Bietet seminare und Online-Kurse: Diana Stieber.
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Bietet Seminare und Online-Kurse: Diana Stieber.

Trainerin Diana Stieber aus Magnetsried

Sie zeigt, was gegen Mobbing hilft

„Meine Mission ist es, Menschen und vor allem Kinder daran zu erinnern, dass sie frei sind“, sagt Diana Stieber. Die 39-Jährige aus Magnetsried übt mit Jugendlichen, wie sie mit Mobbing und Konfliken umgehen können. Auch Eltern und Fachkräfte profitieren von den Seminaren.

Magnetsried – Im Interview wirkt die Trainerin sehr nett und empathisch, doch sie hat auch eine ganz andere Seite. Die ist fies, beleidigend und böse – sobald sie in ihre Rolle als Dorothee schlüpft. „Kinder sollen verstehen lernen, warum andere Menschen sich auf bestimmte Art und Weise verhalten“, erklärt sie. Und mit Dorothees/Dianas Hilfe können sie lernen, sich nicht provozieren zu lassen und selbstbewusst eigene Ziele zu verfolgen. „Stark sein auch ohne Muckis“ lautet das Motto für die Seminare an Schulen, aber auch bei Vorträgen und via Internet berät sie Lehrer und Eltern.

Die fiese Dorothee ist keine Erfindung, „sondern die gab es in meiner Schulzeit wirklich: Sie hat damals mit anderen Mädchen einen Anti-Diana-Club gegründet und mich übel schikaniert – oft bin ich heulend heimgekommen“. Die Erfahrung, ausgegrenzt zu sein, führte sie als junge Frau auf einen unheilvollen Weg: „Weil ich mich so minderwertig fühlte, habe ich versucht, überall extrem gut zu sein.“ So wurde sie erfolgreiche Leistungssportlerin, Führungskraft im digitalen Vertrieb, Ehefrau und Mutter zweier Kinder, bis ein heftiger Burnout das rasende Lebenstempo auf Null setzte.

Es dauerte einige Zeit, bis Stieber sich wieder erholte und begriff, welche verhängnisvollen Muster das Mobbing in ihr ausgelöst hatte. Seitdem arbeitet sie als Selbstbehauptungs-Trainerin sowie Kinder- und Jugend-Coach mit dem Ziel, „dass Konflikte gar nicht mehr entstehen – und wenn doch, in ihrer Bewertung deutlich an Relevanz verlieren“. Das Mobbing-Problem lasse sich durchaus mit der Corona-Pandemie vergleichen, stellt sie fest: „Die entscheidende Frage ist: Fühle ich mich als Opfer hilflos ausgeliefert?“ In beiden Fällen gelte es, die Fassung zu bewahren und geeignete Gegenstrategien zu entwickeln. „Wenn zum Beispiel jemand meine Integrität verletzt, muss ich mir bewusst machen, dass die Meinung anderer nicht maßgeblich ist!“ Denn alles, was wir im Leben erfahren, habe seinen Ursprung zu einem großen Teil darin, wie wir über uns, über andere und die Welt denken.

Die Trainingsteilnehmer lernen zum Beispiel: Wie gehe ich mit Beleidigungen um? Was kann ich tun, wenn mir jemand Gewalt androht? Was mache ich, wenn mich jemand festhält oder mir Sachen wegnimmt? Wie wirke ich selbstsicher? Etwa jedes fünfte Kind in Deutschland macht laut Sieber negative Erfahrungen mit Mobbing und überfordernden Konfliktsituationen. Um diese Zahl zu senken, holt sie Eltern und Fachkräfte mit ins Boot und vermittelt ihnen in Seminaren Wissen und Werkzeuge, mit denen Kinder nachhaltig gestärkt werden. Wegen der digitalen Medien fänden Gewalt und Mobbing häufig verdeckt statt, so die Trainerin. Zu Cybermobbing zählen Beschimpfungen, das Verbreiten von Gerüchten, peinlichen Fotos oder üblen Verleumdungen im Netz. Schüler, die mit ihrem sozialen Alltag unzufrieden sind, gelten als besonders gefährdet – auch, weil sie im Internet nach Kompensation und Bindung suchten.

Peter Stöbich

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