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Der Regisseur als Kino-Chef: Zoltan Paul im Juni 2003 in seinem Peißenberger „CinePark“, den er eine Zeit lang neben dem Weilheimer „Starlight“-Kino betrieb. 

Was macht eigentlich... Zoltan Paul?  

„Im Herzen bin ich Provinzler“

Regisseur Zoltan Paul lebte nicht nur 22 Jahre in Polling, er kümmerte sich auch fünf Jahre lang ums Peißenberger Kino und um das Weilheimer „Starlight“. Nach dem Wegzug nach Berlin ist er mittlerweile lieber in der Brandenburger Natur unterwegs als in der Stadt – und hat soeben zum zweiten Mal geheiratet.

Berlin/Polling – Er lebe inzwischen ganz ähnlich wie in Polling, lässt ein aufgeräumter Zoltan Paul am Telefon wissen, während das Wasser an sein Ruderboot gluckst. „Ich bin gern auf einem See im Norden von Berlin unterwegs. In die Stadtwohnung pendle ich halt rein, das ist eigentlich vergleichbar wie von Polling nach München.“

Der Regisseur als Hauptdarsteller: Zoltan Paul 2017 beim Dreh in Japan   für seinen neuen Film.

Seine Leidenschaften habe er beibehalten: Abends den „Blauen Portugieser“, in der Freizeit das Rudern. „Das hab’ ich früher immer am Staffelsee gemacht“, sagt der 63-Jährige und ruft einem Künstlerfreund am Ufer zu, dass dieser doch später auf ein Bier vorbeikommen soll. Schließlich habe der Maler ihm ein Bild geschenkt. Anlass: Zoltan Pauls zweite Hochzeit im Mai. „130 Leute sind gekommen, ein ganz großes Fest.“ Geheiratet habe man in einem Standesamt mit original sozialistischer Atmosphäre. Passend war sein Trauzeuge, Sebastian Koch, einer der Hauptdarsteller in der DDR-Retrospektive „Das Leben der Anderen“. Ganz leger verrät der Regisseur das i-Tüpfelchen: „Meine frühere Frau Adele Neuhauser war die Trauzeugin meiner neuen Frau“ – und Pauls wienerischer Akzent bleibt auch hier lässig, vielleicht grundiert mit einem gutmütigen Spaß daran, dass das Leben tatsächlich filmreife Volten bietet.

Davon kennt der gebürtige Budapester genug. Vor einiger Zeit sei ein bereits vorfinanzierter Dreh in Ungarn geplatzt – eigentlich ein Rückschlag, doch dann folgte die nächste Film-Idee gleich auf dem Fuße: „Mein Sohn Julian Pajzs erzählte, dass er mit seiner Metal-Band auf Japan-Tournee gehe.“ Daraus entstand die Idee zu „PeroPero – Breakdown in Tokyo“: ein Film, worin Zoltan Paul selber den Hauptdarsteller gibt und zugleich Regie darüber führt, wie er besagte Musikgruppe in Fernost begleitet. „Eine Doku-Fiction, ich habe nur die Liebesgeschichte zu einer jungen Japanerin hinzu- erfunden.“ Die Eifersuchtsszene liefere Clementina Hegewisch, seine im realen Leben frisch angetraute Frau.

Schauspiel am Theater, das lasse er inzwischen sein, und auch das Kino-Betreiben habe er ad acta gelegt. Seine echte Berufung sei es, „Piratenfilme“ zu konzipieren – oft mit Crowdfunding als Basis, oft mit schrägen Handlungen als Inhalt, zuletzt etwa über einen Amoklauf unter dem Druck des Kapitalismus. „Drehbuch, Finanzierung und Schauspieler organisieren, hinterher die Postproduktion – eigentlich ist Filmemachen ein Horror an Stress, aber das Drehen vom Film mittendrin ist die Kirsche, die für alles entschädigt.“

Stets habe er ein Auge darauf, dass seine Filme auch im Umkreis von Weilheim in die Kinos kommen. Und alle zwei bis drei Jahre sei er auch selber in der Gegend, gehe in den Pollinger Biergarten, besuche seinen engen Freund Bernd Zimmer und schaue sich das frühere Wohnhaus an. „Seltsam, es steht immer noch leer, vermutlich will der Besitzer eines Tages noch ein Adele-Neuhauser-Museum daraus machen“, scherzt der 63-Jährige und legt sich wieder in die Riemen. Das Wasser gluckst, das stressige Berlin ist weit, und die Brust ist leicht. Fontane-Gegend, eine Parallel-Galaxie zum Pfaffenwinkel, denn auch an den Ruppiner Seen steht die Landschaft im kulturellen Kontext von Königen und Künstlern. Zoltan Paul meint wohl just dieses Lebensgefühl, wenn er sagt: „Im Herzen bin ich Provinzler.“

Vorschau

auf Zoltan Pauls neuen Film (Kinostart im November) im Internet: http://peropero-in-japan.com.

Andres Bretting

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