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Ausschank aus dem Weinfass in gemütlicher Atmosphäre. Das Bild zeigt (v.l.) Franz Mayr, Franz Vielhuber, Gerhard Eichberger, Richard Maier, Jörg Westheide und Hans Grundner.

150. Dämmerschoppfen der Weinbrüder

Polling: Schlemmen wie in Südtirol

Südtiroler Atmosphäre in Polling? Die örtliche Weinbruderschaft macht das schon lange möglich – und feierte jetzt ihren 150. Dämmerschoppen.

Polling – „Der Vernatsch ist ein ,Weg-Wein‘ – der muss weg“, feixt Franz Vielhuber beim 150. Dämmerschoppen der Pollinger Weinerer. Ein Fass des halbleichten Rebensaftes aus Südtirol haben die Weinfreunde für diesen Anlass herangeschafft und die rund 100 Gäste im Näherinnengarten freuten sich darauf, davon zu kosten.

Für sie sind die Dämmerschoppen, die seit 2007 einmal im Monat von Januar bis Oktober stattfinden, eine schöne Gelegenheit zum Plaudern und gemeinsamen Genießen. Eifrig werden Winzerbrettl aufgetragen, darauf angerichtet sind Speck aus Vollern, einem Bergdorf bei Meran, Käse aus Polling und Vintschgerl aus Wessobrunn (alles wurde vorher probiert, damit es auch gut zusammenpasst). All dies trägt dazu bei, das Südtirol-Feeling mitten nach Oberbayern zu bringen. Und dann ist da natürlich der Wein. Für diesen fahren die Weinerer mehrmals im Jahr nach Meran, um Nachschub zu holen.

Gibt es einen Favoriten der bei den 150 Dämmerschoppen getrunkenen Rebensäfte? „Nein“, sagt Franz Vielhuber nach längerem Nachdenken. Welcher Wein bevorzugt werde, hänge vom Wetter, der Jahreszeit und der persönlichen Befindlichkeit ab. Neben den drei Vernatschsorten bei den Rotweinen gibt es bei den Pollinger Weinerern beispielsweise einen Cabernet-Merlot oder einen Lagrein. Und der teuerste Tropfen auf der Karte ist ein Süßwein, aus Rosinen gepresst. Sein persönlicher Lieblingswein sei der Lagrein, sagt Vielhuber. Jedoch seien den Damen im Sommer die Weißweine näher, sucht Vielhuber einen Trend auszumachen.

Das bestätigen Barbara Amann aus Weilheim und Maria Weiß aus Polling. Amann genießt an diesem Abend eine halbtrockenen Chardonnay. Maria Weiß hat sich für einen Sauvignon entschieden – „weil das ein blumiger Sommerwein ist“, sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu, „und der schmeckt nach mehr“.

Bei bestem Sommerwetter sind die Tische voll besetzt, die Gäste „ratsch’n und dischkurieren“, wie es Vielhuber nennt – und der Wein treibt ihnen zusätzliche Schweißperlen auf die Stirn. Die Flaschen mit dem Inhalt der Reben aus den ehemaligen Lagen des Klostergutes in Südtirol und etikettiert mit Pollinger Motiven, finden ihre Liebhaber. Für jeden Dämmerschoppen hat sich die Weinbruderschaft ein Motto ausgesucht, beispielsweise Sprichwörter zum Wein.

Der 150. Dämmerschoppen bringt eine besondere Überraschung. Wie früher sein verstorbener Vater, Bürgermeister Dominikus Weiß, spielt Dominikus Weiß junior auf der etwa 30 Jahre alten Drehorgel launige Weisen – zur Freude des Publikums. In Tracht gekleidet, singt er auch dazu, und freudig stimmen die Gäste in die Melodien ein. In gemütlicher Runde bleiben die Besucher bis spät in die Nacht und beschließen den 150. Dämmerschoppen der Pollinger Weinerer mit dem gemeinsamen Lied „Ade zur guten Nacht“.

Von Myrjam C. Trunk

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