aus dem Gericht

Rätsel um schweren Unfall am Forster Berg

Forst - Sowohl der Angeklagte als auch der Geschädigte schilderten bei Gericht verschiedene Versionen eines Unfalls. Auch die Gutachten weichen ab.

 Schon bei der Protokollierung des Geschehens am Unfallort gaben die Beteiligten zwei gegensätzliche Versionen an. Und das setzte sich bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Weilheim fort – sogar die jeweils von der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung hinzugezogenen Gutachter waren unterschiedlicher Meinung, als es darum ging, wie es zu einem Unfall am Forster Berg im Oktober 2014 gekommen war. Bei diesem wurde ein 32-Jähriger schwer verletzt.

Die 45-jährige Angeklagte aus Tutzing schilderte den Hergang so: „Ich bin auf der Straße den Forster Berg hinuntergefahren, da sah ich ein Motorrad auf der Mittellinie fahrend mir entgegenkommen.“ Sie dachte noch, dass das knapp werden würde, gab aber an, nichts gesehen und keinen Schlag bemerkt zu haben. Trotzdem hielt sie am Seitenrand an und stellte zunächst nur fest, dass ihr Außenspiegel abgefahren war. „Ich dachte, der Motorradfahrer wäre abgehauen“, erklärte sie. Dann habe sie eine Person telefonieren sehen und weitere Personen hätten ihr geraten, weg zu bleiben. In einer Böschung lag der schwerverletzte Motorradfahrer, der bei dem Unfall sein rechtes Bein verlor. Seine auf dem Sozius mitfahrende Freundin wurde leicht verletzt und alarmierte Polizei und Rettungswagen. „Er kam so überraschend auf mich zu, ich kam nicht auf die Idee zu bremsen“, sagte die 45 Jährige, die wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt wurde.

Der Motorradfahrer aus Peißenberg schilderte den Vorgang anders. Er befand sich mit seinem Krad in einer Linkskurve. Dazu fuhr er laut eigenen Angaben eher im rechten Bereich seiner Fahrspur. Er sah das Auto der Angeklagten, das immer weiter auf seine Spur hinüber fuhr. „Ich meine, dass sie den Kopf unten hatte, als wenn sie etwas suchen würde“, sagte er. Er konnte sein Motorrad noch aufrichten, verspürte dann aber einen Schlag und hatte sein Krad nicht mehr unter Kontrolle. Ein Blechteil des Fahrzeugs schnitt ihm oberhalb des Knies so tief in das Bein, dass man dieses amputieren musste. Seit fünf Jahren fährt der 32-Jährige dieses Motorrad, rund 5000 Kilometer hat er damit zurückgelegt. 16 Jahre Fahrpraxis hat er vorzuweisen.

Seine Beifahrerin schilderte den Unfall genauso. Für den Verteidiger eine Sache, die nach Absprache klang, zumal die 21-jährige Studentin aus Peißenberg bei der Polizei zwei abweichende Angaben gemacht hatte. Am Unfallort gab sie an, der Wagen der Angeklagten sei bis zur Mitte der Gegenfahrbahn herübergekommen. Bei der nachträglichen Vernehmung jedoch korrigierte sie sich und sagte, dass es nur etwa ein Drittel auf ihrer Spur gewesen sei – so wie es der Geschädigte geschildert hatte.

Nach Anhörung der beiden Sachverständigen blieb der Unfallvorgang ungeklärt. Der Gutachter der Verteidigung kam zu dem Schluss, dass nach Auswertung der Unterlagen ein genauer Kollisionspunkt nicht berechenbar sei. „Wir begeben uns hier in einen Bereich der Spekulation“, sagte er vor Gericht. Der andere Gutachter war sich nach kurzer Bedenkzeit jedoch zu 100 Prozent sicher, dass der Motorradfahrer nicht auf dem Mittelstreifen gefahren ist. „Das kann aus technischer Sicht nach meinen Untersuchungen nicht nachvollzogen werden“, sagte er.

Der Verteidiger bezog sich wiederum auf die für ihn widersprüchliche Aussage der Sozia und stellte einen Beweisantrag auf Einholung eines psychologischen Gutachtens wegen möglicher schockbedingter Amnesie. Die Verhandlung dauert an.

 Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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