1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim

Schlammschlacht im Rathaus: Ex-Bürgermeister wirft Vizin „Erpressung“ vor - die schmeißt auch hin

Erstellt:

Von: Sebastian Tauchnitz

Kommentare

luftbild oberhausen weilheim schongau
Die Idylle trügt: In Oberhausen herrscht gerade dicke Luft. Erst trat der Bürgermeister zurück, jetzt auch noch seine Stellvertreterin. © Gisela Schregle

In Oberhausen werden die Bürgermeister knapp. Nachdem Thomas Feistl Ende Dezember aufgab, trat nun seine Stellvertreterin Anneliese Reichert zurück. Ihr werden „Erpressungsversuche“ vorgeworfen.

Oberhausen – Feistls Rücktritt einen Tag vor Silvester hatte viele offene Fragen aufgeworfen. In der dazugehörigen Erklärung sprach er damals davon, dass „Erpressungs- und Einschüchterungsversuche im Gemeinderat“ den Ausschlag dafür gegeben hätten, nach acht Jahren im Amt und erfolgreicher Wiederwahl alles hinzuwerfen (wir berichteten).

Seine bisherige Stellvertreterin Anneliese Reichert übernahm die Geschäfte im Rathaus. Im Gemeinderat selbst gärte es allerdings. Seine Mitglieder sahen sich einem ungerechtfertigten Generalverdacht ausgesetzt, weil der zurückgetretene Bürgermeister Feistl nicht klar benannt habe, wer ihn erpresst und eingeschüchtert haben soll. Sie forderten ihn auf, Ross und Reiter zu nennen.

Schlammschlacht im Rathaus: Ex-Bürgermeister macht Stellvertreterin für Rücktritt verantwortlich

Seine Stellvertreterin Anneliese Reichert und ihr Mann Stefan, der wie sie für „Tradition und Fortschritt“ im Oberhausener Gemeinderat sitzt, bemühten sogar eine Anwältin, um Feistl aufzufordern, schriftlich zu versichern, dass sie nicht mit den Vorwürfen gemeint seien.

Das Problem: Feistl meinte seine Stellvertreterin und deren Ehemann. Diese hätten nichts unversucht gelassen, um die Änderung eines Bebauungsplanes durch den Gemeinderat zu bringen, weil ihre Tochter größer und höher bauen wollte, als es der Plan zulassen würde. Das schreibt Ex-Bürgermeister Feistl in einem unserer Zeitung vorliegenden Brief an die Gemeinderäte.

Anneliese Reichert trat am Dienstag als Zweite Bürgermeisterin von Oberhausen zurück.
Anneliese Reichert trat am Dienstag als Zweite Bürgermeisterin von Oberhausen zurück. © Foto: privat/Archiv

Darin macht er nicht nur Anneliese Reichert für seinen Rücktritt verantwortlich, sondern fordert auch, dass der zwischenzeitliche Änderungsbeschluss des Bebauungsplans wieder aufgehoben wird, weil er teilweise unter Zwang erfolgt sei.

Bürgermeister-Stellvertreterin weist Erpressungsvorwürfe entrüstet zurück

Reichert weist die Beschuldigungen in einem weiteren Schreiben an die Gemeinderäte entrüstet zurück und beteuert, dass sie und ihr Mann an keiner Beratung und keinem Beschluss in Zusammenhang mit dem Bauprojekt ihrer Tochter teilgenommen hätten. Man habe zwar mit Feistl und anderen Gemeinderatsmitgliedern über das Thema gesprochen, aber niemanden erpresst oder eingeschüchtert. Dessen ungeachtet erklärte Reichert am Dienstag ihren Rücktritt als Zweite Bürgermeisterin, wie das Landratsamt gestern auf Anfrage bestätigte. Die von Reichert angekündigte Presseerklärung ist bisher nicht eingegangen.

Ex-Bürgermeister Thomas Feistl macht seiner ehemaligen Stellvertreterin harte Vorwürfe.
Ex-Bürgermeister Thomas Feistl macht seiner ehemaligen Stellvertreterin harte Vorwürfe. © Foto: Privat/Archiv

Nun übernimmt Gemeinderat Andreas Reichel, der sich wie Feistl und Reichert 2020 als Bürgermeisterkandidat zur Wahl gestellt hatte, die Führung der Geschäfte bis zur Neuwahl am 24. April.

Bürgermeister und Stellvertreterin schmeißen hin - bisher noch kein neuer Kandidat

Nach Informationen unserer Zeitung hat sich bis jetzt noch niemand offiziell als Kandidat vorgestellt. Feistl schloss im Gespräch eine erneute Kandidatur aus. Er will sich auf seine Arbeit als Geschäftsführer der 17er-Oberland-Energie konzentrieren.

Der derzeit amtierende Bürgermeister Andreas Reichel meinte, die Verwaltung sei momentan arbeitsfähig und werde von der Verwaltungsgemeinschaft Huglfing nach Kräften unterstützt.

Nachdem Bürgermeister und Stellvertreterin zurückgetreten sind, muss Andreas Reichel die Geschäfte in Oberhausen bis zur Neuwahl am 24. April führen.
Nachdem Bürgermeister und Stellvertreterin zurückgetreten sind, muss Andreas Reichel die Geschäfte in Oberhausen bis zur Neuwahl am 24. April führen. © Foto: privat/Archiv

Das Landratsamt bestätigte gestern die neue Situation in Oberhausen. Allerdings sei Reichel ein weiterer Bürgermeister und der Gemeinderat auch nach den Rücktritten noch beschlussfähig. Deswegen sei es von Gesetzes wegen nicht nötig, dass ein Beauftragter eingesetzt werde. Dieser Fall trete nur dann ein, wenn der Gemeinderat nicht beschlussfähig sei. Dann werde in der Regel der Bürgermeister beauftragt. Sollte dies wie im vorliegenden Fall nicht möglich sein, übernehme diese Aufgabe die Rechtsaufsicht des Landkreises. Dieser Fall sei im Landkreis Weilheim-Schongau aber bislang noch nie aufgetreten, heißt es weiter in der Antwort des Landratsamtes.

Weilheim-Penzberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Weilheim und Penzberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Schongau-Newsletter. Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Wolfratshausen finden Sie hier.

Auch interessant

Kommentare