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Ein dicker Baumstamm trennt neuerdings den Hotelstrand vom öffentlich zugänglichen Teil des Geländes ab.

Strand am „The Starnbergsee Hideaway“

Ärger im Paradies: Luxushotel sorgt für dicke Luft bei Badegästen

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Seit einigen Monaten ist der Landkreis um ein Luxushotel reicher: das „The Starnbergsee Hideaway“ öffnete seine Pforten auf dem ehemaligen Lido-Gelände in Seeshaupt. Doch nun droht Ärger im Paradies – Badegäste fühlen sich schlecht behandelt.

Seeshaupt – Früher war alles besser. Zumindest, wenn man die Badegäste am Lido-Strand in Seeshaupt fragt. Früher, als das „The Starnbergsee Hideaway“ noch nicht stand, als man erst gegen Gebühr, später dann kostenfrei auf der Brachfläche parken konnte. Früher, als die Badegäste direkt vom Strand aus in die sanitären Anlagen im Gasthaus, das sieben Tage die Woche geöffnet hatte, laufen konnten. Früher, als noch nicht dicke Baumstämme einen Teil des Strandes abriegelten.

Heute stehen auf dem abgeriegelten Areal bequeme Holzliegen, auf denen es sich die Hotelgäste bequem machen und den Blick auf den See genießen. Heute steht auf dem Parkplatz ein großes Schild, das darauf hinweist, dass jeder abgeschleppt wird, der hier parkt und kein Hotelgast ist. Heute stehen die Badegäste montags und dienstags, wenn im Restaurant Ruhetag ist, vor verschlossener Klotür.

Das alles sorgt für reichlich dicke Luft bei den Badegästen – besonders in diesem Bilderbuchsommer. Das hat natürlich auch der Zweite Bürgermeister von Seeshaupt, Fritz Stuffer, mitbekommen. Er hat sich des Themas angenommen, die Sache ist aber durchaus kompliziert. „Der Strand gehört dem Studentenwerk München, die haben ihn aber schon vor Jahrzehnten in Erbpacht abgegeben“, sagt er. Pächter sind die Betreiber von Hotel und Restaurant. Einzig der Steg sei definitiv dauerhaft öffentlich zugänglich – nur unter dieser Bedingung wurde in den 90er Jahren seiner Verlängerung zugestimmt.

Nun prüfe die Gemeinde eine alte Vereinbarung aus den 50er Jahren, die festlegt, was wie genutzt werde darf. Man wolle aber nicht auf Konfrontationskurs mit den „Hideaway“-Betreibern gehen, sondern strebe eine einvernehmliche Lösung an. „Es ist vollkommen Okay, dass der Hotelbetreiber einen Teil des Strands beansprucht“, sagt Stuffer. Man wolle alle Beteiligten – Gemeinde, Studentenwerk, Hotelbetreiber und die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung an einen Tisch bringen, um für 2019 eine Lösung zu erarbeiten, die sowohl die Bedürfnisse des Hotels als auch die der Badegäste unter einen Hut bringt.

Auch und vor allem in Sachen sanitäre Anlagen: „Es kann ja nicht Wunsch des Hotelbetreibers sein, dass die Badegäste an den Restaurant-Ruhetagen ins Gebüsch bieseln“, so Stuffer weiter. Der Bernrieder Architekt Wolfgang Neumaier, der sich im Auftrag der Hotelbetreiber bei der Heimatzeitung meldete, stimmt dem zu, gibt aber zu bedenken: „Wir können die Toiletten während der Ruhetage nicht einfach unbeaufsichtigt offen stehen lassen.“

Neumaier kündigt an, dass in den kommenden Wochen eine Schranke auf dem Parkplatz installiert werden soll: „Dann ist vorstellbar, dass die Stellflächen, die wir nicht für die Hotel- und Restaurantgäste brauchen, gegen Gebühr von Badegästen genutzt werden können.“ Dass ein Teil des Strandes nun abgetrennt und nur für die Hotelgäste verfügbar sei, habe sich nicht verhindern lassen: „Da kamen Badegäste, nahmen sich unsere Liegen und schleppten sie auf den Steg.“

Generell habe er durchaus Verständnis für den Unmut der Badenden, „aber die Leute müssen sich dran gewöhnen, dass nach Jahrzehnten des Schlendrians durch die neue Nutzung in diesem Bereichen auch wieder Recht und Ordnung einziehen“.

So sieht das neue Hotel aus

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