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Selfie kurz vor Rom: Urban Schaidhauf, der heute in Raisting zurück erwartet wird. 

Zu Fuß von Raisting nach Rom

„Ich bin einfach losgegangen“

Das war eine Urlaubsreise der besonderen Art: Urban Schaidhauf, vielen auch als Torhüter des Fußball-Landesligisten SV Raisting bekannt, ist nach Rom gegangen. Heute kommt der 26-Jährige mit dem Zug zurück.

RaistingEin wenig geschafft wirkte er, aber eigentlich ganz munter und vor allem sehr zufrieden, als ihn die Heimatzeitung am Freitag telefonisch erreichte. Da war Urban Schaidhauf gerade in Viterbo, nicht mehr ganz 100 Kilometer vor seinem großen Ziel: Rom. Am Samstag vor drei Wochen ist der 26-Jährige in seinem Heimatort Raisting gestartet. Seitdem war er zu Fuß unterwegs – ganz allein. „Da kann man am besten abschalten“, sagte er, „und mal alles Negative abfallen lassen.“

Vielleicht ein willkommener Ausgleich: Als Torwart beim Fußball-Landesligisten SV Raisting ist er das ganze Jahr über Teamplayer. Am Sonntag ist Schaidhauf in der italienischen Hauptstadt angekommen. Zwei Stunden hat er sich im Petersdom aufgehalten. Zurück ging’s mit dem Zug, denn schon morgen, am Mittwoch, muss er wieder an seiner Arbeitsstelle sein, in der Schondorfer Filiale der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg.

Warum so ein Fußmarsch und warum Rom? „Das hat keinen besonderen Hintergrund“, sagte er. Konkret durchgeplant hat er die Aktion sowieso nicht: „Ich bin einfach losgegangen.“ Der Routenplaner von Google-Maps zeigt für die Fußstrecke von Raisting nach Rom 878 Kilometer an, aber es werden wohl ein paar Kilometer mehr gewesen sein, denn Schaidhauf hat versucht, möglichst auf kleineren Wegen zu gehen. Immer hat das nicht funktioniert, zum Beispiel auf der alten Brennerstraße oder zwischen Florenz und Siena. Berge hinauf und hinunter: Das hat dem Raistinger offenbar weniger ausgemacht. „Da habe ich Talent“, sagte er, „in den Bergen bin ich relativ schnell.“ Eine „gewisse Grundkondition“ habe er vom Fußball. Trotzdem hat er für die knapp 60 Kilometer von Innsbruck bis Sterzing zwei Tage gebraucht: „Das hat Kraft gekostet.“ Die letzten 200 Kilometer war er weitgehend auf Schotterwegen unterwegs. Entsprechende Auflösungserscheinungen haben seine Schuhe gezeigt.

Am Samstag war er 34 Kilometer vor Rom. Da konnte er schon die Silhouette der Stadt sehen – „ein mächtiger Eindruck“. Nach vorn schauen – so halten es auch die Raistinger Fußballer. Mit dem Abstieg, gegen den sie die letzten beiden Jahre gespielt haben, hoffen sie in der kommenden Saison nichts mehr zu tun haben, sagte Schaidhauf, als er in Viterbo auf einem Bankerl saß, eher nebenbei. Aber sie bleiben auf dem Boden. Aufstieg? „Wir wollen eigentlich nie aufsteigen“, meinte er: „Aufstieg ist in Raisting ein Wort, das man selten in den Mund nimmt.“

Dr. Lorenz Goslich

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