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Schwerelose Virtuosität: das junge Ensemble „Quatuor Arod“ am Dienstag in Polling. 

„Quatuor Arod“

Der neue Stern am Klassikhimmel

Polling – Der Name ist noch nicht geläufig, doch lohnt er das Merken: Das „Quatuor Arod“, aus Frankreich stammend, reiht sich als glanzvoller Stern ins Firmament des Konzerthimmels ein. Die vier Streicher – 1. Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 2016 – ließen bei ihrer aktuellen Stippvisite München beiseite und gaben am Dienstagabend ihr einziges Konzert auf bayerischem Boden im Bibliotheksaal Polling. Fast den ganzen Abend über widmeten sich Jordan Victoria, Alexandre Vu (Geigen), Corentin Apparailly (Bratsche) und Samy Rachid (Cello) ausschließlich deutschen Komponisten, was schon inhaltlich den Zug einer Freundschaftsgeste besaß. Umso mehr trat der Charakter einer Verneigung im ersten Satz von Mozarts Streichquartett G-Dur KV 80 hervor. Die brillante, feingeistige Umsetzung des Adagio schien geradezu einer Anbetung zu entspringen, so hingebungsvoll wurde sie ausgekostet. Das folgende Allegro gelang mit farbvoller Schleunigkeit, hierbei hielten die vier Franzosen die festlich-feine Artikulation mühelos aufrecht. Auch schnelle Wirbel wurden von einer schwerelosen Virtuosität getragen, sodass Mozart unter dem südfranzösischen Licht noch etwas feingliedriger erschien als sonst.

Mit den „Fünf Sätzen für Streichquartett, op. 5“ von Anton Webern folgte ein Sprung ins modernere Fach. Energetisches Saitenzupfen, neutönende Klänge, extreme Dehnungen voller Präzision und Spannung: Auch hier trafen die Franzosen bereits im ersten Satz eine Form der Ausgestaltung, die das Publikum fesselte. Immer mehr stieg das Staunen, als im vierten Satz die gespinstfeine Motivik gewissermaßen als „XXL-Pianissimo“ gelang – gerade noch hörbar, dabei ungemein sauber und einnehmend.

Es gab unter den vier Mittzwanzigern ganz unvekennbar eine verbindende Schwingung; die Abstimmung erwuchs aus authentischem Gefühlsgleichklang. So wuchs auch Mendelssohn-Bartholdys „Streichquartett Nr. 2 a-moll op. 13“ von bezugsreichem Schimmer zu einer flackernden Fiebrigkeit, die keinen Faden verlor. Akzentuierte Wechsel in der Dynamik und den Tempi zeigten hohe Lebendigkeit, stets aber in den Dienst eines verbindenden Spannungsbogens gestellt. Im melancholischen Mittelteil wurde neuerlich, wie schon bei Mozart, die Musik geradezu andachtsvoll zelebriert – jeder einzelne Satz erhielt eine vollgültige eigene Betrachtung seines Charakters.

Nach dem Schlusston erstarrten die Musiker zu einem „Tableau vivant“. Auch das Publikum hielt die feierliche halbe Schweigeminute gerne aus, dann folgte ein nicht enden wollender Applaus. Darin eingebettet zwei Zugaben, deren letztere nun doch französischer Herkunft war: das sensible Adagietto aus Bizets „Arlésienne“. Der Abend mit dem bemerkenswerten „Quatuor Arod“ wurde vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet und soll am Donnerstag, 11. Mai, um 20.03 Uhr auf BR-Klassik ausgestrahlt werden. andreas bretting

Nächstes Konzert

der „Hörtnagel“-Reihe im Bibliotheksaal Polling: „Schumann Quartett“ und „Novus String Quartet“ mit Streichquartetten von Mozart und Haydn sowie Mendelssohns Streichoktett Es-Dur op. 20 – am Montag, 20. März, 19.30 Uhr. Vorverkauf u.a. beim Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz Weilheim, Telefon 0881/686-11.

Andreas Bretting

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