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Vor 20 Jahren entstand der Bilderzyklus, den Prof. Dr. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl in St. Pölten zeigt.

Ausstellung der Pfarreiengemeinschaft Weilheim

Mit Psalmen durch die Fastenzeit

Weilheim - In der  Pfarreiengemeinschaft  Weilheim geht es bunt durch die Fastenzeit. Eine Ausstellung zeigt farbenfrohe Bilder.

In der Fastenzeit rücken heuer die Psalmen in den besonderen Blickpunkt des Gemeindelebens der Pfarreiengemeinschaft Weilheim. Sie bilden nicht nur das Gerüst für das Konzept der Exerzitien im Alltag, sondern erfahren ihren Ausdruck auch bildnerisch gestaltet in der Kirche von St. Pölten. Prof. Dr. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl, die Stadtpfarrer Pfarrer Engelbert Birkle schon seit langen Jahren freundschaftlich verbunden ist, hat 13 farbintensive Tierbilder gestaltet, inspiriert von ausgewählten Psalmen.

„Nachtherbergen für die Wegwunden“ – gehalt- und gefühlvoller als die einstige Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs kann man es schwerlich ausdrücken, was dem Lesenden und Betenden das alttestamentarische Buch der Psalmen bietet. Die Entstehung der ältesten Bibel-psalmen datiert aus der Zeit vor dem babylonischen Exil wie auch der israelitischen Königszeit. In der altorientalischen Literatur sieht man ihre Vorbilder.

In seiner Predigt zum ersten Fastensonntag nimmt Pfarrer Birkle entsprechend Bezug, eröffnet mit dem Zitat von Nelly Sachs. Er erinnert an eine Zeit, in der es als Gnade galt, nach einem arbeitsreichen, rastlosen Tag Herberge zu finden. Was können also Psalmen heute in unserer rastlosen, schnelllebigen Zeit anbieten?

Für Birkle schenken sie in Wort und Sinn eine Herberge für Seele und Leben. Die Psalmen verarbeiten im Gegensatz zu manch einem unverständlich oder sperrig wirkenden Bibelzitat alle menschlichen Erfahrungen, öffnen den Blick für alles Menschliche, sagen uns auch „du bist mit deiner Not nicht allein“. „In der Psalmkunst können wir uns in das Geheimnis der Schöpfung einfühlen“. Birkle ist es wichtig zu erläutern, dass die Blickrichtung der Psalmen nicht menschenzentriert eindimensional ausgerichtet ist, sondern deutlich macht, dass der Gottesbund der gesamten Schöpfung gilt.

An dieser Stelle wird die inhaltliche Verbundenheit mit dem Anliegen der Malerin und Bildungsexpertin Bäuml-Roßnagl deutlich. Sie sieht in den Versen und Rufen die Sehnsucht des Menschen nach der verlorenen Einheit von Natur, Mensch und Gott gespiegelt. Die Tierbotschaften in den Psalmen haben von Anfang an besondere Faszination auf sie ausgestrahlt.

Die Ikonographie der Psalmenliteratur zeigt Stier und Kuh, Schlangen und Drachen, Hirsch und Hinde, Lamm, Steinbock, Vogel und Schmetterling. Sehr gegenständlich greift Bäuml-Roßnagel aus der Schatztruhe die Psalmenworte heraus, die sie in bewegter Pinselführung, vielen klar konturierten Symbolen wie Kreis, Regenbogen oder Kreuz und üppiger, jedoch nie plakativer Farbenfreude umsetzt. So kommen etwa im Psalm 148 verschlingende Meeresungeheuer, Sturmwind, Wälder in den Blick, im Psalm 91 übergroße beschirmende, weiße Flügel. Vögel kreisen als Mittler zwischen Himmel und Erde, Schmetterlinge, als leuchtendes Symbol für transzendentes Wandlungsgeschehen.

Vor zwanzig Jahren entstand der Bilderzyklus in Wessobrunn, in einer „Zeit von Bedrängnis und geistiger Umorientierung“. Die Berührung durch und in der Natur wirkte seinerzeit für die Künstlerin wie ein Brennglas, das zeigt, dass die Menschen nicht als Herren, sondern als Geschwister aller Kreaturen Verantwortung zu tragen haben. Der Zyklus war bereits 1995 „nicht nur gemalt für ein paar Tage“, sondern sehr persönliches Lebens-Dokument im Lebensnetz Gottes.

Wie die junge Generation auf dieses Angebot reagieren wird, darf mit Spannung erwartet werden. Schulklassen, Jugendliche, Sonderschüler sind eingeladen zum kreativen Austausch, dessen Ergebnisse am Palmsonntag präsentiert werden. Auch Asylbewerber möchte man einbinden zur interkulturellen Betrachtung und zum Gespräch.

Die Ausstellung

in der Kirche St. Pölten ist täglich geöffnet.

Dorothee Fleege

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