Leitet künftig die Mutter-Kind-Einrichtung: die Sozialpädagogin Petra Ott aus Weilheim – hier bei der Begutachtung des Baufortschritts auf Gut Raucherberg, wo die Bauarbeiten seit Herbst 2019 laufen.  Foto: Johanniter-Unfall-Hilfe
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Leitet künftig die Mutter-Kind-Einrichtung: die Sozialpädagogin Petra Ott aus Weilheim – hier bei der Begutachtung des Baufortschritts auf Gut Raucherberg, wo die Bauarbeiten seit Herbst 2019 laufen.

An neuer Einrichtung der Johanniter wird derzeit gebaut

In der Natur zwischen Weilheim und Bauerbach: Schutz und Geborgenheit für Mütter in Not

In ländlicher Umgebung zwischen Weilheim und Bauerbach gibt es künftig einen Rückzugsort für Schwangere und junge Mütter in schwierigen Situationen: Auf Gut Raucherberg entsteht eine Mutter-Kind-Einrichtung der Johanniter-Unfall-Hilfe. Die Leiterin ist, wie jetzt bekannt gegeben wurde, Petra Ott aus Weilheim.

Wielenbach – Auf Gut Raucherberg sollen Schwangere sowie minderjährige und volljährige Mütter aufgenommen werden, die „wegen persönlicher, gesundheitlicher, sozialer oder materieller Schwierigkeiten gezielte Hilfe und weitreichende Betreung für sich und ihr Kind benötigen“, wie es in einer Mitteilung der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) heißt. Die Frauen werden – so ist es geplant – dort versorgt und bei alltäglichen Anforderungen unterstützt und sollen zu einem „konstruktiven Erziehungsverhalten“ hingeführt werden. Für das „Marita Beissel Haus der Johanniter“ – so der Name der im Bau befindlichen Einrichtung – sind aber etwa auch pädagogische und therapeutische Gruppen- und Einzelangebote vorgesehen.

In der Einrichtung auf Gut Raucherberg sind Plätze für etwa 18 Mütter und ihre Kinder vorgesehen

In zwei Gebäuden sollen Plätze für etwa 18 Mütter mit ihren Kindern angeboten werden. Die Fertigstellung des „Marita Beissel Hauses“ ist für Ende kommenden Jahres geplant. Auch Voraussetzungen für eine professionelle Kinderbetreuung sollen geschaffen werden.

Realisiert wird der Rückzugsort von der JUH, dem künftigen Träger, zusammen mit der „Gräflich Beissel’schen Stiftung“ auf deren Grundstück im Gemeindebereich Wielenbach. Die Stiftung will „vernachlässigten, misshandelten, traumatisierten, sich in Deutschland aufhaltenden Kindern und deren Müttern“ helfen, sie in ihrer Notsituation schützen, unterstützen und ihnen eine Zukunft ermöglichen.

„Mädchen und junge Frauen, die schwanger werden oder schon Kinder haben und in eine Notlage geraten, sind in vielerlei Hinsicht dringend auf Hilfe für sich und ihre Kinder angewiesen – vor allem, wenn sie nicht von ihrem Umfeld oder von der Familie aufgefangen werden“, wird die neue Projektleiterin und künftige Einrichtungsleiterin, Petra Ott, in der Pressemitteilung zitiert. „Im ,Marita Beissel Haus’ der Johanniter bekommen die Mütter Zugang zu einem sicheren Ort, an dem sie Schutz und Geborgenheit erfahren, ein Zuhause auf Zeit. Sie finden emotionale Unterstützung und individuelle, professionelle Begleitung, um ihre Erfahrungen aufzuarbeiten, zu ihren Kindern eine positive und tragfähige Bindung aufzubauen und Ziele für ihre Zukunft zu entwickeln.“

Doch die neue Einrichtung bietet den dort untergebrachten Frauen auch die Möglichkeit, sich konkret auf die Zukunft vorzubereiten: „Wenn die jungen Mütter sich stabilisiert haben, bekommen sie Gelegenheit, sich einer Ausbildung zu widmen und eignen sich nach und nach alle lebenspraktischen Fähigkeiten an, die nötig sind, um mit und für ihre Kinder ihr Leben selbstständig zu meistern“, kündigt Ott an. Vorwiegend geht es in der Mutter-Kind-Einrichtung auf Gut Raucherberg darum, für die Bewohner ein förderliches Umfeld zu schaffen, das auf ein selbstbestimmtes, selbstständiges und eigenverantwortliches Leben vorbereitet.

Petra Ott: „Zuallererst dürfen die Mütter Wertschätzung und Respekt erwarten.“

Als studierte Diplomsozialpädagogin sei Ott „bestens für die neue Leitungsaufgabe gerüstet“, so die JUH. Die 52-Jährige, die seit mehr als zwei Jahrzehnten in Weilheim lebt, habe langjährige Erfahrung in der stationären Jugendhilfe.

Ott beschreibt, was junge Mütter von einem Aufenthalt auf Gut Raucherberg erwarten können: „Zuallererst dürfen die Mütter Wertschätzung und Respekt erwarten. Wir sehen in den Müttern aktive Partner, die den Hilfeprozess mitgestalten und ihre Bedürfnisse jederzeit äußern dürfen. Zunehmend und im regelmäßigen Austausch mit den Fachkräften und dem Jugendamt übernehmen die Mütter mehr und mehr Verantwortung für sich selbst und ihre Kinder und die Betreuungsintensität wird entsprechend angepasst.“

Aus Sicht der JUH ist das Gut Raucherberg ein guter Standort für die Mutter-Kind-Einrichtung: Dort sei einerseits ein „ruhiges und geschütztes Wohnumfeld“ geboten, und andererseits sei die Kreisstadt Weilheim „mit all ihren Möglichkeiten“ lediglich sechs Kilometer entfernt.

Eine Gräfin als Namensgeberin: Das Mutter-Kind-Haus wird nach der im Jahr 2015 verstorbenen Marita Gräfin Beissel von Gymnich benannt, die auf Gut Raucherberg lebte. Der Gräfin und ihrem Mann Hubertus war es, als sie ihren Nachlass regelten, ein großes Anliegen, Hilfsangebote für bedürftige Kinder und ihre Mütter zu schaffen, wie die Johanniter-Unfall-Hilfe mitteilte. So entstand die Idee, ein Teil der Gebäude auf Gut Raucherberg für eine Mutter/Vater-Kind-Einrichtung zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zweck wurde die „Gräflich Beissel’sche Stiftung“ gegründet. Deren Ziel ist es unter anderem, „Räumlichkeiten des Gutes Raucherberg als Ort der Erholung und Zufluchtsstätte“ für Kinder und Mütter zur Verfügung zu stellen. 

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