Georg Goldhofer in dem kleinen Waldstück, in dem dank Zaun auch die Tanne natürlich nachwachsen kann – links neben ihm steht ein mannshohes Exemplar.
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Georg Goldhofer in dem kleinen Waldstück, in dem dank Zaun auch die Tanne natürlich nachwachsen kann – links neben ihm steht ein mannshohes Exemplar.

Was wächst denn da?

Nur mit Zaun klappt es: Wie Georg Goldhofer jungen Tannen eine Chance gibt

  • Boris Forstner
    VonBoris Forstner
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Eine Fülle von neuen oder wiederentdeckten alten Pflanzen gedeihen auf den Feldern – nur wenige Bürger wissen, um was es sich dabei handelt. Wir stellen Landwirte und ihre Anbauprodukte vor.

Polling – Normalerweise berichten wir in unserer Serie über Pflanzen, die bewusst angepflanzt werden. Heute dagegen geht es um welche, die bewusst nicht angepflanzt werden sollen – nämlich Bäume im Wald. Die kann man zwar auch eingraben, doch das ist teuer und immer ein Kompromiss – die Natur ist in diesem Fall nicht zu schlagen. Das weiß auch Georg Goldhofer (39), einer von zwei Förstern bei der Waldbesitzervereinigung (WBV) Weilheim, der als Beispiel ein kleines, 3000 Quadratmeter großes Waldstück bei Polling ausgewählt hat.

Es gehört einem Pollinger Privatmann, der dafür bezahlt, dass sich die WBV darum kümmert. „Das war vor rund zehn Jahren“, sagt Goldhofer. Damals standen viele mächtige Fichten in dem Wald, einige wenige Tannen sowie vereinzelt Buchen. Goldhofer ließ zahlreiche Fichten fällen, um Licht reinzulassen und so einen natürlichen Aufwuchs zu gewährleisten. Ziel ist ein ausgewogener Mischwald.

Zaun schützt junge Tannen vor Rehen

Doch um den zu bekommen, musste ein Zaun her. „Ansonsten hätten die Rehe die jungen Triebe abgefressen“, sagt Goldhofer. Jetzt entdeckt Goldhofer auf der Fläche eine Vogelbeere und eine Eiche, die ihre Existenz dort vermutlich Vögeln verdanken, die Beeren und Eicheln verteilt haben, eine Bergulme ist da, natürlich Buchen – und viele Tannen, der Sehnsuchtsbaum vieler Waldbesitzer. Denn diese Baumart ist, anders als die flach wurzelnde Fichte, viel besser auf den Klimawandel mit seinen Hitzeperioden eingestellt.

Eine Tanne in dem Waldstück ist so groß wie Goldhofer – das ist selten. Denn die Tanne ist eine Leibspeise des Rehwilds. Die stachlige Fichte dagegen ist beim Wild nicht so gefragt. „Eigentlich wachsen Tanne und Fichte gleich schnell, doch die Tanne hat nie eine Chance“, sagt Goldhofer.

Der Beweis ist nur einen Meter entfernt: Auf der andere Seite des Zauns wachsen zwar auch natürlich aufkommende Tannen, doch die werden nie höher als zehn, 20 Zentimeter, weil sie ständig angeknabbert werden. Beim bisher letzten Vegetationsgutachten von 2018 wurde der Wildverbiss in dieser Hegegemeinschaft als zu hoch bewertet.

Tanne soll einmal Fichte als Bauholz ergänzen

„Nur mit angepassten Wildbeständen wird man es schaffen, einen stabilen Mischwald zu bekommen“, sagt Goldhofer. Seit drei Jahren gebe es in dem Revier aber neue Jagdpächter, die sich bemühen, wie blaue Klammern außerhalb des Zauns beweisen. Sie werden um die Tannentriebe geklippt und sollen so den Rehverbiss verhindern.

Bäume, die natürlich wurzeln und nachwachsen, seien deutlich besser angepasst als gepflanzte Exemplare, die aus der Baumschule kommen, sagt Goldhofer. Sein Traum ist es, dass es einmal so viele Tannen gibt, dass sie die Fichte als Bauholz ergänzen kann. Das wird aber noch Jahrzehnte dauern, Waldwirtschaft ist ein Generationenprojekt. Mit der Entscheidung, vor zehn Jahren einen Zaun zu bauen, der laut Goldhofer sicher 1000 Euro gekostet hat, hat der Pollinger Grundstücksbesitzer eine Entscheidung für seine Kinder und Enkel getroffen.

Kontrolle ist aber trotzdem nötig: „Tatsächlich habe ich einmal ein Reh in dem umzäunten Bereich entdeckt, obwohl der Zaun intakt war“, sagt Goldhofer lachend. Er konnte es rechtzeitig befreien, ehe es sich in der umzäunten Schatzkammer den Bauch vollschlagen konnte.

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