninchen seien Gesellschaftstiere, die den direkten Kontakt mit den Artgenossen brauchten, führt Greinwald weiter aus. Und sie fühlten sich in Außenhaltung deutlich wohler als in den Boxen. Mit einem Unterschlupf und entsprechender Einstreu könnten sie bei bis zu minus 15 Grad draußen bleiben.

Auffangstation statt Zuchtbetrieb im Pollinger Stadl

Greinwald zog für sich die Konsequenz und stellte den Zuchtbetrieb ein. „Stattdessen ist der Gedanke entstanden, eine Auffangstation zu gründen“, erzählt er. Wer diese besucht, kann in mehreren Außengehegen die putzigen Tiere munter umeinander hoppeln sehen. Seit Juni 2020 hat der Pollinger Stadl den Status einer vom Landratsamt Weilheim-Schongau geprüften „tierheimähnlichen Einrichtung für Kaninchen“.

Kaninchen werden nur in gute Hände abgegeben

„Wir nehmen Kaninchen auf, die jemand, aus welchen Gründen auch immer abgeben möchte. Dann werden sie tierärztlich untersucht, geimpft, kastriert und weiter vermittelt“, erläutert Greinwald. Wer zu ihm kommt und ein Kaninchen mitnehmen möchte, muss die Möglichkeit zur artgerechten Haltung – sechs Quadratmeter Außengehege und zwei Quadratmeter Innenstall pro Tier – nachweisen können. Und er vertraue auf sein Bauchgefühl: „Geht der gut mit dem Tier um?“

Tiere sollten nie alleine gehalten werden

Da wie erwähnt kein Kaninchen alleine gehalten werden soll, bietet Greinwald auch den „Service der Vergesellschaftung“ an. Es ist nämlich nicht möglich, einfach zwei beliebige Tiere zusammen zu setzen. „Kaninchen suchen sich ihren Partner selbst aus“, erklärt der Experte. In seinem Stadl können sie das tun – und der Besitzer des Einzelkaninchen kann irgendwann beruhigt mit zwei harmonierenden Tieren nach Hause fahren.

Auch Urlaubsbetreuung kann man bei Greinwald buchen. Der Feriengast erhält neben Unterkunft, inklusive Außengehege, und Futter auf Wunsch auch einen tierärztlichen Check mit Impfung und Entwurmung. Um das Paket abzurunden kann man sich von Greinwald auch Ställe und Gehege passgenau bauen lassen. Der Osterhase ist rundum versorgt. Ostern kann kommen…

SABINE NÄHER

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