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Schnapsglas-Fähnchen als Haarschmuck.
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Eine flotte Sohle legen viele Teilnehmer des Betteltanzes auf Parkett. Die Damen zahlen die Getränke, dafür müssen die Herren jederzeit tanzbereit sein.
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Letzte Vorbereitungen laufen im Gasthof Drexl: Katharina richtet Melanie noch die Frisur.
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Die Ruatnbuam kommen zum Drexl: Severin (l.) und Markus stellen gleich ihre Ruatnmadl vor, über deren Identität im Vorfeld viel getuschelt wurde.
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Mein Betteltanz-Partner: Urban (29) aus Raisting hat schon öfter an der traditionellen Partnerbörse teilgenommen.
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TRADITIONELLE KUPPELVERANSTALTUNG IN RAISTING

Betteltanz im Selbstversuch

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Der traditionelle Betteltanz in Raisting ist bei vielen jungen Männern und Frauen beliebt. Ein griabiger Tag steht für alle Teilnehmer im Fokus der Veranstaltung. Dessen ungeachtet versucht so mancher dabei ernsthaft, die Liebe seines Lebens zu finden. Volontärin Franziska Florian (Text) hat den Betteltanz selbst mitgemacht und sich zusammen mit Emanuel Gronau (Fotos) unter die Liebessuchenden gemischt.

Raisting – Um kurz nach halb eins ist der große Gastraum im Gasthof „Drexl“ noch ziemlich leer. Mit mir sitzen nur acht andere Mädchen auf den hölzernen Eckbänken und Stühlen. Alle haben sich zur Feier des Tages fein rausgeputzt. Die meisten Frisuren sind aufwendig geflochten oder hochgesteckt.

Draußen stehen schon die ersten Zuschauer und versuchen, die feschen Madln durch die Fenster vor allen anderen zu sehen, bevor der Zug später durchs Dorf zieht. Ein Passant merkt an: „Schade, dass ich schon verheiratet bin, bei so vielen hübschen Dirndln.“

Die Paare werden einander zugelost

Der Grund für die feschen Mädchen ist allen Anwesenden klar: der traditionelle Betteltanz in Raisting. Für diesen werden junge Frauen und Männer einander zugelost. Nur anhand von Alter, Größe und Wohnort.

Die sogenannten Ruatnbuam, in diesem Jahr Severin Kölbl und Markus Langner, ziehen auf der Suche nach Teilnehmerinnen durch das ganze Oberland. Heuer haben die beiden Raistinger rund 105 Paare erbettelt. Sowohl die Burschen als auch die Madln müssen ledig sein. Das Alter ist auf maximal 30 Jahre beschränkt.

Die ersten Runden „Willi“ werden beim Drexl bestellt. Die Frage, wer der Partner für den Tag sein wird, macht viele sichtlich nervös. Da hilft so ein kleines Schnäpschen, um etwas ruhiger zu werden. Mit den bayerischen Fähnchen, die in einer Birne im Glas stecken, werden die Frisuren verziert.

Nach und nach trudeln immer mehr junge Frauen ein und suchen sich einen Platz. Man merkt: Viele kennen sich – ob nun privat oder vom letzten Jahr – und kommen von Beginn an zusammen im Gasthof „Drexl“ an. Doch niemand – außer mir – schlägt hier alleine auf.

Die Anspannung steigt von Minute zu Minute 

Zu mir gesellen sich aber recht schnell zwei junge Frauen. Andrea ist zum zweiten Mal als Teilnehmerin beim Raistinger Betteltanz. Mit dem Burschen letztes Jahr habe sie sich zwar verstanden, aber draus geworden sei dennoch nichts, sagt sie. Chrissi hat sich zusammen mit ihrem Freund als Paar angemeldet.

Die Anspannung steigt von Minute zu Minute. Bald müssten die Ruatnbuam hier aufkreuzen und ihre Ruatnmadln vorstellen. Jeder ist neugierig, wer die beiden sind, denn bis zur Vorstellung bleiben die beiden jungen Frauen geheim. Nur anhand der identischen Dirndl könnte man auf die beiden jungen Raistingerinnen schließen. Das ist bei über 100 Mädchen im Saal gar nicht so einfach.

Die Blasmusik ist zu hören, lang kann es also nicht mehr dauern bis die Ruatnbuam bei uns im Gasthof eintreffen. Bis es jedoch soweit ist, wird weiter Willi getrunken und gerätselt, ob man seinen Bettelburschen vielleicht sogar schon mal irgendwo gesehen hat.

Die beiden Raistinger Ruatnbuam kommen in ihrer feschen dunklen Lederhose, weißem Hemd und blauer Trachtenweste in die Gaststube. Sie haben einen langen Stab dabei, der mit blauen, weißen und roten Bändern umwickelt ist. 

Der Weinkrug darf nicht angefasst werden 

Die Spitze ist mit einem kleinen, grünen Busch besetzt, der mit roten Beeren geschmückt wurde. Es ist die sogenannte Ruate. Sie darf bis zum Tanz nach dem Abendessen gestohlen werden. Der weiße, steinerne Weinkrug muss aber in Ruhe gelassen werden, betonen die beiden Burschen.

Markus und Severin gehen durch die Reihen und lassen jeden aus dem Steinkrug trinken. Zwischendurch müssen sie immer wieder nachfüllen, weil der Wein im Inneren nicht für jeden reicht.

Langsam packen alle Madln ihre Jacken und Taschen zusammen und machen sich vorm „Drexl“ für den Umzug zum Gasthaus „Zur Post“ bereit. 

Mehr zum Thema: Betteltanz in Raisting: Liebessuchende bis aus Niederbayern

Auch ich mache mich mit Chrissi und Andrea auf den Weg nach draußen. Langsam steigt die Nervosität. Hoffentlich ist es ein netter Kerl, der mir da zugelost wurde – auch wenn ich eigentlich gar nicht auf der Suche bin. Einen schönen Tag kann man ja trotzdem verbringen.

Im Gasthaus „Zur Post“ angekommen, stehen wir im Eingangsbereich und warten. Jede Teilnehmerin wird aufgerufen und von den Ruatnbuam und -madln zum Tisch gebracht, wo der jeweilige Partner schon sitzt. Es vergeht gefühlt eine Ewigkeit, bis ich meinen Namen höre.

Dann werde ich zusammen mit einem anderen Mädchen zur Kasse vor den Saal gebracht, wo ich einen Stempel bekomme. Denn ohne Stempel kein Einlass mehr, heißt es. Es geht in den großen Saal hinein, in dem sechs lange Tische stehen und schon fast alle Paare sitzen.

Nicht jeder ist mit seinem Los zufrieden

„Liebe Franziska, das ist der Urban. Ich wünsche euch viel Spaß“, sagt Ruatnbua Markus und übergibt mich an meinen Betteltanz-Partner. Er ist 29 und kommt aus Raisting. Beim Small-Talk wird geschaut, ob man auf einer Wellenlänge sein könnte. Auf den ersten Eindruck wirkt er recht sympathisch. Dennoch ist es eine komische Situation, die irgendwie aufgezwungen erscheint.

Die meisten sind mit ihrem Los zufrieden. Andere haben es leider nicht gut erwischt und sind gefrustet. Sie gehen erst mal an die frische Luft. Bei einer Teilnehmerin fließen sogar die Tränen. Auch der unterschiedliche Dialekt sorgt bei einem Madl für Frust. Sie verstehe ihr Gegenüber kaum, sagt sie.

Die Anspannung ist nach einigen Gesprächen mit dem Partner und den Tischnachbarn weitestgehend verflogen. Es wird getrunken, gelacht und getanzt. Der Spaß ist fast jedem ins Gesicht geschrieben. Auch die, die mit ihrer Auslosung nicht zufrieden waren, machen das Beste aus der Situation.

Die Dame hält den Mann mit Wein und Wasser frei

Am Nachmittag ist Damenwahl. Das heißt, die Dame hält den Mann mit Wein und Wasser frei, dafür darf er zu keiner Tanzaufforderung Nein sagen. Auch das anschließende Abendessen bezahlt die Frau. Dafür zahlt der Herr den Eintritt und die Getränke an der Bar. Die Ruatnbuam und ihre Partnerinnen eröffnen nach einer kurzen Ansprache mit einem Tanz die Tanzfläche. Viele Paare machen es ihnen gleich und fegen übers Parkett.

Etliche junge Frauen fordern andere Männer als ihre Bettelburschen zum Tanzen auf. Entweder weil man denjenigen besser findet oder weil es ein Bekannter ist, mit dem man es vor der Veranstaltung schon ausgemacht hat. Auch mein Bettelpartner wird oft aufgefordert und tanzt brav mit.

Immer wieder wird Wein nachbestellt. Wer selbst nach Hause fahren muss, bleibt beim Wasser und hat aber auch nur halb so viel Spaß. Auch, dass ich nicht auf der Suche bin, trübt die Stimmung bei meinem ausgelosten Partner ein wenig. „Die Enttäuschung hält sich aber in Grenzen“, sagt er. Denn er sei schon oft dabei gewesen: „Rund elf Mal“, meint er. Sicher ist er sich aber nicht ganz. Außerdem war er selbst mal Ruatnbua und weiß, dass es nicht immer bei den Paaren passt.

Nach dem Abendessen wird ausgelassen gefeiert 

Nach einigen Tänzen und geselligen Stunden geht es wieder in Richtung Drexl zum Abendessen. Nicht alle sind immer noch dabei. Manche sind noch in der „Post“ beim Essen und feiern dort im Anschluss weiter. Beim „Drexl“ wird nach dem Essen ebenso Stimmung gemacht: mit einer Bar im Freien und bekannten Partyschlagern. 

Auch Urban mischt sich unter die Leute und feiert ausgelassen weiter. Ich gehe mit einem Pärchen, das ich kennengelernt habe, wieder zur „Post“. Gemeinsam beenden wir den geselligen Abend und gehen nach Hause. 

Lesen Sie auch: Sonderausstellung im Stadtmuseum: Ein Lob der öffentlichen Toilette

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