Walter Erdt mit Gundula Kretschmar, die nun alleinige Kantorin der Apostelkirche und des Dekanats Weilheim ist. Zuvor teilten sich die beiden diese Stelle.
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Walter Erdt mit Gundula Kretschmar, die nun alleinige Kantorin der Apostelkirche und des Dekanats Weilheim ist. Zuvor teilten sich die beiden diese Stelle.

Seit 1992 war er bei der evangelischen Gemeinde Weilheim beschäftigt

Walter Erdt als Kantor verabschiedet - aber so richtig in Ruhestand ist er nicht

  • Stephanie Uehlein
    vonStephanie Uehlein
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Seit fast 30 Jahren ist die Kirchenmusik in der evangelischen Gemeinde Weilheim eng mit einem Mann verbunden: mit Walter Erdt. Als Kantor der Apostelkirche und des Dekanats Weilheim hatte es der heute 64-Jährige seit 1992 mit Hunderten von Sängern und Musikern zu tun. Jetzt wurde er in den Ruhestand verabschiedet – aber „Ruhestand“ ist eigentlich nicht das richtige Wort.

Weilheim – Er müsse sich erst noch „ein bissl dran gewöhnen“, sagt Walter Erdt im Gespräch mit der Heimatzeitung, dass er jetzt als „KMD i. R.“, also Kirchenmusikdirektor im Ruhestand, bezeichnet wird. Nach so langer Zeit im Einsatz für die Kirchenmusik ist das auch nicht verwunderlich.

Ganz von seinen bisherigen Aufgaben zurückziehen wird sich Erdt allerdings nicht. Erst im März wurde er als Vizepräsident im Verband evangelischer Chöre in Bayern für sechs Jahre wiedergewählt. „Das mache ich gerne“, sagt er über dieses Amt, in dem er zum Beispiel mit der Organisation des vom Verband veranstalteten Landeschortags zu tun hat. Zudem ist er noch zwei Jahre Glockensachverständiger. In dieser Funktion betreute er zum Beispiel vor einiger Zeit die Sanierung der Glocken in der evangelischen Kirche in Schongau.

Würdigung des langjährigen Engagements: Walter Erdt bei seiner Verabschiedung mit Dekan Jörg Hammerbacher (l.) und Pfarrerin Sabine Nagel. 

Auch die evangelische Kirchengemeinde Weilheim muss künftig nicht ganz auf ihn verzichten: Erdt möchte die coronabedingt verschobene Russland-Reise mit dem von ihm gegründeten und geleiteten Projektchor „Neue Kantorei“ 2022 nachholen – einschließlich der sechs Proben im Vorfeld. Und bereits in diesem Monat musiziert der Kulturpreisträger der Stadt Weilheim wieder mit Gundula Kretschmar vierhändig an der Orgel (Sonntag, 27. Juni, ab 18 Uhr).

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Kretschmar teilte sich mit Erdt seit 2013 die Kantorenstelle und hatte ihn auch davor schon vertreten, als er in Elternzeit war. Nun ist sie die alleinige Kantorin. „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden“, sagt Erdt über sein positives Verhältnis zu Kretschmar.

Auch nach der Stellenteilung hatte Erdt in der Regel eine 40-Stunden-Woche

Dass er schon vor einigen Jahren die Hälfte seiner Stelle abgab, lag an der hohen Arbeitsbelastung. „Allein das Orgelspielen müsste man eigentlich zwei Stunden am Tag üben“, sagt Erdt. Dazu komme, dass er jeden Feiertag im Dienst gewesen sei. Vor der Stellenteilung habe er rund 60 Stunden pro Woche gearbeitet. Danach hatte er allerdings auch keine richtige Halbtagsstelle, wie er sagt, denn er brachte es in der Regel noch auf rund 40 Wochenstunden. Manches habe er dann aber mit mehr Ruhe angehen können.

Als Erdt nun bei einer musikalischen Abendandacht offiziell – und coronabedingt um mehr als ein halbes Jahr verspätet – in den Ruhestand verabschiedet wurde, war er der am zweitlängsten bei der Kirchengemeinde beschäftigte Mitarbeiter. Ihm wurde vorgetragen, wie ihn ehemalige Pfarrer in Erinnerung haben: als „musikalisch hochkompetent“ genauso wie als „unprätentiös“ und „sehr humorvoll“, wie Erdt berichtet. Es sei „sehr ergreifend“ gewesen, die Erinnerungen ehemaliger Weggefährten zu hören. Gewürdigt wurden Erdts Verdienste auch von Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Knörr, Weilheims drittem Bürgermeister, Alfred Honisch, und von Gundula Kretschmar. Mit dieser spielte der Neu-Ruheständler bei der Andacht auf der Orgel.

Die Arbeit mit den Chorkindern machte Erdt am meisten Freude

Bei seiner Aufgabe als Kantor habe ihm alles Spaß gemacht, sagt Erdt am Ende des Gesprächs mit der Heimatzeitung. Doch am meisten Freude habe er an der Arbeit mit den Chorkindern gehabt. Es sei schön gewesen, wenn sie voll Freude zur Probe gekommen seien. Es habe ihm aber auch gefallen, wenn sie unverblümt klar gemacht hätten, dass ihnen etwas langweilig wurde. Im Laufe der Jahre sangen, wie Erdt ausgerechnet hat, rund 150 Kinder in den von ihm betreuten beiden Chören. Auch einen Jugendchor leitete der Kantor.

„Ab und zu“, so erzählt der 64-Jährige und klingt dabei amüsiert, „begegne ich heute jungen Damen, die mich grüßen.“ Er kennt sie zwar nicht, geht aber davon aus, dass sie früher einmal in einem der zwei Kinderchöre sangen.

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