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Walter Habermann aus Polling setzt sich dafür ein, dass schnell Hochwasserschutz-Maßnahmen ergriffen werden. Das Bild zeigt ihn mit seiner Tochter Christine Molck-Ude, in deren Haus nach dem Hochwasser umfangreiche Trocknungsarbeiten anliefen. 

Nach Hochwasser in Polling

Anwohner machen Druck

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Polling - Die Gemeinde Polling  macht  in Sachen „Hochwasserschutz“  den nächsten Schritt: Sie lässt für rund 45 000 Euro ein umfassendes Konzept erstellen.

 Walter und Karin Habermann stehen in jenem Raum, der eigentlich ihr Wohnzimmer ist: Es ist September, und sie können das Zimmer trotz fortschreitender Sanierung bislang nicht wieder nutzen. Auch drei Monate nach dem Hochwasser stehen noch Arbeiten in dem ehemaligen Bauernhaus am Dunzingerweg an. In der Haushälfte, die von der Tochter des Ehepaars, Christine Molck-Ude, und ihrem Mann bewohnt wird, ist noch nicht einmal die Trocknung der Wände abgeschlossen. Insgesamt waren in Polling 45 Anwesen vom Hochwasser betroffen, die Schäden, die dabei entstanden, wurden auf rund sieben Millionen Euro geschätzt.

Die Habermanns erzählen davon, wie es aussah, nachdem sich die Wassermassen in ihr Wohnzimmer ergossen hatten, wie die Couches wahrlich auf dem Wasser trieben, wie ihnen Menschen zu Hilfe kamen, um etwa Bücher und Tischwäsche zu retten – und wie sich manche Dinge einfach nicht mehr retten ließen. So ein Unglück, sagt Walter Habermann, will er nie mehr erleben.

Der 77-Jährige möchte nicht zehn Jahre auf gewisse Schutzmaßnahmen warten – diesen Zeitraum, der bei der Bürgerversammlung genannt worden sei, hält er „für mehr als erschreckend“. Es müsse schneller für effektiven Schutz gesorgt werden. Der sinnvollste Schritt aus Habermanns Sicht: ein Dammbau in jenem Bereich, in dem Wasser aus Richtung Etting und Oberhausen-Berg die Hänge hinunterfließt. Das Ziel dieser Vorkehrungen sei es, bei Bedarf große Wassermengen aufzufangen („in Form eines Rückhaltebeckens“), ehe sie sich ihren Weg Richtung Polling bahnen.

Bürgermeisterin Felicitas Betz, der Habermann gute Arbeit attestiert, sieht die Lage allerdings etwas anders. Bis das Hochwasserschutz-Konzept, das jetzt in Auftrag gegeben wurde, zum Tragen komme, dauere das einfach, sagt sie. Das Konzept müsse erarbeitet werden, bürokratische Hürden müssten genommen werden. „Man kann nicht aus Aktionismus sofort etwas machen“, so Betz. Es gehe um viel Geld – einen zweistelligen Millionenbetrag – und auch um die Belange der Grundstückseigentümer, deren Flächen im Bedarfsfall überschwemmt werden könnten.

Bis zur Umsetzung bestimmter Vorhaben vor Ort, werde es fünf bis sechs Jahre dauern, sagt Betz – diesen Zeitraum habe sie auch bei der Bürgerversammlung genannt. „Das heißt aber nicht, dass man in den nächsten fünf Jahren nichts unternimmt.“ Die Bürgermeisterin weist darauf hin, dass auch bislang schon einiges in Sachen „Hochwasserschutz“ geschehen ist. Es seien Pegel für die Überwachung des Tiefenbachs gesetzt worden (wir berichteten), und durch das Ausbaggern des Bachs sei dessen Volumen erhöht worden. Geprüft wird laut Bürgermeisterin derzeit auch, ob eine Aufschüttung zwischen Tiefenbach und Ortsbereich – in Form eines Walls – ein probates Mittel ist, um Häuser vor Hochwasser zu schützen.

Der Gemeinderat sprach sich bei seiner Sitzung nicht nur dafür aus, von der ortsansässigen Firma „Kokai“ das Hochwasserschutz-Konzept erstellen zu lassen. Er genehmigte nachträglich auch das Ausbaggern des Baches, das laut Betz mit Kosten von rund 34 000 Euro zu Buche schlägt (inklusive Zusatzkosten).

Der Bachaushub wurde vorübergehend am Bachrand aufgehäuft. Das Ziel laut Betz: Kleinstlebewesen sollen die Möglichkeit haben, wieder in den Bach zurückzukehren. Das Aufschütten wurde in ehrenamtlicher Arbeit von Landwirten und Bauhof erledigt.

Für das Ausräumen des Baches hatte sich Karlheinz Lindner mit einer Unterschriften-Aktion stark gemacht. Rund 200 Menschen trugen sich auf den Listen ein. Ob die Aktion dazu beitrug, dass der Bach kürzlich ausgeräumt wurde, kann Lindner nicht sagen.

Er fordert: „Der Bach gehört öfter ausgebaggert.“ Hätte der Tiefenbach mehr Wasser aufnehmen können, wäre nach Lindners Meinung das Hochwasser vom Juni in diesem Ausmaß zu verhindern gewesen.

„Mehr Sturzfluten zu erwarten“

Wie Habermann spricht sich auch Lindner für bauliche Maßnahmen in Form eines Rückhaltebeckens beim „Bichl“ aus. „Es sind immer mehr Sturzfluten zu erwarten“, so Lindner, in dessen Haus an der Hofmarkstraße nach dem jüngsten Hochwasser alle Fußböden im Erdgeschoss entfernt werden mussten. Fünf Jahre auf gewisse Schutzvorkehrungen zu warten, sei „nicht ganz tragbar“, sagt Lindner. „Warum es so lange dauert, ist mir ein Rätsel.“

Walter Habermann will in Sachen „Hochwasserschutz“ auch selbst aktiv werden: Er möchte sein Anwesen mit mobilen Kunststoff-Elementen schützen.

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