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Blick nach Süden: Die Säulenhalle „Stoa169“ soll oberhalb des kleinen Ackerstreifens in der Bildmitte erichtet werden – zwischen der Ammer (r.) und einem stillgelegten Flussarm (l.). Rechts ist ein Stück der B 472 zwischen Peißenberg und Huglfing zu sehen.

Maler Bernd Zimmer hat Großes vor

Christo, Banksy, Abramovic: Internationale Starkünstler sollen Säulenhalle an der Ammer gestalten

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An der Ammer in Polling soll eine weltweit einzigartige Kunststätte entstehen: eine 2500 Quadratmeter große Säulenhalle, für die 169 namhafte internationales Künstler je eine Säule gestalten.

Polling „Stoa169“ heißt das Projekt, mit dem Bernd Zimmer (70) auf einer Wiese nahe der Ammer bei Polling einen Lebenstraum realisieren will: Eine offene, 50 auf 50 Meter große Säulenhalle, die zeitgenössische künstlerische Ideen und unterschiedliche kulturelle Auffassungen an einem Ort vereint – mitten in der Natur, für jedermann kostenlos zugänglich. Getragen von 169 individuell gestalteten Säulen, geschaffen von Künstlern aller Kontinente, soll die Halle „zum Zeichen von Grenzenlosigkeit, friedlicher Koexistenz und der Achtung der Freiheit des anderen“ werden, so Zimmer. Sie solle „vom Denken der Künstler in unserer Welt“ zeugen , „eine Insel des freien Diskurses“ sein.

So könnte es 2020 aussehen: Nahe der Ammer will Bernd Zimmer eine offene Halle errichten, getragen von 169 Säulen, die Künstler aller Kontinente gestalten.

Das Grundstück dafür hat Zimmer vor einigen Jahren gekauft: eine 35 000 Quadratmeter große, bisher landwirtschaftlich genutzte Wiese an der Ammer, zwischen dem Bahnübergang bei Polling und der Roßlaichbrücke gelegen. Zu ihr führt eine schmale Straße, die nur für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist. Und so soll es auch bleiben, wenn dort die Säulenhalle steht: Besucher müssen vom Übergang beim ehemaligen Pollinger Bahnhof rund zehn Minuten zur „Stoa169“ wandern. Malerisch soll diese zwischen der Ammer und einem stillgelegten Flussarm stehen. „Die Flächen rundherum werden weiter landwirtschaftlich genutzt“, verspricht Zimmer, und außer der Halle selbst würden dort keine weiteren Bauten entstehen: „Die Optik der Säulenhalle und die Nähe zur Natur sollen nicht gestört werden.“

Der Maler Bernd Zimmer wurde als einer der „Jungen Wilden“ in Berlin bekannt. Seit 1984 lebt er in Polling.

Nahe dem einstigen Bahnhof werden der Projektträger (die eigens gegründete, gemeinnützige „Stoa169 Stiftung“) und die Gemeinde wohl gemeinsam einige Autostellplätze schaffen. Zimmer spricht von „etwa zwölf naturnah angelegten Parkplätzen“. Pollings Bürgermeisterin Felicitas Betz nennt keine Zahl, doch habe die Gemeinde Flächen an der Bahnlinie, die sich dafür eignen würden, „ohne etwas zu verschandeln“. Bezüglich der Größe müsse man „erst mal schauen, wie es sich entwickelt: Es kann sein, dass zehn Leute am Tag kommen, vielleicht sind es aber auch hundert.“

Betz – die auch dem Kuratorium der „Stoa169 Stiftung“ angehört – nennt es „ein Glück“, dass die Säulenhalle in Polling und insbesondere an diesem Standort entstehen kann. Sie ist begeistert vom „philosophischen Gedanken“ des Projekts, vom Zeichen des Miteinanders verschiedener Erdteile und Kulturen. Man wolle damit „nicht busweise Touristen“ anziehen, sondern hoffe, dass die Menschen, die dafür dereinst nach Polling kommen, „den Spirit dieses Ortes aufnehmen“.

Das Bauvorhaben habe man in Abstimmung mit dem Landratsamt nicht-öffentlich behandelt, erklärt die Bürgermeisterin, „um Herrn Zimmer mit diesem Projekt zu schützen“. Bereits 2017 wurde die Baugenehmigung erteilt (siehe Kasten unten). „Es freut mich, dass wir die Sache so unkompliziert auf den Weg bringen konnten“, sagt Landrätin Andrea Jochner-Weiß auf Anfrage unserer Zeitung. Die „Stoa169“ passe perfekt zum Slogan „Landkreis Weilheim-Schongau – Kunst. Kultur. Natur.“, sie werde sich in ihrer Transparenz und Offenheit „unglaublich gut in dieser Ammerschleife einfügen“. Gewiss würden in nächster Zeit einige sagen: „Wie kann man so was da draußen machen?“, vermutet die Landrätin. Doch sie sei überzeugt: „Das ist eine tolle Sache für unseren Landkreis.“

Die Liste der 200 Künstler, die von einer Fachjury ausgewählt und zur Mitwirkung eingeladen wurden, liest sich wie ein „Who’s Who?“ der zeitgenössischen Kunst – Christo findet sich darauf ebenso wie Jenny Holzer, Banksy oder der indische Starkünstler Subodh Gupta. Für die einzelnen Säulen werden jetzt Paten gesucht, die jeweils 69 000 Euro stiften. Für die Basis des Baus und die dauerhafte Pflege sorgt die Stiftung; sie hofft dabei auf Förderer. Der gesamte Bau wird mit knapp zehn Millionen Euro beziffert, bis zu 870 000 Euro sind aus dem Bayerischen Kulturfonds zugesagt. Zimmer hofft auf Spatenstich im Herbst, im Frühjahr 2020 soll die Halle gebaut werden – in der ersten Phase mit rund 80 Künstlersäulen.

Das sagt Pollings Bürgermeisterin zur „Stoa169“

Bereits im März 2017 hat das Landratsamt Weilheim-Schongau im Einvernehmen mit der Gemeinde Polling die Baugenehmigung für die Säulenhalle erteilt. „Um Herrn Zimmer mit diesem Projekt, das international große Aufmerksamkeit erfahren wird, zu schützen“, so Pollings Bürgermeisterin Felicitas Betz, sei das Thema nicht-öffentlich behandelt worden. Bei der Gemeinderatssitzung am 1. Juni 2017 habe sie die Genehmigung bekannt gegeben; kurz darauf lud Zimmer per Aushang im Dorf zu einer Informationsveranstaltung ein, zu der aber nur wenige Bürger kamen. Kritische Stimmen gab es laut Betz bezüglich der Infrastruktur und etwaiger Beeinträchtigungen für landwirtschaftlichen Verkehr. Der Standort nahe der Ammer sei „Bestandteil des Kunstwerks“, betont die Bürgermeisterin. Sie ist überzeugt, dass ein gutes Miteinander von Kunst und Natur an diesem Ort möglich ist – und zeigt sich begeistert von der Philosophie des Projekts: „In Zeiten, in denen sich Nationen wieder mehr voneinander abwenden und Mauern bauen, finde ich das ein wunderbares Zeichen des Miteinanders.“ Zudem sei es wichtig, „heutige Kunst für nachfolgende Generationen zu erhalten“. Kultur dürfe nicht dort enden, „wo es modern wird“.

Lesen Sie auch: Tagblatt-Redakteur Magnus Reitinger führte ein ausführliches Interview mit Bernd Zimmer zum Kunstprojekt „stoa169“.

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