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Diese künstlerische Abbildung soll zeigen, wie die Säulenhalle künftig im Gelände aussehen wird. 

Montag fällt Bau-Entscheidung im Kuratorium

„Stoa 169“-Projekt in Polling: Erste Säulen sind unterwegs

Am Montag fällt das Führungsgremium der „Stoa 169 Stiftung“ die endgültige Entscheidung, ob die an der Ammer bei Polling geplante Säulenhalle tatsächlich gebaut wird. Es ist zu erwarten, dass das Kuratorium grünes Licht gibt. Künstler Bernd Zimmer ist jedenfalls fest entschlossen – und die ersten Säulen sind bereits auf dem Weg nach Polling.

Polling – Sie soll laut ihres Ideengebers ein „Zeichen für positives, globales Denken“ sein sowie „bildende Kunst unter ein Dach bringen“ – und aus der ebenso kühnen wie umstrittenen Vision für die Errichtung einer Säulenhalle wird sehr wahrscheinlich Realität. Die Baugenehmigung hat Bernd Zimmer bekanntlich schon länger in der Tasche. Auch wenn er der Entscheidung des Kuratoriums nicht vorgreifen will und sich im Pressegespräch vorsichtig ausdrückt, sagt er: „Ich glaube, dass es gebaut wird. Es ist zumindest mein persönliches Interesse.“ Die Proteste gegen den geplanten Standort der Säulenhalle an der Ammer und die Kritik am nichtöffentliche Genehmigungsverfahren kann Zimmer nach wie vor nicht nachvollziehen: „Bevor man so etwas anfängt, muss man schauen, ob es rechtlich überhaupt möglich ist. Ich hatte ja nichts in der Hand“, beteuert er. „Ich brauchte Planungssicherheit, bevor ich mit den Künstlern reden konnte – sonst hätte ich mich doch lächerlich gemacht.“

„Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die so etwas nicht wollen“

Auch Bürgermeisterin Felicitas Betz verteidigt die Vorgehensweise: „In Polling entsteht ein weltumspannendes Kunstwerk. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die so etwas nicht wollen.“ Die Rathauschefin übt deshalb nur dosierte Selbstkritik: Die fehlende Einbindung der Öffentlichkeit tue ihr im Nachhinein zwar leid, „aber wir können es nicht mehr umkehren, sondern nur versuchen, damit versöhnlich umzugehen. Damals waren wir der Meinung, dass es so richtig war.“

Laut Zimmer bestand von seiner Seite aus nie die Absicht, die Öffentlichkeit bewusst zu unterlaufen: „Ich habe sogar mit vielen Pollingern über das Projekt geredet. Viele wussten davon.“ Zimmer verweist zudem auf die Info-Veranstaltung, zu der er 2017 via Aushang im Klostertorbogen eingeladen hatte: „Ich war geschockt, dass damals kaum jemand gekommen ist.“ Der Aktenlage zufolge wusste unter anderem auch der Bauernverband spätestens ab 2016 über das Projekt Bescheid. Das Landratsamt hatte damals im Rahmen des Grundstücksverkehrsrechts die Wahrnehmung eines möglichen, landwirtschaftlichen Vorkaufsrecht zu prüfen. Dem Vernehmen nach gab es wohl auch einen Interessenten, allerdings klafften die preislichen Vorstellungen offenbar zu weit auseinander.

Zimmer arbeitet derzeit nach eigener Aussage „hektisch“ an der Modifizierung der Projektkonzeption. Er hat eine Landschaftsplanerin beauftragt, zudem steht er mit den Umweltbehörden und dem Bund Naturschutz in engem Austausch. „Ich darf eben nicht machen, was ich will“, betont Zimmer. Nach der Info-Veranstaltung in der Tiefenbachhalle Anfang April sei vereinbart worden, dass das verbleibende, 30 000 Quadratmeter große Grundstück rund um die Säulenhalle (2500 Quadratmeter) nicht nur landwirtschaftlich genutzt, sondern auch renaturiert werden soll. Zimmer hat bereits einen Pollinger Landwirt, der das Areal extensiv bewirtschaften möchte.

Erste Säule ist schon auf dem Weg von Neu-Delhi nach Polling

Auch die Planungen für die Stoa selbst laufen auf Hochtouren. „Es sind bereits viele Säulen fertig“, verrät Zimmer. Eine befindet sich schon auf dem Weg von Neu-Delhi nach Polling. Ob sich auch die Starkünstler Christo und Banksy in Polling mit einer Säule verewigen werden, scheint indes eher fraglich. Zimmer hat sie zwar eingeladen, aber außer einer – wie er sagt – „kryptischen Mail“ von Banksy hat es von den beiden noch keine Zusage gegeben. „Der Versuch war es wert“, reagiert Zimmer gelassen: „Ich habe ein Maximum an Künstlern eingeladen, davon fallen natürlich viele weg.“

Mit am Kuratoriumstisch wird am Montag auch Felicitas Betz sitzen. Dass die Bürgermeisterin in der Stiftung Stimmrecht hat, ist für Zimmer selbstverständlich: „Sie vertritt schließlich die Interessen Pollings.“ Die Arbeit im Kuratorium sei rein ehrenamtlich: „Da sitzen richtig gute Leute drin, zum Beispiel ein Ex-Hilti-Vorstand. Die schauen mir ordentlich auf die Finger“, so Zimmer.

Den Vorwurf, dass er sich mit der Säulenhalle ein Denkmal setzen wolle, weist er strikt von sich: „Dafür würde ich kein Geld ausgeben.“

Bernhard Jepsen

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Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Pollings Bürgermeisterin

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