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Deutsche Bahn reagiert auf Kritik: Langsamfahrstelle bei Raisting wird bereits beseitigt

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Von: Boris Forstner

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In diesem Bereich zwischen Raisting und Weilheim ist der Triebwagen der Bayerischen Regiobahn derzeit nur als Bummelzug unterwegs: Statt 120 darf er nur 20 km/h fahren.
In diesem Bereich zwischen Raisting und Weilheim ist der Triebwagen der Bayerischen Regiobahn derzeit nur als Bummelzug unterwegs: Statt 120 darf er nur 20 km/h fahren. © Ruder

Ohne Rücksprache wurde von der Deutschen Bahn, Bereich Netz, vergangene Woche eine Langsamfahrstelle zwischen Raisting und Weilheim eingerichtet, die für erhebliche Verspätungen sorgt. Das empört die Bayerische Regiobahn (BRB), auch Pro Bahn übt heftige Kritik. Jetzt hat die Deutsche Bahn reagiert.

Update vom Freitag, 19. November: Landkreis – Das ging schnell: Nachdem es vor knapp zwei Jahren zehn Wochen gedauert hatte, bis die Langsamfahrstelle zwischen Raisting und Weilheim saniert werden konnte, hat es beim vergangene Woche bekannt gewordenen ähnlichen Fall nur wenige Tage gedauert.

Hieß es am Montag noch auf Anfrage von einer DB-Sprecherin, die Beseitigung der Langsamfahrstellen seien aktuell noch nicht terminiert, „da umfangreiche Langschienenwechsel mit Sperrpausen erforderlich sind und entsprechendes Material beschafft werden muss“, wurden die Arbeiten bereits am Donnerstag in Angriff genommen. Offenbar hatte die DB Netz, die für die Infrastruktur zuständig ist, tatsächlich andere Baustellen in Bayern verschieben können, um schnell die benötigten Personal- und Materialkapazitäten für die Instandsetzung der Strecke zur Verfügung zu stellen.

Wie die Bayerische Regiobahn (BRB) mitteilte, die auf der Strecke zwischen Augsburg-Weilheim-Schongau fährt, kommt es durch die Arbeiten zu Schienenersatzverkehr zwischen Dießen und Weilheim. Die Busse fahren später ab als im Regelfahrplan. Die BRB-Züge zwischen Weilheim und Schongau und zwischen Dießen und Augsburg-Oberhausen fahren später ab und kommen später an. Bei zwei Verbindungen fallen die Haltestellen Weilheim, Raisting und Dießen aus, in Tagesrandlagen werden auch zwischen Weilheim und Schongau Busse eingesetzt.

Eigentlich sollten die Arbeiten schon am heutigen Samstag beendet sein, wurden aber bis Dienstag verlängert, wie am Freitag gemeldet wurde. Infos zum Fahrplan unter www.brb.de.

Erstmeldung vom 14. November: Landkreis - Stellen Sie sich vor, Sie wollen mit ihrem Auto aus der Garage fahren, kommen aber nicht weit, weil direkt davor auf der Straße eine Baustelle eingerichtet wurde – ohne Ihnen Bescheid zu sagen. Genau so fühlt sich derzeit die Bayerische Regiobahn (BRB), die auf der Bahnstrecke Schongau-Weilheim-Augsburg unterwegs ist. Für Bahnfahrer zwischen Weilheim und Raisting ist es ein Déjà-vu: Bereits im August 2019 hatte es wegen eines ähnlichen Problems wochenlang Verzögerungen gegeben. BRB-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann, der sich bereits kürzlich über ein „absolut chaotisches Baustellenmanagement“ der DB Netz im Bereich Holzkirchen geärgert hatte, hat sich deshalb mit einem Brandbrief an die Öffentlichkeit gewandt. Denn wie 2019 hatte ein Messzug vergangenen Dienstag zwischen Raisting und Weilheim einen Gleislagefehler in einem nicht tolerierbaren Bereich festgestellt. „Seitdem herrscht Ausnahmezustand“, so Schuchmann.

Vor zwei Jahren wurde nur kleinteilig geflickt

Denn 2019 wurden im gleichen Bereich, ebenfalls nach einer Messzugfahrt, nur die allernötigsten Schienen ausgetauscht. Jetzt passiere das gleiche ein paar hundert Meter weiter. „Es wurde über Jahrzehnte nichts in die Infrastruktur investiert, da muss man sich nicht wundern. Anstatt das Problem an einem Stück zu beheben, wird nur kleinteilig geflickt. Aber ausbaden müssen das Chaos vor Ort wieder unsere Fahrgäste und wir“, poltert Schuchmann.

Auf zwei Kilometern Länge gibt es seit Dienstag drei Langsamfahrstellen, in denen die Triebwagenführer statt 120 nur noch 20 km/h fahren dürfen. An den ersten beiden Tagen mussten die Beschränkungen noch für jeden Zug über Funk mitgeteilt und handschriftlich aufgeschrieben werden, danach wurden entsprechende Signale aufgestellt. Wie lange die Langsamfahrstellen noch gelten, weiß bei der BRB niemand. Beseitigung der Mängel, langfristige Modernisierung der Infrastruktur? Ebenso keine Infos. „Unseren Fahrgästen einen verlässlichen Fahrplan anzubieten, ist mit dieser maroden Infrastruktur für uns leider nicht immer möglich“, sagt Schuchmann.

Anschlüsse dürften oft verpasst werden

Laut BRB-Sprecherin Annette Luckner werden, weil durch die Langsamfahrstellen mehrere Minuten auf der eingleisigen Strecke verloren gehen und Begegnungsabschnitte rar gesät sind, etwa in Weilheim sicherlich einige Anschlüsse nicht erreicht, Genaueres könne man aber noch nicht sagen.

Auch beim Weilheimer Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro Bahn sind die schlechten Nachrichten bereits angekommen. „Statt Tempo 120 nur noch 20 km/h ist natürlich gewaltig“, sagt er. Man beobachte die Probleme bei der Infrastruktur seit Jahren, „da muss sich etwas ändern. Es geht nur noch darum, Kosten zu sparen. So ein Fall ist ja eine Steilvorlage für die derzeit wieder mal diskutierte Trennung von Netz und Betrieb.“ Die Anschlüsse müssten unbedingt gehalten werden – vor zwei Jahren sollten sich betroffene Fahrgäste dafür anmelden. Und die Reparatur dauerte fast drei Monate – kein gutes Omen.

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