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Mischung aus Wucht und Lockerheit: Pianistin Sophie Pacini im Bibliotheksaal.

Kultur

Zwischen Löwenpranke und Samtpfote

Die deutsch-italienische Pianistin Sophie Pacini gab im Pollinger Bibliotheksaal ein Konzert - und wurde frenetisch gefeiert.

Polling – Sie ist ein Münchner Kindl, die deutsch-italienische Pianistin Sophie Pacini aus der Talentschmiede von Karl-Heinz Kämmerling, die durchaus auch in einen breiten Ayinger Dialekt verfallen kann. Im Alter von sechs begann sie mit dem Klavierspiel, jetzt hat sie mit Mitte 20 schon Regionen der Karriere erreicht, in denen die Luft bekanntlich ziemlich dünn, die Konkurrenz entsprechend gnadenlos ist.

Temperamentvoll, zugewandt, erfrischend natürlich und voll unbändiger Spielfreude wirft sie sich in der bestens besuchten Pollinger Bibliothek in ein Programm, bei dem vielerorts die Schweißtropfen der Pianisten fliegen. Pacini, in schicker weißer Glitzer-Seide, dagegen absolviert den pianistischen Parforceritt mit einer außergewöhnlichen Energie, Kondition und Bravour. Sie hat sich für die großen und beliebten Komponisten, für oft gespielte Herausforderungen entschieden. Chopin, Beethovens Waldstein-Sonate und natürlich Franz Liszt brausen aus dem Steinway, als ob der mittelgroß dimensionierte Flügel riesiges Konzertformat hätte.

Für den Saal wäre es durchaus ausreichend, wenn Pacini ihren kraftvollen Zugriff etwas reduziert hätte. Man darf den bisweilen überbordenden Klavierklang wohl ihrem beinahe noch jugendlichen Ungestüm anrechnen. Ihre technische Brillanz ist bestechend. Angenehm, dass sie auf theatralische Körper-Posen ganz verzichtet. Nur leicht nach vorn gebeugt, bleibt sie ganz in der Konzentration, spielt dabei mit einer Mischung aus Wucht und Lockerheit, die immer wieder staunen lässt.

Sympathisch, dass sich Sophie Pacini vor Beginn der Werke mit Witz und Esprit an ihr Publikum wendet, kurze Erklärungen zum Stück und ihrem persönlichen Deutungsansatz gibt. Das schafft gleich einen guten Kontakt, reduziert die Distanz zwischen Podium und Publikum. Dass die Pianistin zwischen Löwenpranke und Samtpfote mühelos hin- und herwechseln kann, macht gerade die lyrisch-träumerischen Phasen des Abends zum Genuss. Ob bei den ersten beiden Nocturne von Chopin aus dem „Opus 9“ oder den melancholisch liebevollen Trostpflastern, den „Consolationes“ Liszts: der Klang fließt weich und einfühlsam. Sophie Pacini ist nicht nur ganz frei in der gewählten Agogik (Lehre der Tempoveränderungen), sie kann warten, lässt der Musik immer wieder Zeit zum Atemschöpfen und Innehalten. Daraus erwachsen Momentaufnahmen von großer Schönheit und viel Einklang. Geht es ans Furiose, ist sie in ihrem Element. Wie ein persischer Derwisch fegt sie über die Klaviatur, wozu ihr Liszt in seinen Paraphrasen über Mozarts „Don Giovanni“ ausreichend Gelegenheit schenkt. Viel Jubel, eine strahlende Pianistin.

Dorothe Fleege

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