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Vorerst als Standort auserkoren: das „Telekom“-Gebäude hinter dem früheren Postamt in Seeshaupt. foto: rf

Empörung über "Telekom"

Seeshaupt - Die Seeshaupter sind verärgert: Die "Telekom" will einen Mobilfunkmasten unweit von Schule, Kindergarten und Kinderkrippe errichten.

Frank Sommer, Mobilfunk-Experte und Jurist, sagte es den Seeshaupter Gemeinderäten und Zuhörern bei der Sitzung am Dienstag klipp und klar: „Das ‚Ob’ haben Sie nicht in der Hand, nur das ‚Wo’“. Wie berichtet, will die „Deutsche Telekom“ im Dorf einen Funkmast aufstellen, weil die Kapazität der Antenne auf dem Postberg außerhalb des Ortes nicht mehr ausreicht.

Die Standortsuche verlief bislang erfolglos. Am 17. November teilte der Mobilfunkbetreiber der Gemeinde mit, der Mast werde auf das „Telekom“-Betriebsgebäude hinter dem früheren Postamt in der Bahnhofstraße verlegt.

Eltern, Lehrer und Kindergärtnerinnen sind empört, denn dieses Gebäude liegt in Sichtweite von Kinderkrippe, Kindergarten und Schulhaus. Das Problem: Eine zehn Meter hohe Antenne darf genehmigungsfrei aufs Dach montiert werden, selbst wenn die Spitze dann 17 Meter über dem Boden ist.

Sommer riet den Gemeinderäten zu einem sogenannten Dialogverfahren mit der Telekom, um wenigstens auf das „Wo“ der Sendestation Einfluss zu nehmen. Dafür müsste ein unabhängiges Unternehmen im Auftrag der Gemeinde nach geeigneten Alternativen suchen, die der Telekom vorgelegt werden.

Laut Bürgermeister Michael Bernwieser, der auch den Verein „Bürgerwelle“ in die Diskussion eingebunden hat, hat sich die Telekom zu Gesprächen bereit erklärt. Die Gemeinderäte Fritz Egold (SPD), Jan von Gruchalla (CSU) und Armin Mell (FDP) wollten lieber die Notbremse ziehen. Sie beantragten eine Veränderungssperre für den gesamten Ort und zeitgleich eine Planung für mögliche Mobilfunkstandorte.

Nach einer hitzigen und ausführlichen Debatte ließen sich die Drei wie ihre Kollegen von den Argumenten Sommers überzeugen, ins Dialogverfahren einzusteigen. Sommer gab allerdings auch den Skeptikern recht: Früher hätten die Mobilfunkbetreiber die Kommunen dabei nicht selten über den Tisch gezogen. In jüngster Zeit hätten sie aber erkannt, dass eine kooperative Zusammenarbeit besser sei als langwierige Rechtsverfahren.

Der Seeshaupter Gemeinderat beschloss trotzdem, als zweiten Schritt eine Veränderungssperre einzuleiten, wenn sich das Dialogverfahren als Fehlschlag erweise. Die Verwaltung soll schon jetzt die Voraussetzungen für eine Bauleitplanung prüfen. Bernwieser wurde es „mulmig“ bei der Vorstellung, weit über 30 Bebauungspläne zu überarbeiten und noch fehlende aufzustellen. Aber auch er stimmte für diese Vorgehensweise. rf

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