+
Festredner: Münchens Alt-OB Christian Ude.

Mahnmalfeier in Seeshaupt

Weder Opfer- noch Täterort

Seeshaupt - Münchens Alt-OB Christian Ude sprach bei der Mahnmalfeier  in Seeshaupt vor rund 200 Zuhörern. Er zollte den Bürgen Respekt.

„Seeshaupt darf stolz sein“. Christian Ude, der frühere Oberbürgermeister von München, zollte den Bürgern großen Respekt, die 1995 trotz heftiger Widerstände das Mahnmal aufgestellt hatten, obwohl das Dorf weder Täter- noch Opferort sei. Der Güterzug mit 2000 KZ- Häftlingen sei aus purem Zufall am Bahnhof gestrandet, die Gräueltaten hätten die geschundenen Menschen weit weg von Seeshaupt, im Lager Mühldorf, erlitten. Umso bemerkenswerter, dass die „Gemeinde die Augen nicht zumacht und sich zum Nachdenken zwingt, jedes Jahr wieder, mit einer Gedenkfeier am Mahnmal.“

Ude gratulierte bei der Mahnmalfeier am Samstag zur „unbequemen, aber offenen Diskussion“. Die Frage nach der Schuld sei in Seeshaupt begreifbarer als in Opferstätten wie Dachau und Ausschwitz oder Orten wie dem Münchner NS-Dokumentationszentrum, sagte er vor knapp 200 Zuhörern – so vielen wie noch nie.

Der evangelische Pfarrer Klaus Pfaller hatte zuvor am Abschneiden der AFD bei den jüngsten Landtagswahlen thematisiert, wie rechte Gedanken in der Mitte unserer Gesellschaft zunehmend Nährboden fänden. Ude präzisierte diese Entwicklung noch: „Es gibt so viele Erinnerungsstätten und Dokumentationsorte über das NS-Regime wie nie zuvor – und trotzdem so viel rechtes Gedankengut wie nie“. Er rief die Zuhörer zu „Verfassungspatriotismus“ und vehementem Eintreten für das Grundgesetz auf, das in Paragraph 1 schon das Wichtigste ausdrückt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Seeshaupts Bürgermeister Michael Bernwieser dankte dem Alt-Oberbürgermeister für „seine ergreifenden Worte und die neuen Aspekte“. Vor Ude hatte noch kein Redner die Zufälligkeit der Ereignisse vom 30. April 1945 und die andauernde Auseinandersetzung der Bevölkerung damit so deutlich ausgesprochen.

Zu Beginn der Gedenkfeier las James Cohen von der jüdischen Gemeinde München den Klagepsalm 102. Seeshaupts katholischer Pfarrer Mladen Znahor sprach zur jüdischen Weisheit „Das Geheimnis der Erlösung ist die Erinnerung“ in der vom Kirchenchor umrahmten Veranstaltung.

Renate von Fraunberg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Layritzhalle: Planungsvergabe für Blaulichtzentrum?
Wie geht es weiter mit der Layritzhalle in Penzberg? Die Verwaltung soll laut Tagesordnung des Bauausschusses damit beauftragt werden, das Verfahren für die Vergabe der …
Layritzhalle: Planungsvergabe für Blaulichtzentrum?
Das Innenbecken ist endlich wieder offen
Auf diesen Moment haben Sauna- und Badefans in der Region jetzt gut zwei Jahre gewartet: Das Innenbecken in der „Rigi-Rutsch’n“ in Peißenberg ist wieder geöffnet.
Das Innenbecken ist endlich wieder offen
Zu Besuch im Atelier von Bernd Fleißner
Für die Mitglieder des Huglfinger Arbeitskreises „Geschichte und Kultur“ war der Ausflug ins Fleißner-Atelier „ein Erlebnis“. 
Zu Besuch im Atelier von Bernd Fleißner
Penzberg: Millionenkosten für drei Weiher
Drei Weiher könnten die Stadt Penzberg teuer kommen. Es geht um die Ertüchtigung der dortigen Stauanlagen.
Penzberg: Millionenkosten für drei Weiher

Kommentare