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Neue Hülle fürs Radom: Raisting hat wieder sein Wahrzeichen

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Nach der Befestigung wurde die Kugel, die ein Volumen von 56 000 Kubikmetern hat, aufgeblasen.
Nach der Befestigung wurde die Kugel, die ein Volumen von 56 000 Kubikmetern hat, aufgeblasen. © Mnestek

Weil die Windgeschwindigkeit über 1,5 Meter pro Sekunde lag, wurde der Versuch, die Radom-Hülle in Raisting zu montieren, am Samstagmittag abgebrochen. Doch am Sonntag wurde ein zweiter Versuch unternommen. Er war erfolgreich.

Raisting – Kondenswasser, das sich niedergeschlagen hatte, sorgte beim Anheben der 5300 Quadratmeter großen und 10,5 Tonnen schweren Traglufthülle am Samstag für Verzögerungen bei der Montage des Radoms. Als dann mittags noch Wind aufkam, wurde das Vorhaben für diesen Tag abgebrochen. Der Abbruch sei notwendig gewesen, um eine Gefährdung der beteiligten Personen auszuschließen, erklärte der Geschäftsführer der „Radom Raisting GmbH“, René Jakob. Diese Entscheidung sei im Einvernehmen aller Beteiligten getroffen worden.

Weit über 100 Schaulustige

Am Samstag wurde laut Jakob aber alles so belassen, dass am Sonntag ohne aufwändige Vorbereitungsarbeiten ein neuer Versuch unternommen werden konnte. Damit sollte es möglich sein, bereits gegen 7 Uhr den zweiten Versuch zu starten. Dann könnte die Hülle gegen 8.30 Uhr zur Montage über die Antenne geschwenkt werden, so seine Einschätzung des weiteren Verlaufs der Arbeiten.

Da kommt die neue Radom-Hülle: Impressionen von den Arbeiten am  Sonntagvormittag.
Da kommt die neue Radom-Hülle: Ein Bild von den Arbeiten am Sonntagvormittag. © Ruder

Wie groß das Interesse am Radom ist, zeigten laut Martin Höck die Anrufe im Rathaus. „Ich habe die ganze Woche über Anfragen erhalten“, so Raistings Bürgermeister, der am Samstag um 8 Uhr mit der Feuerwehr in Richtung der Antennen fuhr. Die Feuerwehr hatte zur Sicherheit Verkehrsleitstellen aufgebaut, an denen Autofahrer umgeleitet oder auf die Parkplätze verwiesen wurden. Gekommen waren schließlich weit über 100 Besucher, um sich die Montage der neuen Traglufthülle anzuschauen. Die meisten von ihnen blieben, bis mittags der Abbruch der Arbeiten für diesen Tag verkündet wurde.

Die Geschichte des Radoms

Das 1964 gebaute Radom steht als Industriedenkmal in der nationalen Denkmalliste, da es eine der ersten Empfangsstationen dieser Art war. Meilensteine in seiner Geschichte waren die Übertragung der Bilder von der Mondlandung aus Amerika, die es 1969 den deutschen Fernsehzuschauern ermöglichten, die ersten Schritte von Menschen auf dem Trabanten live zu sehen. Drei Jahre später kam die Antenne 1 im Radom bei den Olympischen Spielen in München zum Einsatz. Nach zwei Jahrzehnten wurde die Antenne, die einen Durchmesser von 25 Metern hat, stillgelegt, weil sie technisch veraltet war. 2011 wurde die alte Hülle durch eine neue ersetzt, die 2020 durch einen Sturm zerstört wurde. Um das Denkmal zu retten, wurde beschlossen, eine neue Hülle anfertigen zu lassen. Ursprünglich wurden interessierten Besuchern von ehemaligen Mitarbeitern der Antennenanlage, die sich im „Förderverein Industriedenkmal Radom Raisting“ zusammengeschlossen hatten, fachliche Führungen angeboten. Dann übernahmen die Pfaffenwinkler Kulturführerinnen die Führungen. 
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Da am Sonntag die Vorbereitungsarbeiten weggefallen sind, gingen die Arbeiten schneller voran. Um 9 Uhr war die Hülle bereits in ihrer Position. Es musste nur noch der aufblasbare Ring am unteren Ende entfernt werde, der die Hülle für den Einhub stabilisierte. So konnte kurz nach 10 Uhr mit der Verschraubung begonnen werden, mit der die Hülle am Betonsockel fixiert wurde. Dafür mussten 320 Schrauben mit Drehmomentschlüsseln angezogen werden. Jakob war gegen Mittag zuversichtlich: „Heute bringen wir es fertig.“ Der vorausgegangene Hüllentausch vor zehn Jahren habe auch innerhalb eines Tages geklappt. „Um 19.50 Uhr habe ich damals das letzte Foto gemacht“, erinnerte er sich.

Nach der Befestigung musste die Kugel, die ein Volumen von 56 000 Kubikmetern hat, noch aufgeblasen werden. Ein Überdruck von 400 Pascal ist nötig, damit die Hülle in Form bleibt. „Ich bin froh, dass wir unser Wahrzeichen künftig wieder so sehen, wie wir es kennen“, so Höck, der auch am Sonntag wieder auf der Baustelle war. Das Radom sei wichtig für Raisting, deshalb begrüße er die Wiederherstellung.

5300 Quadratmeter groß und 10,5 Tonnen schwer ist die neue Traglufthülle fürs Radom in Raisting.
5300 Quadratmeter groß und 10,5 Tonnen schwer ist die neue Traglufthülle fürs Radom in Raisting, die am Sonntag montiert wurde. © Ruder

„So bedeutend wie die Wieskirche“

Auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß war am Sonntag wieder auf die Baustelle gekommen. Für sie ist das Radom „als Wahrzeichen so bedeutend für den Landkreis wie die Wieskirche“, deshalb sei ihr die Wiederherstellung so wichtig. Da die neue Hülle kaum Licht durchlässt, sieht Jochner-Weiß neue Nutzungsmöglichkeiten für das Radom. Auch wenn die Antenne die große Attraktion bleibe, würden sich jetzt neue Möglichkeiten bieten. So könnten die Besucher etwa durch 360-Grad-Projektionen informiert werden. Das Radom solle dabei für möglichst viele Besucher interessant sein. Sie könne sich bei der künftigen Nutzung auch eine Zusammenarbeit mit dem Förderverein vorstellen, da es auch eine Nachfrage nach Technikführungen gebe.

Alfred Schubert

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