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Wahrzeichen ohne Hülle: Das Radom in Raisting.

Zerstörtes Technikdenkmal

Raisting: Neue Radom-Hülle bis Jahresende - im Idealfall

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Sturm „Bianca“ hatte das Radom in Raisting zerstört. Der Landkreis will das Technikdenkmal wieder aufbauen. Im günstigsten Fall steht zum Jahresende die neue Hülle. 

Landkreis – In der Nacht des 27. Februar verlor der Landkreis „sein Wahrzeichen“. So betroffen reagierte Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) auf die Nachricht, dass Sturm „Bianca“ das Radom in Raisting zerstört hatte. Gegen 21.30 Uhr waren Orkanböen mit circa 110 Stundenkilometern in die markante Hülle der Antenne 1 der Erdfunkstelle gefahren. Drei Risse entstanden. Die erst vor zehn Jahre ausgetauschte Membran hatte keine Chance.

Thema im Ferienausschuss

Sechs Wochen später zog René Jakob, Geschäftsführer der landkreiseigenen Radom Raisting GmbH, im wegen der Coronakrise eingerichteten Ferienausschuss des Kreistags eine Bilanz zu Schadenshöhe und Kosten der Wiederherstellung. Grundsätzlich hatte sich die Gesellschafterversammlung der GmbH, sie ist Eigentümerin des Radoms, darauf verständigt, dass denkmalgeschützte Radom wieder aufzubauen.

Hülle ist Totalschaden

Bei der Traglufthülle handelt es sich um einen Totalschaden, erfuhren die Kreisräte. Inklusive der Nebenschäden an Flachdach, Elektrik, Antenne sowie durch Nässe schätzt Jakob die Schadenshöhe auf circa 1,3 Millionen Euro. Die Kosten für eine neue Hülle beziffert er auf rund 2,5 Millionen Euro. „Diese Kostenschätzung bewegt sich eher am oberen als am unteren Ende“, so Jakob auf Nachfrage.

Viele „Unbekannte“

Doch es gibt „die großen Unbekannten“: die neue Hülle sowie das wahrscheinlich notwendige Wetterschutz- und Montagegerüst sowie die Teildemontage der Antenne mit ihren 25 Metern Durchmesser. Für Gerüst und Antenne werden derzeit Konzepte entwickelt oder liegen ausschreibungsfertig vor. Parallel läuft eine Markterkundung für die neue Traglufthalle. Vier Firmen wurden angeschrieben. Teile der beschädigten Hülle werden an einem Institut für Materialprüfung in Stuttgart untersucht. Man erhoffe sich wichtige Hinweise für die Planung der Hülle, so Jakob – um für künftige Extremwetterereignisse gerüstet zu sein. Bei der Sanierung 2010 bis 2012 war „schon das Stärkste genommen worden, was auf dem Markt war“, machte Jakob im Ausschuss klar.

Gutachten bis Ende Mai

Ein „idealer Zeithorizont“ für die neue Traglufthülle liegt laut Jakob vor. Bis Ende Mai soll das Gutachten vorliegen und in die Ausschreibung einfließen. Diese würde bis Ende Juni fertiggemacht. Bis Mitte Juli soll die Sanierung in Auftrag gehen, im August könnte der Bauantrag der GmbH auf dem Tisch liegen. Nach Materialbestellung und Fertigung geht es an die Montage, für die drei Tage angesetzt sind. Zielkorridor wäre der Spätherbst. „Wenn wir es schaffen, haben wir Ende Oktober/Anfang November eine neue Hülle drauf“, erklärte der GmbH-Chef in der Ausschusssitzung.

Wetterschutzhalle für Winter

Doch dieser Zeitplan hängt vor allem davon ab, ob sich Firmen finden und wie deren Angebote aussehen. „Wenn wir in den Winter kommen würden, wird die Wetterschutzhalle notwendig“, macht Jakob deutlich. Die Planungen sehen dafür eine zeitweilige Demontage des Reflektors vor, um den Schutz statisch und „kostenmäßig vernünftig“ hinzubekommen. „Da diese Lösung sehr aufwendig ist, stellt diese nicht die erste Wahl dar.“

Versicherung greift wohl

Eine erfreuliche Nachricht hat der Geschäftsführer im Ausschuss trotzdem: Der Landkreis sei gegen das Ereignis versichert. Die Radom GmbH und der Landkreis bleiben nicht auf den Ausgaben sitzen. „Aktuell gehen wir davon aus, dass die geschätzten Wiederherstellungskosten durch die Versicherungssumme abgedeckt sind“, so Jakob gegenüber der Heimatzeitung. Was darüber hinausgehe, müsse gegebenenfalls mit Dritt- und Fördermitteln abgedeckt werden. Kontakt unter anderem mit der Denkmalpflege sei aufgenommen worden.

Geht um „Wahrzeichen“

Fragen gab es im Ausschuss keine. Stattdessen Applaus für Jakobs Bericht. Es geht schließlich um „unser Wahrzeichen“, wie die Landrätin nochmals betonte.

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