1500 Tabletten Ecstasy und über ein Kilo Cannabis

Hat Seeshaupter große Mengen Drogen im Darknet gekauft?

Ein Seeshaupter soll im Darknet, dem anonymen  Teil des Internets, erhebliche Mengen an Drogen geordert und damit laut Staatsanwaltschaft zwischen Dezember 2014 und April 2017 „einen schwunghaften Handel“ betrieben haben. Deshalb muss der 24-Jährige sich nun vor dem Münchener Landgericht verantworten.

München – Den Strafverfolgern zufolge soll der junge Mann über 1500 Tabletten Ecstasy und Hunderte Gramm Amphetamin über das Internet bestellt haben – beide Drogen sind als Aufputschmittel nicht nur in der Technoszene beliebt. Hinzu kamen laut Ermittlern über ein Kilo Cannabis und mehrere Dutzend Gramm Kokain. Der Beschuldigte soll das Rauschgift auch an Minderjährige verkauft haben. Ein Kriminalpolizist sagte vor Gericht, der Seeshaupter habe zuvor bei einem Jugendlichen, den er im Internet kennengelernt habe, mehrfach Bitcoins gekauft. Mit dieser Digitalwährung, die wegen ihres hohen Maßes an Anonymität mitunter auch für kriminelle Geschäfte genutzt wird, habe er anschließend die Drogen erworben.

Im Darknet tarnte sich der Beschuldigte mit falschen Namen oder arbeitete mit Pseudonymen wie „Red Foreigner“ oder „Chemical Love“. Ein Ermittler berichtete in der Verhandlung, wie man dem jungen Mann schließlich auf die Schliche gekommen sei: Einer der mutmaßlichen Drogenzulieferer habe von allen verschickten Rauschgift-Paketen fein säuberlich die DHL-Bestellnummern notiert und auf seinem Computer gespeichert. „Das hat uns schon gewundert“, sagte der Beamte vor Gericht. Mit den Daten sei es dann ein Leichtes gewesen, auch an die Identität des 24-jährigen mutmaßlichen Abnehmers aus Seeshaupt zu kommen. Dass dieser sich die Lieferungen in eine Paketstation in Weilheim habe schicken lassen, war für die Arbeit der Ermittler offenbar kein größeres Hindernis. Anfang April 2017 klickten jedenfalls die Handschellen – der junge Mann wurde sofort in Untersuchungshaft genommen. Der Prozess dauert voraussichtlich bis Mitte März an.

Tobis Lill

Rubriklistenbild: © dpa

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