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Im Inneren des Radoms, hier beim „Tag der offenen Tür“ im September 2018.

Hauptversammlung in Raisting

Radom-Förderverein vermisst Anerkennung

Der Landkreis hat ein einmaliges Denkmal, das sowohl den Tourismus als auch die Begeisterung der Jugend für Technik fördern könnte. Der Förderverein, der dies will, wird aber in seinen Bemühungen gebremst, so der Tenor bei dessen Hauptversammlung.

Raisting – Zur Versammlung waren 19 der 114 Mitglieder in den „Gasthof zur Post“ in Raisting gekommen. Sie bekamen aber nicht nur von Problemen zu hören, sondern auch von neuen Plänen. So will der Vorstand seine Aktivitäten ausweiten, indem er im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde Raisting Technik-Experimente für Jugendliche anbietet, außerdem soll es ein Grillfest für Mitglieder geben. Auch für Nicht-Mitglieder, die sich für Technik interessieren, sind Fahrten zu Museen geplant, die sich mit Telekommunikation und Raumfahrt beschäftigen.

Bei einer ersten Fahrt könnten das Raumfahrtmuseum in Mittweida, die Deutsche Raumfahrtausstellung und das Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum besucht werden. Bevor die Reise organisiert wird, soll eine Umfrage unter den Mitgliedern zeigen, ob Interesse vorhanden ist.

Sicher ist jetzt schon, dass der Verein heuer feiern will. 2019 gibt es fünf Gründe dafür. Den Förderverein wird 15 Jahre alt, die nach Raisting übertragene erste Mondlandung war vor 50 Jahren, ebenso alt ist die Antenne. Das Radom ist seit 20 Jahren Industriedenkmal und hat vor zehn Jahren den Zusatz „von herausragender nationaler Bedeutung“ erhalten. Zum Jubiläum der Mondlandung von „Apollo 11“ sind Vorträge geplant.

Vereinsvorsitzende Dr. Sabine Vetter sieht im Radom langfristig auch ein großes Potenzial für den Tourismus. Eine Studie von 2005 besage, dass 35 000 Besucher pro Jahr kommen könnten. Interesse für alte Technik gebe es, das zeige der Regierungsbunker in Ahrweiler, der zum Touristenmagnet geworden sei. Bevor große Pläne wie die Einrichtung eines Museums verwirklicht werden können, muss der Verein erst noch größere Lagerräume finden. Im derzeitigen Depot sind die Geräte so dicht gestapelt, dass das Sichten und Dokumentieren des Materials kaum möglich ist, wie Archivar Otfried Werking feststellt. Dieser will neben der Technik auch die gesellschaftliche Bedeutung der Telekommunikation dokumentieren. Schließlich sei vom Radom vor 50 Jahren das Zeitalter der globalen Kommunikation eingeläutet worden.

Einem Teilnehmer der Versammlung reicht es nicht, dass das Radom Industriedenkmal ist. Mit einer Aufwertung zum Weltkulturerbe würde man seiner Bedeutung eher gerecht werden.

Unterstützung erfährt der Förderverein vom Vorsitzenden des Denkmalrats, Dr. Thomas Goppel. Das Radom sei ein besonderer Bezugspunkt vor den Alpen, durch den Raisting weltweit bekannt geworden sei. Die Kuppel sei, was ihre Wirkung betrifft, vergleichbar mit der Wieskirche. Zudem sei das Radom zum Symbol für den Aufbruch Bayerns in die Zukunft geworden, so der ehemalige Wissenschaftsminister. Es sei daher auch vergleichbar mit dem Deutschen Museum in München. Eine weitere Besonderheit sei, dass dieses Technik-Denkmal nicht in einer Stadt, sondern auf dem Land zu finden sei, wo es etwas Außergewöhnliches sei. Goppel hält es für sinnvoll, das Denkmal mit einem Museum zu ergänzen. Er würdigt besonders die Fähigkeiten der Fachleute, die sich im Förderverein zusammengeschlossen haben.

Verein fühlt sich vermehrt ausgegrenzt

Trotz der Unterstützung durch den Denkmalrat ist der Verein nicht zufrieden mit der aktuellen Entwicklung. Sorgen macht ihm vor allem die Zusammenarbeit mit der Radomgesellschaft des Landkreises, die die Anlage verwaltet. Der Verein wird laut Vetter immer weiter ausgegrenzt. Seine Leistung finde keine Anerkennung.

Neben dieser großen Sorge hat der Verein auch noch eine kleine. Die Fraunhofer-Gesellschaft bezeichne auf ihrer Website ihr Radom mit seinem Durchmesser von 47,5 Metern als weltgrößtes Radom. Die Versammlung beauftragte den Vorstand, bei der Gesellschaft um Richtigstellung zu bitten. Das Radom habe laut Hersteller der Hülle einen Durchmesser von 48,8 Metern.

Info: Am 7. März treffen sich Astro-Interessierte um 18 Uhr zum Abendessen mit anschließendem Sternwarten-Besuch im „Gasthof zur Post“ in Eberfing.

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