Eröffnung der Künstler-Säulenhalle „Stoa 169" an der Ammer bei Polling - mit den Politikern (v.l.) Landtags-Vizepräsident Wolfgang Heubisch, Pollings Bürgermeister Martin Pape, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Bayerns Kunstminister Bernd Sibler und Landtagsabgeordneter Harald Kühn.
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Mit 200 geladenen Gästen wurde am Sonntagmittag die Künstler-Säulenhalle "Stoa 169" an der Ammer bei Polling eröffnet. Mit dabei waren zahlreiche Politiker: (v.l.) Landtags-Vizepräsident Wolfgang Heubisch, Pollings Bürgermeister Martin Pape, Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Bayerns Kunstminister Bernd Sibler und der Landtagsabgeordnete Harald Kühn.

Künstler-Säulenhalle bei Polling ab 15. September frei zugänglich

„Stoa 169“ mit Politprominenz eröffnet

  • Magnus Reitinger
    VonMagnus Reitinger
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Mit Blasmusik, Politprominenz und 200 geladenen Gästen wurde am Sonntag die Künstler-Säulenhalle „Stoa 169“ an der Ammer bei Polling eröffnet. Ab Dienstag ist die weltweit einzigartige Wandelhalle frei zugänglich.

  • Die „Stoa 169“ an der Ammer bei Polling wurde am Sonntag offiziell eröffnet
  • Die Künstler-Säulenhalle war eines der umstrittensten Bauprojekte in der Region
  • Coronabedingt konnten nur geladene Gäste an der Feier teilnehmen

Polling – Eigentlich hätte es eine Feier ohne Einlasskontrolle sein sollen, ein Fest für alle – so wie sich das gehören würde für ein völkerverbindendes Kunstprojekt. Doch die Pandemie machte diesem Plan der „Stoa 169 Stiftung“ einen Strich durch die Rechnung. Die Gästeschar zur Eröffnung des ersten Bauabschnitts der Säulenhalle am gestrigen Sonntag musste auf 200 beschränkt werden. „Nächstes Jahr werden wir, hoffentlich ohne Corona, das ganze Werk feiern“, versprach Bauherr Bernd Zimmer bei seiner Begrüßung –„richtig mit Bierzelt und tausend Leuten...“

Nächstes Jahr soll nochmal gefeiert werden - ganz groß

Ein kleineres Zelt immerhin, aufgebaut vom Pollinger Trachtenverein, stand auch gestern Mittag bereit. Es bot Schattenplätze in der Spätsommersonne, die mit der „Stoa“ und ihrem Initiator um die Wette strahlte. Sichtlich gerührt erläuterte Bernd Zimmer in aller Kürze die Intention der Säulenhalle (Künstler aller Kontinente unter ein Dach zu bringen), dankte innig allen Mitwirkenden, Unterstützern und insbesondere seiner Ehefrau Nina. Geradezu zurückhaltend beurteilte der 71-Jährige das Ergebnis, für das er jahrelang gekämpft hat und an dem nun elf Monate lang gebaut wurde: „Ich finde, es ist sehr gelungen. Es ist eine sehr offene Halle.“

Den „Sound der Stoa 169“ ließ (v.r.) der Weilheimer Komponist Joscha Arnold mit Cellist Lenz Defregger und Geiger Moritz Defregger erklingen. Dahinter die Pollinger Blasmusik, die danach bayerisch aufspielte.

Weitaus überschwänglichere Worte fanden die weiteren Redner. Als stellvertretende Vorsitzende des Stiftungskuratoriums führte Pollings ehemalige Bürgermeisterin Felicitas Betz durch die gebührend festliche, dabei lockere und keineswegs pompöse Einweihungsfeier, die vom Musikverein Polling mit bayerischer Blasmusik umrahmt wurde. „Wenn ich hier stehe, bin ich glücklich – obwohl mein Leben auch durch dieses Kunstwerk ganz schön durcheinander gewirbelt wurde“, sagte Betz in Anspielung auf die verlorene Bürgermeisterwahl im März. Als Zimmer ihr im Sommer 2016 im Rathaus begeistert von seinen Stoa-Plänen erzählt habe, sei das „ein Gänsehaut-Moment“ gewesen. Gemeinsam habe man „alle bürokratischen Hindernisse aus dem Weg geräumt“, so die Ex-Bürgermeisterin weiter: „Kunst braucht Raum, Kunst braucht Mut, Kunst braucht Durchhaltevermögen – und Kunst braucht vor allem Menschen wie Dich, lieber Bernd.“

Mein großer Wunsch war, alle Kontinente unter ein Dach zu bringen. Das hat eine große symbolische Kraft – ein Globalisierungsbild, das positiv besetzt ist.

Bauherr Bernd Zimmer

Als „einzigartiges Kunstwerk, das zwar Bernd Zimmers Handschrift trägt, aber von Künstlern aus aller Welt und aus drei Generationen mit gestaltet und praktisch getragen wird“, würdigte Landrätin Andrea Jochner-Weiß die „Stoa 169“. Eingebettet in die Natur an der Ammer, habe diese den richtigen Rahmen gefunden. Die kritischen Stimmen im Vorfeld („die Stimmung war oftmals so aufgeheizt, dass wir schon die Befürchtung hatten, Polling wird ein zweites Feldafing“) hätten sich größtenteils „nicht gegen das Kunstwerk, sondern rein gegen das Genehmigungsverfahren gerichtet“, so Jochner-Weiß im Rückblick. Nun hoffe sie, „dass die Stoa die Befürworter und Kritiker wieder vereint“.

„Ich kann nur sagen: verbindet euch!“, wünschte sich auch Pollings neuer Bürgermeister Martin Pape: Die weltweit einzigartige Künstler-Säulenhalle sei „ein sichtbares Zeichen des Respekts vor Mensch und Natur“ – und „ab jetzt fester Bestandteil unserer Gemeinde“.

Wäre es heute noch möglich, eine Wieskirche zu bauen?

Ob es heute noch möglich wäre, eine Wieskirche oder eine Walhalla zu bauen? Diese Gedanken seien ihm zur Vorgeschichte der „Stoa 169“ gekommen, sagte Bayerns Kunstminister Bernd Sibler in seiner Ansprache – und rühmte die Säulenhalle, die der Freistaat mit 870 000 Euro aus dem Kulturfonds fördert, als „unglaublich gut gelungen“. Die Unterstützer um Zimmer hätten sich von der Vision anstecken lassen, „die nächste Wieskirche, die nächste Walhalla zu bauen“. Und solche Visionen „brauchen wir in diesen Zeiten mehr als alles andere“, so Sibler mit Blick auf die Coronakrise: Die „Stoa“ sei „ein ganz wichtiges Symbol dafür, dass Kunst und Kultur zurück sind und noch weiter zurückkommen werden“.

Prominente Künstler sind zur Eröffnung gekommen

Über 20 der beteiligten Künstler aus aller Welt waren übrigens persönlich zur gestrigen Eröffnungsfeier gekommen, darunter Prominenz wie die Isländerin Sigrún Ólafsdóttir, der Österreicher Wolfgang Flatz oder der Installationskünstler Georges Adéagbo aus Benin. „Gemeinsam sind wir stark“, über alle Grenzen hinweg, das sei die zeitlose Botschaft der „Stoa 169“, sagte Wolfgang Heubisch, der Vizepräsident des bayerischen Landtags, in seinem Grußwort. Ob im Pfaffenwinkel, dieser herrlichen Kulturlandschaft, nicht eigentlich schon alles da sei, fragte er rhetorisch. Doch „jede Generation, die stark ist“, wolle und müsse etwas Neues schaffen, gab Heubisch selbst die Antwort: „Die Stoa 169 ist etwas Neues, aber nichts Zeitgeistiges. Sie wird die Zeiten überdauern. (...) Das wird ein Kulturtempel im wahrsten Sinne des Wortes.“

Es ist tief beeindruckend, wie sich diese Stoa 169 in die Landschaft einfügt – und mit etwas Patina noch mehr einfügen wird.

Bayerns Kunstminister Bernd Sibler

Die Philosophie hinter der „Stoa 169“ – in der es „um weit mehr als Farben und Formen“ gehe – erläuterte schließlich der Schriftsteller Tilman Spengler in seiner ebenso gescheiten wie gewitzten Festrede. „Stoa“ bezeichnet ja einerseits eine antike Philosophenschule, andererseits den Bautypus der Säulenhalle. Erstere gehöre zu den Wiegen der europäischen Zivilisation, was Werte wie Menschlichkeit, Offenheit und Solidarität betrifft. „Das sollten wir bewahren“, so der 73-Jährige, „und auch dazu ist dieses Monument ein Anlass“. Doch nicht nur die Botschaften, auch „die Schönheit und den Witz dieser Halle“ rühmte Spengler. Es handle sich um einen „begehbaren und eben nicht unnahbaren Weltatlas“.

Erreichbar ist die „Stoa" nur zu Fuß oder mit dem Rad

Dieser kann ab dem morgigen Dienstag rund um die Uhr kostenlos von jedermann besichtigt werden. Erreichbar ist die „Stoa 169“ freilich nur zu Fuß oder mit dem Rad. Hinter dem Bahnübergang westlich der Pollinger Bahnhofstraße soll in den nächsten Monaten ein Parkplatz für rund 30 Autos entstehen. Auch die Wandelhalle selbst ist noch nicht ganz fertig. Bisher sind 81 Säulen unter dem Dach, weitere 40 folgen bis Sommer 2021 – Grund genug, dann noch mal groß zu feiern.

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