Eine lange Reise hat die neue Hülle des Radoms hinter sich, bevor sie in Raisting montiert werden kann. Das Material wird nahe Graz produziert, die Verarbeitung der Hülle erfolgt in Istanbul am Bosporus.
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Eine lange Reise hat die neue Hülle des Radoms hinter sich, bevor sie in Raisting montiert werden kann. Das Material wird nahe Graz produziert, die Verarbeitung der Hülle erfolgt in Istanbul am Bosporus.

Raistings Radom: Die lange Reise der neuen Hülle

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Es wird ernst: Die neue Hülle für das Radom in Raisting wird seit einigen Tagen produziert. Dabei legt sie immense Entfernungen quer durch halb Europa zurück, bis sie, wenn alles klappt, im Juli montiert werden kann.

Landkreis – Einfach mal so im Internet eine neue Radom-Hülle bestellen und anliefern lassen – so leicht geht das nicht. Nachdem ein Wintersturmtief vor mehr als einem Jahr die alte Hülle herunterriss, wurden umfangreiche Untersuchungen gestartet, um zu verhindern, dass das mit der neuen Hülle wieder passiert.

„Durch den Klimawandel rechnet man heute damit, dass die Windlasten bei Winterstürmen rund 30 Prozent höher sind als früher“, sagte Radom-Geschäftsführer René Jakob im Kreistag. Deswegen habe man sich auch dafür entschieden, eine so genannte Hybridhülle zu verwenden. Im unteren Bereich hat diese einen diagonalen Verlauf der Nähte, oben einen vertikalen. Dadurch können die einwirkenden Kräfte optimal abgeleitet werden.

Ein riesiger Kran wird notwendig sein, um die neue Hülle aufzusetzen.

Auch bei der Materialauswahl wurde viel Aufwand betrieben – wenn man so viel Geld ausgibt, muss am Ende alles passen. Und so einfach zu montieren ist eine neue Traglufthülle für das technische Denkmal auch nicht. Am Ende eines langen Untersuchungs- und Ausschreibungsprozesses setzten sich die Puzzleteile allerdings zusammen und Anfang April konnte der Auftrag erteilt werden. Den Zuschlag als Generalunternehmer erhielt die Firma ITF aus Raubling. Das Hüllenmaterial wird gerade bei der Sattler Pro Tex GmbH in Gössendorf bei Graz hergestellt. Von dort aus transportiert man es zur Firma Tensaform in Istanbul, wo die Traglufthülle „konfektioniert“ – etwas laienhaft ausgedrückt also zugeschnitten und montagefertig verarbeitet – wird. Von dort aus tritt sie dann die gut 2000 Kilometer lange Reise zurück nach Raisting an.

Umfangreiche Planungen waren notwendig, bevor der Auftrag erteilt wurde. 

Dort soll sie, wenn alles glatt geht, Mitte Juli auf der Baustelle ankommen, berichtete Jakob. Wenn dann die optimalen Bedingungen herrschen, rücken die Profis von der BKL Baukranlogistik aus Forstinning und Leutner GmbH aus Argenbühl im Allgäu an und heben die Hülle mit einem riesigen Kran auf das Gebäude (siehe Zeichnungen). Für die Werkplanung sind die formTL-Ingenieure aus Radolfzell am Bodensee zuständig, die Materialprüfungen übernehmen Experten von der Dekra in Stuttgart. An der neuen „Mütze“ arbeiten also zahllose Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Türkei Hand in Hand.

Derzeit schützt eine provisorische Dachkonstruktion das Gebäude vor Witterungseinflüssen. 

Das ist mit erheblichen Kosten verbunden. Geschäftsführer Jakob betont allerdings immer wieder, dass diese Gelder von der Versicherung übernommen werden, dem Landkreis dadurch also keine weiteren Kosten entstehen würden. Die fallen erst an, wenn er sein neues Betriebs- und Vermarktungskonzept umsetzen will, das er parallel in einer Machbarkeitsstudie erarbeitet hat. Und genau hier treten viele Kreisräte mit Blick auf die problematische Finanzlage des Landkreises auf die Bremse. Sie fordern, dass der Freistaat Bayern das Denkmal von bundesweiter Bedeutung übernimmt.

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