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Stürmischen Applaus bekam das Vokalquartett um Tenor Julian Prégardien (2.v.r.) für sein Brahms-Programm. 

„Pollinger Tage für alte und neue Musik“  

Alles, was Brahms wünschte

Vergangenes Jahr erst aus der Taufe gehoben, scheinen die „Pollinger Tage für Alte und Neue Musik“ bereits zu den etablierten Festivals zu zählen. Davon künden teils ausverkaufte Veranstaltungen und Besucherscharen aus weitem Umkreis.

Polling – Zum heurigen Eröffnungskonzert hatte Tenor Julian Prégardien, der äußerst erfolgreich in die Fußstapfen seines Vaters Christoph getreten ist, am Sonntagnachmittag sein eigenes Vokalquartett mitgebracht. Neben ihm singen darin seine Frau Iris (Alt) sowie Lydia Teuscher (Sopran) und Martin Berner (Bass). Und um es gleich vorwegzunehmen: Die Vier bilden ein klanglich wunderbar ausgewogenes, vielfarbig agierendes Quartett, aus dem die Soli ebenso selbstverständlich hervortreten wie sie sich hernach wieder in den warmen, runden Gesamtklang einfügen. Geboten im nahezu voll besetzten Bibliotheksaal wurde ausschließlich Brahms: Seine „Zigeunerlieder“, Volksliedbearbeitungen sowie die Liebeslieder-Walzer – ein sehr ansprechendes, stimmiges Programmkonzept.

Die „Zigeunerlieder“ op. 103 und 112 werden mitunter auch von Chören dargeboten. Mit vier Profisängern ist natürlich eine größere Brillanz, eine bessere Transparenz und letztlich auch mehr gestalterische Freiheit möglich. So konnte sich die zunächst gezügelte Leidenschaft im Eingangslied „He, Zigeuner, greife in die Saiten“ denn auch herrlich ungebremst steigern. Die Wahl der Tempi überraschte sowieso: Vieles erklang hier deutlich langsamer – oder besser: gezügelter –, als man es gemeinhin kennt, was die Chance zur intensiven, innigeren Ausgestaltung bot, die neu hinhören ließ.

Darauf folgte eine Auswahl aus den Volksliedern WoO 33 und 34, wahrlich ein „Best of“ mit Klassikern wie „Es war ein Markgraf überm Rhein“, „Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuß geh’n“ oder „Vergebliches Ständchen“. Die Bezeichnung könnte in die Irre führen, hat Brahms sich doch vom Volksliedgut inspirieren lassen, um herrlich kunstvolle Klavierlieder zu schaffen. Und spätestens hier müssen die Pianisten Ainoa Padrón und Christoph Schnackert erwähnt werden, die die nicht geringen Herausforderungen, von der größten Klangopulenz bis zur subtilsten Zurücknahme alles von Brahms Erwünschte bieten zu können, großartig bewältigten. Am Ende dieses zweiten Blocks nutzten die Sänger die Gelegenheit, jeweils paarweise kleine Szenen aufzuführen, die das Publikum beschwingt in die Pause entließen. Vor allem Berner, der in „Wie komm’ ich denn zur Tür herein?“ ein echtes „Weichei“ abgab, das die Geliebte in zunehmende Verzweiflung brachte, erhielt stürmischen Szenenapplaus.

Die Liebeslieder-Walzer, ein einziges Schwelgen in Tönen, gerieten danach, obwohl sie viele schöne Momente enthielten, mitunter ein wenig zu brav. Da hätte sich noch mehr an gestalterischer Möglichkeit geboten, zum Beispiel in „Wahre, wahre deinen Sohn“, wo die Altistin zur Hexe wird. Gleichwohl ein beglückendes Konzert, das, mit herzlichem Applaus bedacht, mit zwei schönen Zugaben endete: „Röslein dreie in der Reihe“ leidenschaftlich aufgedreht, „Weiche Gräser im Revier“ wunderbar zurückgenommen, in sich ruhend. Ein vielversprechender Festival-Auftakt!

Karten gibt es noch

für folgende Konzerte des Festivals: Gesprächskonzert „Fauststoff“ am Samstag, 6. Mai, 11 Uhr, und Kammerkonzert „Horn plus“ am Samstag, 6. Mai, 20 Uhr, sowie „Originalklang“ mit dem Barockensemble „L’Accademia Giocosa“ am Sonntag, 7. Mai, 11.30 Uhr. Vorverkauf: Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz Weilheim, Telefon 0881/686-11. Eintritt frei gilt für die offene Bühne „Meister & Schüler“ am Samstag, 6. Mai, 14 Uhr. Info: www.pegasus-konzerte.de.

Sabine Näher

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