Die Bewohner der drei Mehrfamilienhäuser an der Steinbruchstraße müssen ihre Autos notgedrungen vor dem Haus parken.
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Die Bewohner der drei Mehrfamilienhäuser an der Steinbruchstraße müssen ihre Autos notgedrungen vor dem Haus parken.

Bauausschuss trifft sich vor Ort

„Schwarzbau“ an der Steinbruchstraße-Süd in Polling: „Plan ist suboptimal und nicht schlüssig“

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
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Es ist von „untragbaren Zuständen“ die Rede, von „Pfusch“ und „unglaublichen Mängeln“: Die Errichtung von drei Mehrfamilienhäusern an der oberen Steinbruchstraße in Polling entwickelt sich langsam zu einem handfesten Bauskandal. Das Landratsamt hat inzwischen einen Baustopp verhängt.

Polling – Es hätte alles so schön sein können: Die Lage der drei Mehrfamilienhäuser ist wirklich traumhaft. Von den Terrassen– respektive Balkonfenstern aus offenbart sich ein wunderbarer Rundblick über die Alpenkette bis hin zum Hohen Peißenberg. Mit der „absolut ruhigen, sonnigen Lage“ warb auch das Exposé eines bekannten Peißenberger Maklerbüros. Unter dem Slogan „Wohnen in Polling – Steinbruchstraße-Süd“ wurden die 15 Eigentumswohnungen zudem als „hochwertig“ beschrieben. Viele Einheiten sind bereits bezogen. Alles in bester Ordnung? Mitnichten.

Landratsamt hat Baustopp verhängt

Rund um die drei Mehrfamilienhäuser sieht es noch voll nach Baustelle aus. Die Außenanlagen sind noch nicht gestaltet und die beiden Tiefgaragen gesperrt. An dem Zustand wird sich so schnell vermutlich auch nichts ändern. Das Landratsamt hat nämlich einen Baustopp verhängt. Bauträger Rainer Schwinghammer (Oberhausen) hat nicht so gebaut, wie er laut den genehmigten Plänen hätte bauen müssen. Das Landratsamt gibt zu privaten Bauvorhaben grundsätzlich keine Stellungnahme ab. Aber unter dem Strich handelt es sich aktuell bei dem Bauprojekt „Steinbruchstraße-Süd“ zumindest teilweise um einen „Schwarzbau“.

Konkret geht es um die beiden torlosen Tiefgaragen. Deren Zu- respektive Ausfahrten sind steil, sehr steil. Punktuell liegt der Neigungsgrad bei 25 Prozent. In den Plänen zum Bauantrag war aber nur eine Steigung von unter 15 Prozent eingearbeitet. Das Landratsamt fordert nun eine Tekturplanung. Überdachungen sollen die Einfahrten jeweils vor äußeren Witterungseinflüssen schützen. Das Problem: Der qualifizierte Bebauungsplan für die „Steinbruchstraße-Süd“ schließt Überdachungen aus. Schwinghammer hat deshalb bei der Gemeinde eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans beantragt.

Das Landratsamt hat die Tiefgaragen gesperrt. Da half es auch nicht, dass Rainer Schwinghammer einen Betonsockel (roter Pfeil) hat abfräsen lassen.

Doch würde eine Überdachung allein das Problem lösen? Unter den Wohnungskäufern gibt es große Bedenken. Der Neigungswinkel ist nicht das einzige Problem. Die Zufahrtsradien sind extrem eng. Vor den Garagensperrungen schrammte bereits das ein oder andere Auto an die Betonwand. Für etwas größere Fahrzeuge, so berichten Bewohner hinter vorgehaltener Hand, seien die Tiefgaragen schon gar nicht nutzbar. Ob nachträglich an der Zufahrt in dem schwierigen Hanggelände noch etwas angepasst werden könne, sei zudem mehr als fraglich. Öffentlich äußern will sich aktuell noch niemand. Der Grund: Einige Wohnungskäufer warten noch auf die Eintragung ins Grundbuch. Redebedarf gäbe es indes reichlich: Der Fokus richtet sich nämlich nicht nur auf die Tiefgarage. Krumme Wände, unsaubere Fliesenarbeiten, Feinstaub in den Heizungsrelais, fehlende Balkonabdichtungen und Wassereinbrüche unter den Estrich während der Rohbauphase – die Mängelliste ist lang.

Gemeinderat: „Wir müssen jetzt das Beste für die Bewohner rausholen“

Schwinghammer selbst beschwichtigt auf Nachfrage der Heimatzeitung. Er habe auf Drängen der Gemeinde tiefer in den Hang bauen müssen, als es in der Eingabeplanung vorgesehen war. Es sei um Sichtachsen gegangen. In der letzten Genehmigungsphase seien die drei Gebäude schließlich „weiter runtergedrückt“ worden. Schlussendlich, so Schwinghammer, habe man „vergessen, die Rampen anzupassen“. Bei der Prüfung im Landratsamt habe man offenbar diesbezüglich „nicht aufgepasst“. „Ich bin nur der Bauherr. Unsere Planer waren da außen vor“, sagt Schwinghammer. Doch er allein werde nun als der „Oberschuldige“ hingestellt. Im Konsens mit den Eigentümern wolle er nun versuchen, den Schaden zu reparieren. Schwinghammer fokussiert sich dabei auf die Tiefgaragen. Bezüglich etwaiger anderer Mängel würde sich nur ein Wohnungskäufer mokieren.

Im Pollinger Rathaus indes widerspricht man Schwinghammers Darstellung bezüglich der Gründungstiefe vehement. Man habe sich strikt an die Vorgaben des Bebauungsplans gehalten, heißt es ausdrücklich. Die Causa „Steinbruchstraße“ ist längst auch Thema im Pollinger Gemeinderat. Am heutigen Dienstag trifft sich der Bauausschuss zu einem Ortstermin. Auch Schwinghammer wurde dazu eingeladen. Die Tekturplanung hat bei der Vorlage in der jüngsten Gemeinderatssitzung übrigens keine Begeisterung ausgelöst. „Der Plan ist suboptimal und nicht schlüssig“, konstatierte unter anderem Michael Steininger-Yang (CSU). Doch das Gremium ist stark an einer Lösung interessiert: „Wir müssen jetzt das Beste für die Bewohner rausholen“, so Stefan Loy (WGP).

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