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Röhrenradio fordert Penzberger Reparaturcafé heraus - wie ein Tüftler ein altes Sammlerstück richtete

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Glücklich über sein repariertes Röhrenradio ist Jean Hani (rechts). Albert Linner (links) vom Reparaturcafé brachte das rund 60 Jahre alte Gerät wieder zum Laufen. Foto: abs
Glücklich über sein repariertes Röhrenradio ist Jean Hani (rechts). Albert Linner (links) vom Reparaturcafé brachte das rund 60 Jahre alte Gerät wieder zum Laufen. © Arabella Schäffler

Damals war es die neueste Technik und hatte den beste Klang, heute sind es Sammlerstücke: Röhrenradios wurden bis in die 1960er Jahre gebaut – heute sind sie vergleichsweise schwierig zu reparieren. Die Tüftler vom Penzberger Reparaturcafé haben es aber geschafft: „Wenn man Spaß daran hat, ist es ganz einfach“ erklärt Albert Linner.

VON ARABELLA SCHÄFFLER

Penzberg – Als Jean Hani noch ein Kind war, hatte seine Familie im Wohnzimmer ein Röhrenradio stehen. Über die Jahrzehnte ging es kaputt. Die Technik wurde in den Sechzigerjahren von den Transistorradios und irgendwann von den Digitalradios abgelöst. Ein paar Jahre stand das Radio unbenutzt bei Hani zu Hause, aber der Penzberger wollte es wieder benutzen.

So entschied er sich vorheriges Jahr, es dem Team vom Penzberger Reparaturcafé anzuvertrauen. Und es schaffte die große Aufgabe während der Coronapause. „Wir haben im November, Dezember und Januar drei Nachmittage daran gearbeitet, dann kam Corona“, erinnert sich Albert Linner vom Reparaturcafé. „Ich habe es mit nach Hause genommen.“ Er habe viele Stunden daran gearbeitet. Es war schwierig, besonders weil das Radio schon einmal in einer Werkstatt gewesen war. „Wenn man Ehrgeiz und Passion hat, ist es aber leicht“, findet der Elektroniker. „Es hat mich an die Lehre erinnert.“ Und glücklicherweise fand das Reparaturteam im Internet die alte Betriebsanleitung für das Modell. Das Hauptproblem waren die Kondensatoren, die Albert Linner ersetzen musste. „Die kriegt man aber heute nach wie vor“, sagt er. Für Radios, die nicht mehr gebaut werden, findet man oft schwer Ersatzteile. Extra dafür gibt es aber einige Internetforen.

Röhrenradios wurden bis in die Sechzigerjahre gebaut

Röhrenradios oder Röhrenempfänger wurden bis in die Sechzigerjahre gebaut, bevor sie von den praktischeren Transistorradios abgelöst wurden. Das Radio von Jean Hani stammt von 1964, eines der letzten Jahre, in denen sie hergestellt wurden. Der Name des Modells ist „Phillips B7X44A“ – „das war eins der ersten Stereogeräte“, sagt Albert Linner. „Die waren damals schweineteuer.“

Herbert Preuß vom Reparaturcafé schätzt den Preis von damals auf rund 700 Deusche Mark. „Das war im Durchschnitt mindestens ein Monatsgehalt, brutto.“ Jean Hani ist im Libanon aufgewachsen. „Ich weiß nicht, wo mein Vater das Radio gekauft hat, aber wahrscheinlich dort.“

Penzberger Tüftler: „Es wäre schade, es auf den Müll zu schmeißen“

Technisch gesehen ist die Röhre nicht sehr effektiv: Sie muss sich erst aufwärmen, und wenn es zu warm wird, können die Kondensatoren ihre Funktion verlieren. Doch das Radio hat auch seine Vorzüge: „Das massive Holzgehäuse macht den guten Klang aus“,erklärt Albert Linner. „Es wäre schade, wenn man das in den Müll schmeißen muss.“

Jean Hani möchte mit dem Röhrenradio sein Digitalradio in der Küche ersetzen. „Außerdem fand ich die Idee cool, alte Sachen einfach wieder gebrauchsfähig zu machen.“

Dafür sei das das Reparaturcafé „prädestiniert“, sagt Albert Linner, „weil man nicht nach Arbeitszeit bezahlt“, wie in einer richtigen Werkstatt. Dort könne es sehr teuer werden. Jean Hani ist den Tüftlern vom Reparaturcafé sehr dankbar: „Da freut man sich wie ein kleiner Junge“, sagt er.

Nächster Öffnungstag des Penzberger Reparaturcafés

Das ehrenamtliche Reparaturcafe an der Christianstraße 8 (ehemaliges Molkereigelände) hat wieder am Freitag, 21. August. Geräte können ab 14 Uhr abgegeben werden. Die Besitzer können coronabeding bei der Reparatur aber nicht dabeibleiben. Das Gerät können sie noch am selben Tag bis 17.30 Uhr wieder abholen. Herbert Preuß bittet um Voranmeldung: Telefon 08856/6391 oder 0160/5769193 oder E-Mail „herbert.preuss@t-online“. Vor Ort ist auch ein gelernter Schneider für Näharbeiten oder kleinere Reparaturen an Nähmaschinen.

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