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An dieser Stelle des Klostergartens soll der Anbau angesetzt werden.

Deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt

Für Kinderhospiz wird Kloster teils neu aufgebaut

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Der Hospizverein Pfaffenwinkel will am Standort im Kloster Polling nicht nur erweitern, sondern auch ein ambulantes/teilstationäres Kinderhospiz mit unterbringen.

Polling Der Hospizverein Pfaffenwinkel steht vor der „größten Herausforderung seines Bestehens“, sagte Renate Dodell gestern bei der ersten öffentlichen Vorstellung der Pläne. Man wolle Polling als zentralen Hospiz-Standort für das südwestliche Oberbayern ausweiten, allein schon aus baulichen Gründen. Denn laut Dodell haben acht der derzeit zehn Zimmer keine Nasszelle, was nicht mehr dem heutigen Standard entspreche und nur per Ausnahmegenehmigung geduldet werde. Gleichzeitig steigen die Anfragen aus dem Zuständigkeitsbereich – den Landkreisen Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen sowie den südlichen Teilen der Landkreise Starnberg und Landsberg – ständig an. „Deshalb würden wir gerne auf 14 Betten erweitern“, sagte Dodell, also nah an der Höchstgrenze für ein Hospiz (16 Betten).

Das Problem: Im bestehenden denkmalgeschützten Klostergebäude ist das völlig unmöglich. Schon die Erweiterung von acht auf zehn Betten im Jahr 2015 habe nur unter größten Problemen umgesetzt werden können. Deshalb kam die Anfrage der „Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München“ wie gerufen. Die sucht seit Jahren nach der Möglichkeit, ein ambulantes/teilstationäres Kinderhospiz zu errichten. Wenn es um die Betreuung schwerkranker Kinder geht, arbeiten Hospizverein und die für Ober- und Niederbayern sowie die südliche Oberpfalz zuständige Stiftung schon lange zusammen. „Deshalb wollen wir das Projekt gemeinsam angehen“, sagte Dodell.

Architekt Thomas Grubert zeigt den Bauplan - der geplante Anbau ans bestehende Kloster ist rot markiert. 

Stiftungsvorsitzende: „Uns geht es ums Leben, nicht ums Sterben“

Die Stiftung plant in Polling sechs Betten sowie zwei weitere in Familienzimmern. „Polling ist der ideale Standort für das südwestliche Oberbayern“, schwärmte Stiftungs-Vorsitzende Christine Bronner. Dabei sollen die Kinder nicht bis zum Lebensende begleitet werden, wie es etwa im Kinderhospiz Allgäu der Fall ist. Vielmehr ist das Konzept bewusst teilstationär ausgelegt, um schwerkranke Kinder einige Vormittage, Nächte oder am Wochenende aufzunehmen, um Eltern zu entlasten. Manchmal können es auch Wochen sein, bis etwa behindertengerechte Umbauten daheim abgeschlossen sind, so Bronner. „Uns geht es ums Leben, nicht ums Sterben. Bei uns werden die Kinder im Alltag betreut.“

Bisher habe man die rund 400 Kinder, die man in München und dem südlichen Oberbayern versorge, immer daheim besucht. Mit dem neuen Kinderhospiz in Polling hätte man ganz andere Möglichkeiten, sagte Bronner. So ein teilstationäres Konzept gebe es bisher nur in Hamburg und Berlin, aber ein Kinderhospiz unter einem Dach mit einem Erwachsenen-Hospiz wäre deutschlandweit einzigartig.

Bürger und Nachbarn sollen bei Projekt von Anfang an mitgenommen werden

Dodell ist es wichtig, die Bürger und Nachbarn von Anfang an bei dem Projekt mitzunehmen. „Es gibt noch keinen Bauantrag, es ist noch nichts entschieden“, betonte sie. Bei der Bürgerversammlung in rund zwei Wochen soll das Vorhaben den Pollingern vorgestellt werden. Weil das Projekt in einem so frühen Stadium ist, gibt es auch noch keine Kostenschätzung. Auch für die Finanzierung des Projekts, das sicher im Millionenbereich liegen wird, „müssen wir noch viele Gespräche führen“, sagte Dodell. Neben einer Eigenbeteiligung denke sie an staatliche Förderung, die Diözese Augsburg, Stiftungen, Spenden, auch an die Kommunen werde man herantreten.

Sogar einen Namen hat das Kinderhospiz schon: Haus Anna. „Das habe ich einer 18-jährigen Anna auf dem Sterbebett versprochen“, sagt Bronner. „Sie wäre gerne in so eine Einrichtung gekommen.“ Zumindest für andere Kinder könnte das in Erfüllung gehen. In vier bis fünf Jahren, schätzt Dodell, könnte der Anbau fertig sein.

bo

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