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Aus der Vogelperspektive ist die Bodenplatte zu sehen, auf der in den nächsten Wochen und Monaten die ersten Säulen aufgestellt werden sollen.

„Stoa 169“

„Eisenhaut“ steht für Pollinger Geschichten

Wegen der Corona-Krise leicht verspätet starten kommende Woche die Hochbauarbeiten für das Kunstprojekt „Stoa 169“. Im ersten Bauabschnitt sollen bis September 81 Säulen auf dem bereits fundamentierten Grundstück an der Ammer aufgestellt werden – darunter auch die von einer Fachjury gekürte „Polling-Säule“.

Polling – Die feierliche Grundsteinlegung für die von Bernd Zimmer initiierte Säulenhalle, die ein Ort der Begegnung von Kulturen und ein Archiv der Kunst unserer Zeit sein soll, fand bereits im vergangenen November statt (wir berichteten). Bis auf die Fundamentierung war damals noch nicht viel zu sehen. Doch jetzt beginnt der interessante, der spektakuläre Teil der Bauarbeiten.

Kommende Woche wird die Baustelle für den Hochbau eingerichtet. Peu á peu werden dann in den darauffolgenden Wochen und Monaten zunächst 81 Säulen aufgestellt. Die Corona-Krise hat den Baustart nur ein bisschen verzögert: „Wir hatten einen perfekten Vorlauf und liegen gut in der Zeit“, so Zimmer auf Nachfrage: „Wir sind besten Mutes.“

So wird die „Pollinger Säule“ aussehen. Auf dem Bild ist ein Modell zu sehen.

Die 81 Säulen sollen „Just in time“ geliefert werden – also genau dann, wenn sie zum Einbau benötigt werden. Die Platzierung innerhalb der Säulenhalle wird übrigens nicht vomRenommee der Künstler oder der Wertigkeit der Gestaltung abhängen. Ein Kriterium für die Standortwahl ist allenfalls die Wetterfestigkeit der Materialien. Diesbezüglich robustere Säulen werden demnach eher im Randbereich ihren Platz finden. Ansonsten sei es gerade die Idee des „Stoa“-Projekts, wie Zimmer betont, Hierarchien zu überwinden. Niemand könne zudem heute wissen, wie Kunst in 20 oder 30 Jahren bewertet werde. Ziel sei es, der Globalisierung einen positiven Ausdruck zu verleihen: „Eine Säule aus Polynesien steht neben einer aus der Schweiz oder eine aus Bayern neben einer aus Japan. Das ist die Vision“, so Zimmer.

Ein Geschenk an den Ort

Auch Polling wird mit einer Säule vertreten sein – wobei Zimmer das Kunstprojekt generell auf das Klosterdorf projiziert: „Das Ganze ist Polling und ein Geschenk an den Ort.“ Nach dem Aufruf zur Gestaltung einer „Polling-Säule“ für die „Stoa 169“ hat es laut Presseinformation der Stoa-Stiftung eine Vielzahl an Vorschlägen und Konzeptentwürfen gegeben – unter anderem Säulen zu den Themen „Thomas Mann“, „Gesichter Pollings“, „Spaltung der Gesellschaft“, „Hoffnung auf Versöhnung“, „Natur und Identität“ und „Heimatvertriebene nach 1945“. Eine unter anderem mit renommierten Kunstwissenschaftlern besetzte Fachjury hat sich letztlich für den Entwurf „Eisenhaut“ von Matthias Glas und dessen Vater Johann Friedrich entschieden. Glas junior hat an der Akademie der bildenden Künste in München studiert und ist 2015 mit dem Bayerischen Kulturpreis ausgezeichnet worden.

Vorbild einer griechischen Säule

Die „Eisenhaut-Säule“ greift das weitergereichte Erbe der handwerklichen Schmiedetradition in der Familie Glas auf. Verwendet werden typische Materialien wie zum Beispiel Blattfedern und Hufeisen: „Die Basis und das Kapitel sollen aber nach dem Vorbild einer griechischen Säule gestaltet werden“, wird Matthias Glas in der Pressemitteilung zitiert. Nach dem Urteil von Fachjurymitglied Franziska Leuthäußer wird durch die Verzierung der Säule mit historischen Zeugnissen aus der Schmiede „Familien- und Kulturgeschichte in herausragender Weise miteinander vereint“. Diese Darlegung würde selbstverständlich nicht nur der Geschichte der Schmiede in der Tassilostraße, sondern jedem Pollinger Engagement gelten. „Entsprechend verstehen wir die von Mathias Glas verzierte Säule auch stellvertretend für alle anderen Pollinger Geschichten“, so die ehemalige Kuratorin des Städel-Museums in Frankfurt.

Bernhard Jepsen

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