+++ Eilmeldung +++

Traurige Corona-Nachricht: Winter-Tollwood abgesagt - obwohl es kurz zuvor noch Hoffnung gab

Traurige Corona-Nachricht: Winter-Tollwood abgesagt - obwohl es kurz zuvor noch Hoffnung gab
An der Gemeindeverbindungsstraße Richtung Oderding wurden mehrere Querparkplätze für die „Stoa“ angelegt. Dazu wurde eine Teilfläche zwischen Bahnlinie und Fahrbahn gemulcht.  Foto: jepsen
+
An der Gemeindeverbindungsstraße Richtung Oderding wurden mehrere Querparkplätze für die „Stoa“ angelegt. Dazu wurde eine Teilfläche zwischen Bahnlinie und Fahrbahn gemulcht.

10 000 Besucher in drei Wochen

„Stoa 169“ verursacht Verkehrsproblem - Initiator Zimmer sagt: „Die Gemeinde muss nur meine Parkplatz-Pläne umsetzen“

  • Bernhard Jepsen
    vonBernhard Jepsen
    schließen

10 000 Besucher in knapp drei Wochen: Die Mitte September eröffnete „Stoa 169“ ist ein Besuchermagnet. Die Kehrseite der Medaille: Die Gemeinde Polling ist mit dem Ansturm an ihre Belastungsgrenze gestoßen. Das Problem: Es gibt noch kein Konzept, wie der Besucherstrom zur Säulenhalle gelenkt werden soll.

  • 10000 Besucher in drei Wochen - in Polling herrscht das Parkchaos, seit die STOA eröffnet wurde.
  • Der Initiator streitet viel ab und verweist ansonsten darauf, dass die Gemeinde gern nach seinen Plänen einen Zusatzparkplatz bauen könne.
  • Die Anlieger sind stinksauer.

Polling – Schönes Wetter und Wochenende: Das ist eine Kombination, die aktuell in Polling zum verkehrstechnischen Ausnahmezustand führt. Dann pilgern Scharen von Kunstinteressierten zur „Stoa 169“ an die Ammer bei Polling. Die meisten der Besucher kommen aus dem Umkreis von München, zum Teil reisen auch Leute aus Österreich und der Schweiz an.

Vor allem der erste Sonntag im Oktober war laut Bürgermeister Martin Pape „ganz extrem“. Der provisorisch in einer Wiese angelegte Behelfsparkplatz am Bahnübergang an der Gemeindeverbindungsstraße Richtung Oderding war völlig überfüllt. Das gleiche Bild an der Roßlaichbrücke. Dort parkten die Autos sogar verbotenerweise längs an der B 472. Auch die Straße Richtung Berghof war dicht.

In den Tagen nach der Eröffnung hatte es zudem in Pollings Zentrum chaotische Zustände gegeben. Viele Besucher steuerten in Unkenntnis des „Stoa“-Standorts die Adresse der „Stoa“-Stiftung am Kirchplatz an. Von dort marschierten die Menschenmassen in Richtung Ammer – durch die westlichen Wohngebiete und zum Teil auch durch Privatgärten, wie Bürgermeister Pape berichtet: „Ich möchte das Ganze noch positiv sehen, aber die Anlieger haben zum Teil schon verschnupft reagiert.“

Vor allem bei den Bewohnern der Bahnhofstraße herrsche „Unruhe“. Es habe auch Besucher gegeben, die sich „rücksichtslos und unverschämt“ verhalten hätten. Mangels Toiletten an der „Stoa“ würde es auch viele „Wildpiesler“ geben. Weder die Gemeinde noch der Betreiber der Säulenhalle, so Pape, hätten mit einem derartigen Besucheransturm gerechnet.

Initiator Zimmer: „Wir freuen uns, dass das Kunstwerk so angenommen wird.“

Das bestätigt auch Bernd Zimmer. „Wir sind alle überrascht worden. Aber wir sollten uns freuen, dass das Kunstwerk angenommen wird“, erklärt der Künstler und Projektinitiator. Von Seiten der „Stoa“-Stiftung geht man davon aus, dass sich die Besucherresonanz einpendeln wird – vor allem in den anstehenden Wintermonaten. „Es wird keine ewige Welle geben“, glaubt Zimmer. Die Berichterstattung im Fernsehen und überregionalen Medien sowie die Corona-Pandemie, in der die Leute kaum verreisen können, trage zu dem hohen Besucheraufkommen bei. Außerdem: Aufgrund des kulturellen Angebots seien immer schon Besucher nach Polling gekommen: „Jetzt sind es eben ein paar mehr“, sagt Zimmer. Und es würde damit ja auch Geld in den Ort fließen. Vor allem die Alte Ziegelei und der Klosterwirt würden profitieren: „Ich verdiene mit der Stoa kein Geld“, stellt Zimmer klar.

Anders als Pape betont der Projektträger, dass die Besucher sich sehr diszipliniert verhalten würden: „Es gibt so gut wie keinen Müll“, konstatiert Zimmer, der natürlich weiß, dass an der Verkehrsinfrastruktur nachgebessert werden muss. Die nun gesammelten Erfahrungen müssten in die Konzeption mit einfließen: „Das ist Learning by Doing.“ Allerdings: „Ich muss jetzt nicht für den gesamten Ort die Infrastruktur liefern.“ Diese Woche soll es Gespräche zwischen der Stiftung und der Gemeinde geben. Zimmer ist optimistisch: „Wir werden eine Lösung finden.“

Zimmer: „Die Gemeinde muss meine Parkplatz-Pläne nun umsetzen“

Aber warum wurde die Verkehrsinfrastruktur eigentlich nicht schon vorher detailliert geplant? Zimmer muss für seine Säulenhalle laut Genehmigung gerade einmal zehn Stellplätze vorhalten. Die Gemeinde will am Bahnübergang einen Wanderparkplatz mit 30 Stellplätzen bauen – überwiegend auf Kosten der Stiftung. Für den Parkplatz, so Zimmer, habe er bereits Pläne vorgelegt, die Gemeinde müsse sie nun umsetzen. Doch selbst wenn das Interesse an der Säulenhalle nachlassen sollte, werden die 30 Plätze vermutlich zu wenig sein.

An der Gemeindeverbindungsstraße Richtung Oderding wurden nun aus der Not heraus zwischen Bahnlinie und Fahrbahn von der Kommune größere Randstreifenflächen gemulcht und Querparkplätze angelegt. Auch die Roßlaichbrücke hat man ins Visier genommen. Dort hangeln sich die Stoa-Besucher derzeit die Revisionstreppe des Staatlichen Bauamts auf den östlichen Ammerweg hinunter – ohne Geländer, ohne Verkehrssicherung. Angedacht ist, auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen zusätzlichen Parkplatz anzulegen. Die Besucher könnten dann unter der Brücke hindurch gehen und müssten nicht die steile Stiege benutzen. Doch von den Behörden gibt es laut Pape bislang die Aussage, „dass es dort momentan nichts geben kann“.

Geplanter Parkplatzbau scheitert an Überflutungsgefahr

Die benötigten Flächen liegen im Landschaftsschutz- und Überflutungsgebiet. Zudem ist unsicher, ob es den östlichen Ammerweg überhaupt dauerhaft geben wird. „Wir haben eigentlich vor, den Unterhaltungsweg aufzugeben“, erklärt Bernhard Müller, Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt, auf Nachfrage: „Er ist für die Wasserwirtschaft nicht notwendig.“ Bei Hochwasser werde der Weg „immer als erstes überschwemmt“. Wenn die Gemeinde ihn dauerhaft erhalten wolle, dann müsse sie für den Unterhalt aufkommen.

Das aber würde im Widerspruch zu den Aussagen stehen, dass der Gemeinde im Zuge des Säulenhallenprojekts keine Kosten aufgebürdet werden. Doch mehr als einen städtebaulichen Vertrag zwischen Gemeinde und Stiftung gibt es nicht. Pape räumt rückblickend ein, dass man besser in einem umfassenden Bauleitverfahren einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan bezüglich der Errichtung der Säulenhalle hätte aufstellen sollen. Darin hätten auch die infrastrukturellen Fragen von den Fachbehörden abgewogen werden können. Genau das fehlt jetzt: „Aber aus Fehlern lernt man“, so Pape.

Auch interessant

Kommentare