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So sah das Häuschen „An der Ach 14“ aus. Wo es stand wird derzeit ein großes Haus gebaut.
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Dieses Grundstück war der Auslöser für die Änderung des Bebauungsplanes.

Bebauungsplan „An der Ach“

„Abstimmen, bis es passt“

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln... Im Seeshaupter Gemeinderat wurde zum wiederholten Mal über den Bebauungsplan „An der Ach“ abgestimmt. Im zweiten Anlauf wurde er doch – wen auch knapp – genehmigt.

Seeshaupt – Als Max Amon (CSU) gleich zu Beginn der Seeshaupter Gemeinderatssitzung mit seinem Antrag scheiterte, die strittige zweite Abstimmung über den Bebauungsplan „An der Ach“ von der Tagesordnung zu nehmen, war der Ausgang zu erahnen: Mit 9:7 Stimmen wurde sein Antrag abgelehnt. Mit 9:7 Stimmen wurde der Bebauungsplan im zweiten Anlauf doch genehmigt – dank der Stimmen von Stefan Müller, Markus Ott und Bernd Habich, die bei der Sitzung am 24. Juli nicht dabei waren.

Damals waren die Gegner einer dichteren Bebauung in der beschaulichen Siedlung noch in der Überzahl. Die Wiedervorlage hatten Stefan Müller, Barbara Kopf Georg Leininger (alle PFB), Armin Mell (FDP) und Manfred Fent (GRAS) durchgesetzt. Der Plan hat übrigens schon alle formellen Hürden genommen, es ging in der jüngsten Sitzung nur noch um den Satzungsbeschluss.

Vor der Abstimmung wurde heftig debattiert, ob es kommunalrechtlich erlaubt sei, einen Beschluss nochmals zu behandeln, obwohl es keinerlei neuen Erkenntnisse gibt. Oder, wie es Max Amon formulierte, , so lange abzustimmen, bis das Ergebnis für eine Seite in Ordnung gehe. Die Entscheidung liegt letztendlich bei Bürgermeister Michael Bernwieser. Der sagte, dass jeder Gemeinderat das Recht habe, „sich eines Besseren zu besinnen“. Für ihn wie die anderen Befürworter sichert der neue Plan den Schutz für die Natur, denn Neubauten dürfen nun nicht näher als acht Meter an der Gewässerböschung stehen. Vor allem stehe der Plan für mehr Gleichbehandlung von Grundeigentümern.

Diese Gleichbehandlung heißt, dass größere Grundstücke auch entsprechend bebaut werden dürfen. Und genau das ist der Knackpunkt: Mit dem neuen Bebauungsplan liegen die neun Grundstücke westlich der Achbrücke nicht mehr im Außenbereich. Das bedeutet: Es sind nicht mehr wie bisher für die älteren Häuser nur Ersatzbauten erlaubt, die zu den heutigen Wohnstandards passen, sondern entsprechend der Grundstücksgrößen auch neue, zusätzliche Bauten. Davon profitieren im Wesentlichen die zwei Eigentümer von Grundstücken mit etwa 2000 Quadratmeter Fläche.

Einer davon, der sein Grundstück erst vor zwei Jahre erworben hat, hat den Stein überhaupt erst ins Rollen gebracht: Im November 2016 beantragte er eine Änderung des Bebauungsplanes aus den späten 1990er-Jahren, um statt eines Ersatzbaus zwei Einfamilienhäuser errichten zu können. Eine Änderung reichte nicht aus, es musste ein neuer Plan aufgestellt werden, der die Einstufung „Außenbereich“ aufhebt. Der Gemeinderat leitete das Verfahren ein; sieben Ratsmitglieder wollten schon damals am Status quo festhalten. Bei einer Prüfung im Januar 2018 stellte sich heraus, dass sich auf besagtem Grundstück der „Baufensterkorridor teils mit dem Biotop überlagert“. Daraufhin wurden Achufer und Schilfgürtel neu vermessen, jetzt passte es (siehe Kasten).Im Frühjahr wurde zudem das Grundstück ohne Prüfung gerodet, entgegen der Seeshaupter Baumschutzverordnung. Die einen sagen in einer Nacht- und Nebelaktion, die anderen, dass es wegen der Vogelbrutzeit so schnell gehen musste.

Der potenzielle Bauherr hat sich indes unter seinen neuen Nachbarn keine Freunde gemacht. Mit Unterschriftenaktionen haben sie bis auf zwei Ausnahmen ihren Willen bekundet, dass sie keine Nachverdichtung wollen. Seither werden die Diskussionen immer emotionaler, ein Gemeinderat spricht von Stimmungsmache gegen den Grundbesitzer. Andererseits wird gemunkelt, dass er versuche, „abtrünnige“ Ratsmitglieder auf seine Seite zu ziehen.

Es bleibt die Frage, warum die Vorinteressenten nicht zum Zuge kamen. Die langjährigen Mieter des Häuschens hätten das Grundstück auch kaufen wollen, wenn sie es mit einem Doppelhaus oder zwei Einzelhäusern hätten bebauen dürfen. Im Rathaus wurde ihnen aber vor rund zwei Jahren gesagt, dass nur ein Ersatzbau möglich sei, weil das Grundstück im Außenbereich liegt. Daraufhin sind sie abgesprungen.

Renate von Fraunberg

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