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In den „Stoa“-Stiftungsräumen erklärt Roland Fischer (l.) dem Aktionskünstler Wolfgang Flatz (r.) das Modell seiner Säule. 

„Stoa 169“: Kunst „von einem anderen Planeten“

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Künstler aus aller Welt unter einem Dach vereinen – das ist die Intention der von Bernd Zimmer initiierten „Stoa 169“. Bei der feierlichen Grundsteinlegung zur Säulenhalle gab sich bereits ein gutes Dutzend Künstler die Ehre – allerdings noch ohne Säulen.

Polling –Noch ist auf der Baustelle zur „Stoa 169“ an der Ammer bei Polling nicht viel zu sehen. Über die Fundamentfläche (2500 Quadratmeter) ist eine Schutzschicht aufgetragen. Bei entsprechender Witterung soll die Bodenplatte noch heuer gegossen werden. 108 Betonmischer würden dazu an einem Tag anrücken, so hatte es Bernd Zimmer bei einem „Informationsspaziergang“ im Vorfeld der Grundsteinlegung verkündet (wir berichteten). Inzwischen hat der Künstler die Zahl deutlich nach unten korrigiert. So seien es tatsächlich nur knapp 60 Betonladungen, die an das „Stoa“-Grundstück transportiert werden müssten. Und wie sieht es mit den Säulen aus? Am Tag der feierlichen Grundsteinlegung lud Zimmer zu sich in die „Stoa“-Stiftungsräume ein, um teilnehmende Künstler und erste Entwürfe zu präsentieren. Insgesamt stehen derzeit rund 100 Namen auf der Liste. Auch wenn die von Zimmer vor ein paar Monaten noch gehandelten Star-Künstler „Banksy“ und „Christo“ fehlen, ist in der Presseinformation zur Grundsteinlegung von „über 100 international bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern aus allen Kontinenten“ die Rede. Beim offiziellen Baustart in Polling mit dabei war unter anderem Wolfgang Flatz. Der Aktionskünstler gilt als Meister der Provokation. Bei einer Performance in einer Synagoge ließ er sich einmal als Glockenschwengel kopfüber an einem Seil aufhängen, um zu Walzerklängen zwischen zwei Stahlplatten hin- und her zu schwingen.

Ein Hinweis auf die abendländische Kunst

Der Körper als schmerzvolles Kunstmedium ist bei der Säulenhalle zwar nicht gefragt, aber Flatz ist von Zimmers Idee dennoch begeistert: „Ich finde das sensationell.“ Die „Stoa 169“ würde „in vieldeutiger Weise“ auf verschiedene Bereiche der abendländischen Kunst hinweisen und ganze Epochen abbilden. Für ihn sei die Teilnahme sofort klar gewesen: „Als ich die Einladung bekam, habe ich am nächsten Tag schon gewusst, wie meine Säule aussehen wird“, so Flatz. Nähere Details über sein persönliches Säulendesign verriet der in Dornbirn/ Österreich geborene Künstler aber noch nicht. Der Kontakt zu Flatz kam über Roland Fischer zustande. Der Fotokünstler und Zimmer kennen sich seit über 30 Jahren. Auch Fischer wird sich mit einer Säule verewigen. Als er von Zimmers Plänen erfuhr, sei er „sofort Feuer und Flamme“ gewesen – „weil das Ganze sehr gut zu meinem Arbeitsstil passt.“ Fischer versucht, durch Assoziationen Realitäten zu erschaffen. Bei der „Stoa 169“ würden zwei zunächst unterschiedlich anmutende Komponenten zusammenkommen. Fischer meint damit Kunst und Natur. Seine Säule, von der es bislang nur ein Modell gibt, soll die Mikrostruktur des menschlichen Körpers darstellen – und zwar über eine Fotoarbeit, die auf den Säulenkörper aufgetragen wird.

Der Name des Kunstwerks steht auch schon fest: „No man is an island.“ Übersetzt: „Niemand ist eine Insel.“ Fischer will damit in Anlehnung an Alexander von Humboldt ausdrücken, dass alles mit allem zusammenhängt. Die Mikrostruktur eines Knochens sei zum Beispiel identisch mit dem Bild eines Makrokosmos. Und was sagt Fischer zum sehr realen Protest gegen den Standort der „Stoa 169“ mitten in der Naturlandschaft? Man müsse die Angelegenheit aus der menschlichen Perspektive betrachten, meint der Künstler. Die „Stoa“ sei so etwas wie eine Idee „von einem anderen Planeten“. Das schüre verständlicherweise Ressentiments. „Aber ich bin überzeugt davon, dass es eine großartige Idee ist“, betont Fischer. Spätestens, wenn die Säulenhalle fertiggestellt sei, würden alle Bedenken ausgeräumt sein.

Lesen Sie auch: merkur.de/lokales/weilheim/polling-weilheim-ort583340/polling-stoa-169-es-wird-fantastisch-doch-sah-nicht-jeder-so-13230243.html

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