Was für ein Empfang: Reiner Kunze (mit Aktentasche) am Montagabend beim Einzug in die ausverkaufte Stadthalle, geleitet von Bürgermeister Markus Loth, Gymnasiums-Direktor Hermann Summer und Laudator Hubert Witt (von vorn). foto: gronau

Reiner Kunze in Weilheim: Ein grandioser Abend der Lyrik

Weilheim - In keiner anderen Stadt wurden wohl je mehr Bücher des Lyrikers Reiner Kunze gekauft als in Weilheim. Am Montag begeisterte der Dichter wieder Hunderte mit seiner Poesie.

Reiner Kunze hat inm Weilheim hunderte Schüler mit seiner Poesie berührt und begeistert, seit Nummer 6 der „Weilheimer Hefte zur Literatur“ 1981 einige Texte von ihm vorstellte und er gleich zweimal die „literarische Turnhalle“ des Gymnasiums füllte. 1997 erhielt er, von Schülern ausgewählt, den Weilheimer Literaturpreis; 2010 trat er zum 30- jährigen Bestehen der Weilheimer Hefte und Lesungen auf.

Am Montagabend kam Kunze erneut in die - seit Tagen ausverkaufte - Stadthalle, um das „33-jährige Jubiläum“ dieser einmaligen Reihe mit einer Lesung zu feiern. Auch diesmal gingen wieder stapelweise Exemplare von „Der Löwe Leopold“, „Die wunderbaren Jahre“ oder „auf eigene hoffnung“ über den Büchertisch im Foyer.

Doch war diese Extra-Lesung (Titel: „Lesezeichen“) zum Welttag des Buches nicht nur eine Feier des Weilheimer Literaturprojekts, sondern des Buchs an sich. Friedrich Denk, Gründer der Reihe, hat soeben ein Buch über den Wert des Lesens geschrieben („Wer liest, kommt weiter“), das sich wesentlich aus seinen Weilheimer Erfahrungen speist.

Höchste Konzentration - beim Dichter und bei den Zuhörern - herrschte, als Reiner Kunze die Bühne betrat. Der aus dem Erzgebirge stammende, 1977 „unfreiwillig freiwillig“ in den Westen, in die Nähe von Passau übergesiedelte Autor nahm nicht das Pult, sondern das freistehende Mikrophon in der Mitte, um Tagebuchnotizen, „Liebesgedichte und Gedichte über die Liebe“ aus 50 Jahren sowie einige Verse für Kinder vorzutragen. Auch bei schwierigeren Reflexionen, etwa über die Kunst der Musik, herrschte gebannte Ruhe im Saal; und erst recht bei den Lyrik-Kostproben, deren Prägnanz und klare Sprache der Leipziger Lektor Hubert Witt in seiner Lobrede auf Kunze zuvor so beschrieb: Sie seien „für die Dauer gemacht, wirken wie in Stein gemeißelt“.

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