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Renate Dodell berichtete über die Erweiterung des Hospizes. 

Am Ende wird es richtig emotional

Hospiz-Erweiterung bewegt die Bürger: Lob und Kritik bei Bürgerversammlung in Polling

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Neben der „Stoa 169“ gab es in der Pollinger Bürgerversammlung noch ein Schwerpunktthema: die geplante Hospizerweiterung auf dem Klostergelände. Gemessen am Beifall und der Anzahl der Wortmeldungen scheint eine breite Mehrheit in Polling angetan zu sein.

Polling – Den Fehler von „Stoa 169“-Initiator Bernd Zimmer, der mit seinen Plänen für die Säulenhalle an der Ammer zu spät an die Öffentlichkeit ging, will der Hospizverein im Pfaffenwinkel nicht machen. Das wurde bei der Bürgerversammlung in der Tiefenbachhalle deutlich. Immer wieder betonte Renate Dodell, dass die Hospizerweiterung und der Aufbau eines Kinderhospizes „im Grundsatz noch nicht beschlossen“ seien und sich die Planungen im Stadium eines Entwicklungsprozesses befinden würden: „Wir sind vorsichtig dabei zu sondieren, ob es möglich ist“, erklärte die Vorsitzende des Hospizvereins.

Dodells Auftritt bei der Bürgerversammlung, der von Architekt Thomas Grubert und Christine Bronner (Vorsitzende der „Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München“) flankiert wurde, war Teil der beschriebenen „Sondierung“ – und das Ergebnis dürfte aus Sicht des Hospizvereins positiv ausfallen.

Hospiz-Erweiterung in Polling: „Dringender Bedarf in Region“

Karl Breu, der Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbands, verwies auf den „dringenden Bedarf in der Region“ und versprach Dodell die Unterstützung seiner Vereinigung. Neben Gemeinderätin Brigitte Albrecht („Polling ist für seine Weltoffenheit bekannt. Das Hospiz ist eine gute Sache!“) goutierte auch Ex-Gemeinderat Franz Vielhuber die Pläne des Hospizvereins. Sie könnten das Klosterdorf nicht nur als Standort sozialer Einrichtungen weiter stärken, sondern auch ein wichtiger Baustein in den Bemühungen sein, „Polling im Landesentwicklungsprogramm den Rang einzuräumen, den es verdient“.

Von Thomas Grubert war zu erfahren, dass die ersten Entwürfe für den mehrgeschossigen Eckanbau vom Landesamt für Denkmalpflege bereits „für gut befunden“ wurden. Grubert versuchte anhand von Skizzen, die Dimensionen und den Charakter des Anbaus anschaulich zu präsentieren – unter anderem mit Rückgriff auf historische Grundrisse: „Ich werde kein Kloster wie vor 200 Jahren bauen, aber ich werde das alte Kloster achten“, versprach der Penzberger Architekt. Laut Dodell gibt es zur Erweiterung des Pollinger Hospizes keine Alternative: Man wolle die Einrichtung zukunftsfähig machen. In spätestens vier bis fünf Jahren brauche man Lösungen: „Das heißt, wir müssen jetzt handeln“, so Dodell. Der Bau eines zweiten Hospizes mache indes keinen Sinn, weil es nicht ausgelastet wäre. Und: „Dass Polling ein Klosterdorf ist und bleibt, dafür müssen wir auch etwas tun.“ Nichts zu tun, sei die „schlechteste Option – für Polling, für das Kloster und für das Hospiz“. Dodell bemühte sich um einen Dialog mit den Kritikern – und sprach explizit die Familie Jarnach an: „Sie lehnen das Bauvorhaben grundsätzlich ab. Wir laden Sie zu weiteren Gesprächen ein.“

Nachbarn gegen einen „monströsen Bau“

Die Familie Jarnach ist unmittelbarer Nachbar im Kloster und vom Neubau am meisten betroffen. Dorothea Jarnach wiedersprach Dodell und fühlte sich „völlig falsch verstanden“: „Wir sind nicht gegen das Hospiz, sondern für die Erweiterung. Wir haben nur etwas gegen den monströsen Bau.“ Das Hospiz als Klosterbestandteil zu verkaufen, sei ein „Etikettenschwindel“. Die Kombination „Erwachsenenhospiz-Kinderhospiz“ komprimiert in der Dorfmitte, so gab Jarnach zu bedenken, könnte das Dorf eventuell überfordern. Jarnachs Vorschlag: „Das Hospiz soll erweitert und das Kinderhospiz an anderer Stelle gebaut werden.“ Dodell wiederum erteilte einem Neubau auf grüner Wiese eine klare Absage. Ein verkürzter Anbau sei wirtschaftlich keine Option – und: „Das wird kein Krankenhaus, sondern eine Herberge, die ihresgleichen sucht. Vom Säugling bis zum Greis sollen alle gut betreut werden.“

Berührende Geschichte eines schwerkranken Kindes

Richtig emotional wurde es zum Schluss der Diskussion, als sich Hospizvereins-Schirmherr Dieter Fischer zu Wort meldete. Der Schauspieler erzählte die berührende Geschichte eines sechsjährigen Kindes, das an einem Gehirntumor erkrankt war. Ein Kloster, so Fischer, sei als spiritueller Ort genau die richtige Umgebung für die Betreuung schwerkranker Menschen: „Es handelt sich um ein Hospiz und nicht um die dritte Startbahn.“

jep

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