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Florian Probst beim „Chiemgauer100“: Quälerei bei Gluthitze

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Von: Stefan Schnürer

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Der Spaß hielt sich in Grenzen: Vor allem auf den Bergab-Passagen hatte Florian Probst beim „Chiemgauer 100“ große Probleme.
Der Spaß hielt sich in Grenzen: Vor allem auf den Bergab-Passagen hatte Florian Probst beim „Chiemgauer 100“ große Probleme. © Privat

160 Kilometer am Stück laufen ist ohnehin schon eine Mega-Herausforderung. Wie das Ganze bei hochsommerlichen Temperaturen ist, erfuhr Florian Probst beim „Cheimgauer100“.

Raisting/Ruhpolding – Was ihn beim „Chiemgauer 100“ rund um Ruhpolding erwarten würde, wusste Florian Probst vom Vorjahr. 2019 hatte der heute 38-jährige Physiotherapeut aus Raisting die Königsdisziplin über 100 Meilen (161 Kilometer) mit großem Vorsprung gewonnen. Diesmal belegte Probst den zweiten Platz.

Wegen der Corona-Pandemie stand lange Zeit nicht fest, ob der Wettbewerb überhaupt stattfinden würde. Dann gab’s grünes Licht für Veranstalter Giselher Schneider, „und die haben das ganz gut hingekriegt“, lobte Probst. Wegen Corona waren im Vergleich zu den Jahren davor fast ausschließlich deutsche Ultraläufer am Start. Der einzige Teilnehmer über die 100 Meilen, der nicht aus Deutschland kam, war der Österreicher Thomas Wagner – und der verhinderte am Ende auch, dass Probst seinen Titel verteidigte.

Die hohen Temperaturen machen Florian Probst zu schaffen

Im Unterschied zum Wettkampf im vergangenen Jahr, als es zum Teil heftig regnete und kalt war, war es diesmal richtig heiß. Die hohen Temperaturen waren auch maßgeblich verantwortlich dafür, dass die Strecke für den Raistinger, für den Wettkämpfe dieser Art nichts Ungewöhnliches sind, mitunter zu einer Tortur wurden. „Ich habe das mit dem Trinken unterschätzt“, berichtete der 38-Jährige. „Die ersten vier, fünf Stunden habe ich zu wenig Salz zu mir genommen.“

Vom Start im Ruhpoldinger Eisstadion war Probst auf den ersten 20 Kilometern recht flott unterwegs. Sein Plan war, möglichst lange zusammen mit Wagner zu laufen. „Wir haben miteinander ratschen können, als es noch nicht so steil war“, so Probst. Die Probleme begannen für ihn nach etwa 55 Kilometern. Auf dem Weg von der Steineralm runter zur zweiten Versorgungsstation „ist es mir richtig schlecht gegangen“, so der Raistinger, „ich bin komplett eingebrochen“. Dort wollte er Magnesium zu sich nehmen, „aber an der Versorgungsstation war niemand“. Er hatte Glück, dass ihm die Freundin eines anderen Läufers eine Salztablette gab. Danach besserte sich Probsts Zustand. Auf dem Anstieg zur Kohleralm „ging’s mir richtig gut“. Doch damit war’s auch schnell wieder vorbei: Als es wieder bergab ging, wurde Probst wieder von Wadenkrämpfen gepeinigt. Daher machte er beim „Chiemgauer100“ auch etwas, was er eigenem Bekunden nach bei derartigen Wettkämpfen nie macht: „Ich habe mich öfter mal hingesetzt, um etwas zu essen oder zu trinken.“

Mein Gedanke war: Es reicht.

Florian Probst

Nach etwa der Hälfte der Strecke erreichte er gegen 6 Uhr morgens das Ruhpoldinger Eisstadion. Dort spielte er mit dem Gedanken, den Wettbewerb abzubrechen: „Mein Gedanke war: es reicht“, sagte der Raistinger. Andere Läufer und deren Angehörige, die zu dieser Zeit ebenfalls im Stadion waren, bauten Probst moralisch aber so weit wieder auf, dass er das Rennen schließlich doch fortsetzte. Zu diesem Zeitpunkt war dem 38-Jährigen aber schon bewusst, dass er Thomas Wagner hinterherlief. An den abermaligen Sieg verschwendete er aber in diesen Momenten ohnehin keinen Gedanken. Wichtiger war für Probst, dass der hinter ihm laufende Dießener Axel Zapletal „nicht an mir vorbeirauscht“.

Florian Probst (rechts) bei der Siegerehrung des „Chiemgauer100“ in der Ruhpoldinger Eishalle. Neben Probst ist Gewinner Thomas Wagner aus Österreich.
Platz zwei ist auch schön: Florian Probst (rechts) bei der Siegerehrung, neben ihm Gewinner Thomas Wagner. © Privat

So richtig bekamen die Teilnehmer aber von Zeiten und Platzierung ohnehin nichts mit. Organisator Schneider hat für die Teilnehmer ein ganz bestimmtes Prozedere vorgesehen: Die Läufer müssen vorab angeben, wie schnell sie die ersten 85 Kilometer (sie endeten am Ausgangspunkt in der Ruhpoldinger Eishalle) zurücklegen. Entsprechend gehen sie zu unterschiedlichen Uhrzeiten ins Rennen. Hintergrund der Aktion: Die jeweiligen Zieleinläufe der Teilnehmer und vor allem deren Besuche an den Versorgungsstationen sollen konzentriert werden.

Für Probst war der zweite Platz nie in Gefahr

Der Raistinger konnte demnach auch nicht wissen, dass sein zweiter Platz zu keinem Zeitpunkt in Gefahr war. Als er nach 24:15:39 Stunden das Ziel im Ruhpoldinger Eisstadion erreichte, hatte er zwar 2:06 Stunden Rückstand auf Sieger Thomas Wagner, der Vorsprung auf die nachfolgenden Ben Wächter und Zapletal betrug jedoch satte viereinhalb Stunden. Auch wenn es mit der Titelverteidigung nicht geklappt hat, war Probst zufrieden: „Ich bin heilfroh, dass es so funktioniert hat.“

Vermutlich ist diese ohnehin sehr kurze Saison für den Raistinger auch schon wieder beendet. Er liebäugelt mit einer Teilnahme am „Adamello Ultra Trail“ (170 Kilometer) Ende September. Doch befürchtet er, dass diese Veranstaltung wegen Corona noch abgesagt wird.

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