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Der Herr der Mercedes 300 SL: Hans Kleissl ist für seine Restaurationen in der ganzen Welt bekannt. 

Pollinger „Glücksfall“ feiert Jubiläum

Die Restauration von Mercedes-300-SL-Oldtimern – das ist die Passion von Hans Kleissl. Doch sein Lebenswerk beschränkt sich beileibe nicht nur auf seine weltweit bekannte Firma „HK Engineering“. Kleissl hat vor 40 Jahren das Pollinger Klostergut gekauft und es zu neuer Blüte gebracht. Das runde Jubiläum wurde nun gefeiert.

Wenn ausgiebige Lobreden auf ihn gehalten werden, dann ist Hans Kleissl für gewöhnlich wenig begeistert. In der Öffentlichkeit im Mittelpunkt zu stehen, das ist nicht unbedingt seine Sache. Doch am vergangenen Samstag kam Kleissl nicht aus. Zahlreiche Bekannte, Weggefährten, Kunden, Geschäftspartner, Mitarbeiter und Gemeindevertreter versammelten sich in der Klosterziegelei zu einem Festabend, um „40 Jahre Hans Kleissl in Polling“ zu feiern.Bürgermeisterin Felicitas Betz hielt die Laudatio und schwärmte über Kleissls „nicht enden wollende Schaffenskraft“: „Hans, für eine Gemeinde wie Polling mit ihrem historischen Ortskern bist Du mit Deiner unbeirrbaren Genialität auch eine Herausforderung, aber vor allem bist du für uns ein Glücksfall – und das seit 40 Jahren.“

Begonnen hat alles 1978, als der „Glücksfall“ auf der Suche nach einem alten Gebäude war. Kleissl studierte noch Jura, doch seine Leidenschaft war damals schon eine andere. Er sammelte Oldtimer, vor allem deutsche Nachkriegswagen. Über 100 Fahrzeuge hatte Kleissl bereits in seinem Fundus – und die Autos brauchten einen zu ihrem Charakter passenden, historischen Aufbewahrungsort. Über das Denkmalamt bekam Kleissl den Tipp, dass das Pollinger Klostergut zum Verkauf stehe. Mit seiner Mutter fuhr er zur Besichtigungstour. Die Ernüchterung war zunächst groß: „Meine Mutter hat zu mir gesagt, ,da kannst gleich wieder umdrehen. Das ist ja eine Ruine‘“, erzählte Kleissl im Rahmen der Feier. Der Jura-Student, der trotz erfolgreichem Abschluss „dem Schöpfer bis heute dankt, nie Jurist geworden zu sein“, ließ sich auf eine finanzielle „Gratwanderung“ ein und kaufte für 250 000 Mark Teile der verfallenen Klosterimmobilie. Ein Drittel der Summe brachte er selber auf, den Rest schossen der Bruder und das Denkmalamt hinzu. Was folgte, war eine aufwendige Sanierung, die Kleissl „mit eigenen Leuten“ und „eigenem Bagger“ anging. Zehn Jahre dauerte es, bis die Grundlagen des heutigen Anwesens geschaffen waren, nach 20 weiteren Jahren war das Projekt „Klostergut-Renovierung“ weitestgehend abgeschlossen.

Zunächst sammelte Kleissl „Autos aller Art“. Er vermietete Fahrzeuge für Film und Fernsehen – „bis der Dollar zusammenbrach und die Branche abwanderte.“ Es folgte die Spezialisierung auf die Restauration von Mercedes 300 SL. Heute ist „HK Engineering“ eine weltweit einzigartige und vielfach ausgezeichnete Fachfirma – mit einem ebenso einzigartigen Stammsitz im Klostergut.

Betz sprach in ihrer Laudatio von KleisslsPollinger Imperium“: „Du setzt Dich mit dem Charakter der Häuser auseinander, bringst deren Schönheit und Architektur wieder zum Strahlen und gibst ihnen neuen Sinn, Inhalt und Bewohner.“ Kleissls Gebäude „erfahren den Respekt und die Wertschätzung eines wahrhaftigen Liebhabers“, so Betz. Kleissl sei ein Bewahrer der Pollinger Geschichte.

Kleissl gab das Lob zurück: „Polling ist ein sehr schöner, toller Ort mit ebenso tollen Leuten“, konstatierte der gebürtige Regensburger am Rande einer Führung. Er will die Sanierung der Ziegelei weiter vorantreiben und die Weltmarktposition seiner Firma weiter ausbauen: „Es geht in dem Stil weiter“, kündigte der 66-jährige an.

Bernhard Jepsen

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