Eine der erweiterten neuen Säulenreihen in der Stoa 169.
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Eine der erweiterten neuen Säulenreihen in der Stoa 169.

Säulenhalle bei Polling offiziell eröffnet

Stoa 169 soll bis zur nächsten Eiszeit stehen

Wie von magischer Hand in die idyllische Umgebung hinein gezaubert liegt die Säulenhalle Stoa 169 nahe Polling in der Landschaft. Seit vergangenem Herbst in einer ersten Ausbaustufe zu sehen, ist sie nach der Erweiterung jetzt offiziell eröffnet worden.

Polling – Die letzten Nebelschwaden auflösend, bricht kurz vor Beginn der Veranstaltung die Sonne durch und hüllt die Anlage in einen hellen, warmen Schein. Immer mehr Menschen kommen hinzu, laufen staunend durch die Halle, vertiefen sich in die Betrachtung der Säulen oder ins lebhafte Gespräch mit anderen Gästen. Natürlich ist zu diesem Termin ein spezielles Publikum versammelt: die teilnehmenden Künstler und ihre Familien, die Initiatoren und Organisatoren, Sponsoren und Unterstützer.

Schon über 100.000 Besucher

Dass das von Bernd Zimmer gegen anfänglichen Widerstand ins Leben gerufene Werk aber nicht nur die Kunst-Klientel anzieht, belegt die Zahl der bisherigen Besucher. Das sind über 100.000, wie Zimmer es in seiner Begrüßungsrede stolz verkünden kann. Sein herzlicher Dank gilt allen, Künstlern, Paten, Finanziers und nicht zuletzt den Handwerkern, die es möglich machten, seine Vision zu verwirklichen.

Einen Apfelbaum bekam das Ehepaar Zimmer (Mitte) zur Stoa-Eröffnung geschenkt. Am Mikro Franziska Leutheusser mit weiteren Jury-Mitgliedern und der stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden Felicitas Betz (r.)

Doch zuvor hatte Lena von Geyso, die mit ihm die Projektleitung innehatte, unmissverständlich klargestellt, wem am heutigen Tag zuvörderst Dank gebührt: „Es waren drei Jahre harter Arbeit, um aus den ursprünglichen Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Danke, Bernd, dass du an deiner Vision festgehalten hast, für die kollegiale Zusammenarbeit - und dass wir Teil dieses sagenhaften Projektes werden durften.“

Initiator Bernd Zimmer: „Halle befindet sich im Einklang mit der Natur“

Zimmer selbst verbindet den Rückblick auf die Entstehungszeit mit einem Blick in die Zukunft: „Die Halle wird im Grünen und im Winter im Schnee verschwinden. Sie befindet sich im Einklang mit der Natur.“ Wer frühmorgens vorbei komme, entdecke, dass Hase, Reh und Fuchs sich in ihrer Gegenwart bereits wohlfühlten. Und abends komme es vor, dass Menschen sich hier zum Picknick niederließen, um die besondere Atmosphäre zu genießen. So könne diese „wunderbare Architektur“, die sich dem Himmel öffne, aber gleichwohl als statische Meisterleistung fest verankert sei, gerne „bis zur nächsten Eiszeit“ bestehen bleiben.

Statische Herausforderungen

Den Blick zurück wirft Franziska Leutheusser, ehemalige Kunstkuratorin am Frankfurter Städel-Museum und Jury- sowie Kuratoriumsmitglied der Stoa: „Es gab zwar ein kleines Team, aber im Grunde haben das Nina und Bernd Zimmer zu zweit gerockt.“ Jede einzelne Säule sei in ihrer Entstehung begleitet worden. „Nun haben wir ein paar Säulen ohne Sockel, eine, die nicht bis zur Decke reicht, und den Baum, der durch das Dach wächst. Das waren immer auch statische Herausforderungen.“

In diesem „Organisations-Wahnsinn“ habe Zimmer immer die Ruhe bewahrt. „Alles gut, lautete seine Devise. Aber natürlich war nicht immer alles gut.“ Denn es gab und gebe echte Gegner. „Das muss man aushalten können.“ Auf Zimmers Bemerkung, er habe mit diesem Projekt einige Freunde verloren, entgegnete Leutheusser: „Aber auch viele neue gewonnen.“ Als Dank wird Nina und Bernd Zimmer darauf ein Apfelbäumchen geschenkt als „Baum des Lebens und der Erkenntnis“, der Schatten spenden und viele Früchte tragen möge.

„Fremde sind hier vorübergehend vereint“

In die Antike geht darauf Damian Lentini, Kurator am Haus der Kunst in München, mit seinem Verweis auf die Agora in Athen zurück. An der kontroversen Debatte um zeitgenössische Kunst müsse sich diese offensiv beteiligen. So sei die Stoa ein Modell, um Raum für Demokratie in all ihrer Komplexität zu bieten: „Sie ermöglicht diskursive Beziehungen zwischen verschiedensten Menschen. Fremde sind hier vorübergehend vereint.“

Bürgermeister setzt auf ein gutes Miteinander

Das Schlusswort hat Bürgermeister Martin Pape. Polling als Maler- und Künstlerdorf, von der Landwirtschaft geprägt, sei für viele seit jeher Ort der Inspiration. So sei auch Bernd Zimmer hierher gekommen und habe sich vom „Zusammenspiel der Geschichte Pollings und der umgebenden Natur“ inspirieren lassen. „Der offene Diskurs ist weiterhin erwünscht“, schließt Pape. „Wir setzen auf ein gutes Miteinander im Respekt für Kunst und Natur.“

Sabine Näher

Offene Wandelhalle nach antikem Vorbild

In der frei zugänglichen Säulenhalle sind die Arbeiten von über 100 international bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Auf 1600 Quadratmetern ist mitten in der Natur eine offene Wandelhalle nach antikem Vorbild entstanden.

Die Bandbreite der Kunstwerke ist riesig und reicht von Säulen aus Naturmaterialien, vor allem aus Holz, aber auch aus Moos, über aufgeschichtete Plastikeimer oder Ölfässer bis zu einer Art Litfass-Säule, die eine Bildergeschichte erzählt. Da sind abstrakte Bildmuster ebenso zu sehen wie figürliche Abbildungen, etwa die Silhouette einer schwangeren afrikanischen Frau. Bisweilen bestimmt auch alleine die Form das Werk wie bei einer in sich geschwungenen Säule, die mit keckem Hüftschwung zu tanzen scheint.

Ein Baumstamm, auf der Vorderseite aufgeschnitten, mit einem aus dem Holz heraus gearbeitetem Hocker lädt quasi dazu ein, in der Natur Platz zu nehmen. Ebenso Blickfänger: eine wildgemusterte Säule, aus der Giraffenköpfe heraus wachsen. An einer ganz schlichten Säule sitzt oben ein Schmetterling, während unten ein staunender Knabe davor steht.

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